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Kolumne Calm Down (8)
In der Bücherei gaaanz ruhig etwas ausleihen

Kolumne Calm Down (8): In der Bücherei gaaanz ruhig etwas ausleihen
Die Stadtbücherei hat ihr Angebot für Flüchtlinge ausgebaut. Omar Ibrahim, 26, aus dem Irak profitiert davon. Er ist seit vier Monaten in Hilden. FOTO: Olaf staschik
Hilden. Verstaubt, dunkel getäfelt und alle sind leise, weil gelesen wird? Dieses Bild von einer Bibliothek trifft in Hilden nicht zu. Ein Besuch. Von Gökçen Stenzel

Der eine würde es "Eulen nach Athen tragen" nennen, der andere einfach nur "irre": Auf der Suche nach einem geeigneten Platz zum Herunterfahren, komme ich in die Stadtbücherei am Nove-Mesto-Platz, und mein aktuelles Buch habe ist gleich mitgebracht. Nicht dass es auf den drei Etagen der Bücherei nicht genug zu lesen gäbe - aber "Das Istanbulkomplott" ist einfach zu spannend gerade, um unterbrochen zu werden. Der Plan ist, für eine halbe Stunde in die Welt der Agenten einzutauchen und aus dem Alltag abzutauchen. Das Sofa im ersten Stock erscheint ideal.

Schein und Sein sind jedoch zweierlei. Das Sofa ist gemütlich, doch zum Vertiefen in den Thriller ist es rundherum schlicht zu laut. Es geht zu wie im Taubenschlag, Schüler kommen und nehmen am Nachbartisch Platz, andere wechseln die Etage und rufen sich etwas zu, weiter hinten erklärt jemand einem Jungen etwas am Laptop. Das Gebrumm vieler halblauter Unterhaltungen dringt ins Ohr. Nicht unangenehm, nur ablenkend. In den anderen Sesseln knutschen zwei junge Paare, eines der Mädchen trägt ein Kopftuch. Die oberste Etage, dort, wo die Computer stehen, ist gut besucht. Ausländer, vielleicht Asylsuchende, lernen dort Deutsch oder schauen sich einfach einen Film an. Stimmt, da war doch was?

Die Bücherei hat auf die starke Nachfrage nach Medien und Angeboten für Flüchtlinge reagiert und ein Programm entwickelt. "Unser Medienangebot reicht nun vom speziellen Anfänger-Sprachkursus über Selbstlernkurse in zahlreichen Ausgangssprachen, Medien zur Alphabetisierung und Bildwörterbücher bis hin zu Romanen in .leichter Sprache'", erläutert Bibliotheksleiterin Claudia Büchel. "Außerdem können bei uns Verständigungshilfen für Arztbesuche und Elterngespräche in Kitas und Schulen entliehen werden." Im Internet-Café gibt es einen Sprachlern-PC mit direktem Zugriff auf kostenfreie Angebote aus dem Netz. Die Bibliotheksmitarbeiter haben sich zudem in Englisch fortgebildet. "Viele Flüchtlinge finden täglich den Weg zu unsi. Sie nutzen das Internet, entleihen Medien, treffen Freunde, lesen, spielen und lernen in den Räumen", berichtet Karin Lachmann. Die Diplom-Bibliothekarin ist in der Stadtbücherei für die interkulturellen Angebote zuständig. In Kooperation mit der Evangelischen Erwachsenenbildung entstand nun eine neue Veranstaltungsreihe: "Speak Easy". Die Gruppe wird von ehrenamtlichen Helfern geleitet. Flüchtlinge, aber auch alle anderen können sich hier in ungezwungener Runde treffen. Neue Gesichter sind dienstags um 16 Uhr willkommen.

Und das Herunterfahren, wofür ich doch gekommen war? Sind die hellen - auch hellhörigen - Räume dafür nun geeignet? Durchaus. Es ist ungeheuer entspannend, in aller Ruhe von einem Regal zum nächsten zu wandern, sich die Auslagen anzuschauen und in den Bänden zu blättern, um zu entscheiden, welches Buch es nach Hause schafft.

Dort, beim Schmökern auf der Couch, wird es sich einstellen, das gesuchte Gefühl.

Quelle: RP
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