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Hilden/Haan
In den Städten fehlen benötigte Sozialwohnungen

Hilden/Haan. Der Neubau hält mit der Nachfrage und dem Fall aus der Zweckbindung bei weitem nicht mit. Von Christoph Schmidt

In Hilden gibt es aktuell (Stand: 31. Dezember 2014) 1283 Sozialwohnungen, 156 weniger als noch vor vier Jahren (2010). Das geht aus einer Anfrage von SPD und Grünen im Kreistag hervor. In den nächsten zehn Jahren werden 216 öffentlich geförderte Wohnungen aus der Zweckbindung fallen, teilt die Kreisverwaltung weiter mit. In Haan gab es Ende 2014 1103 Sozialwohnungen, 26 mehr als noch vor vier Jahren. In den kommenden zehn Jahren fallen aber 49 Wohnungen aus der Sozialbindung.

Preisgünstige Wohnungen werden immer knapper - obwohl die Förderkonditionen für Sozialwohnungen so attraktiv sind wie seit Jahren nicht, so der Kreis. So würden aktuell beispielsweise Tilgungsnachlässe von bis zu 35 Prozent auf Förderdarlehen eingeräumt. 16.090 öffentlich geförderte Wohnungen zählte die Kreisverwaltung in allen zehn Kreisstädten mit rund 500.000 Einwohnern. 1620 Sozialwohnungen fielen in den vergangenen vier Jahren aus der Zweckbindung, weil die gewährten Darlehen entweder planmäßig oder vorzeitig getilgt wurden. Weitere 2378 Sozialwohnungen werden in den kommenden zehn Jahren nicht mehr zur Verfügung stehen.

Der Neubau hält mit dieser Entwicklung bei weitem nicht Schritt. In Haan wurden von 2010 bis 2014 49 Sozialwohnungen neu errichtet und mit knapp 5,6 Millionen Euro gefördert. In Hilden entstanden 86 öffentlich geförderte Wohnungen (9,5 Millionen Euro). Im Kreis Mettmann insgesamt 334 Einheiten, gefördert mit rund 35 Millionen Euro, wobei in Heiligenhaus (754 Sozialwohnungen), Erkrath (3236), Monheim (660), Ratingen (2619) und Wülfrath (536) in den vergangenen vier Jahren nicht eine einzige neue Sozialwohnung gefördert wurde.

Das Thema ist ein "heißes Eisen", weil immer mehr Menschen (Flüchtlinge) Anspruch auf Sozialhilfe (Hartz IV) und bezahlte Wohnungen haben. Die Kommunen und der Kreis müssen diesen Berechtigten ein Dach über dem Kopf besorgen - und dafür zahlen. Wie schwierig die Wohnungsbeschaffung ist, zeigt eine Anfrage der Hildener Grünen. Sie wollten wissen, wie viele Flüchtlinge die Stadt Hilden in Wohnungen untergebracht hat. Die Kommune konnte gerade einmal zehn Wohnungen anmieten, berichtet Sozialdezernent Reinhardt Gatzke: "Der Wohnungsmarkt in Hilden ist angespannt, es gibt keine merkbaren Leerstände. Auch die größeren Wohnungsanbieter haben keinen freien Wohnungsbestand." Die Stadt Haan konnte rund 60 Flüchtlinge (Stand Oktober) in angemieteten Wohnungen unterbringen. In Hilden machen Sozialwohnungen weniger als fünf Prozent des Bestandes aus. Die städtische Wohnungsbaugesellschaft WGH besitzt nur 202 öffentlich geförderte Wohnungen. Sie kann nur bauen, wenn ihr die Stadt ein Grundstück zur Verfügung stellt - so wie aktuell am Feuerwehrhaus/Ecke Kirchhofstraße. Anfang 2016 sollen die sieben Sozialwohnungen fertig sein. Auch auf dem städtischen Schweitzer-Gelände soll die WGH weitere 17 Sozialwohnungen errichten. Doch das Areal wird derzeit als Notunterkunft genutzt. Wie lange ist offen.

Die private Rotterdam-Gruppe (Langenfeld) baut an der Richrather Straße 15 59 geförderte Wohnungen mit Tiefgarage. Ende 2016 sollen die ersten Mieter einziehen. "Das ist die ideale Stelle für Sozialwohnungen", ist Geschäftsführer Andreas Rotterdam überzeugt: "Schnell reich wird man mit Sozialwohnungen nicht, aber sie sind ein solides Investment - wenn man an der richtigen Stelle baut und genügend Zeit mitbringt."

Quelle: RP
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