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Hilden
Junge Polen besuchen Helmholtz-Schüler

Hilden. Im Gymnasium suchen 32 Jugendliche in ihren Familien nach Spuren des 2. Weltkriegs. Von Ilka Platzek

71 Jahre nach Kriegsende - da werden junge Leute kaum noch Neues in ihren Familiengeschichten zutage fördern. Könnte man meinen, stimmt aber nicht: Joanna Bieberstein, Chemie- und Mathelehrerin am HGH mit polnischen Wurzeln, betreut die Schüler auf ihrer einwöchigen Spurensuche. Die Hildener waren bereits in Warschau zu Besuch, die jungen Polen absolvieren gerade den Gegenbesuch. "Typische Migrationsströme wollen die Schüler am Ende des Austauschprogramms in einer Woche vorstellen. Es geht um Flucht und Vertreibung." Ein Ausflug zur NS-Gedenkstätte in Düsseldorf ist geplant, ein weiterer nach Aachen, zum Westwall. Bieberstein hat festgestellt, dass die Spurensuche in deutschen wie polnischen Familien ein willkommener Anlass ist, in Erinnerungen zu suchen: "Großeltern einer polnischen Schülerin, die nach Ostpreussen umgesiedelt worden sind, hätten gesagt: 'Der Ofen war noch warm.'" Ein Ofen, den deutsche Vertriebene angeheizt hatten.

Hannah, 16, aus Hilden weiß von ihren Großeltern, dass sie als Kinder mit den Eltern aus Pommern nach Berlin geflohen sind. Paulina, 15, aus Warschau hat zum ersten Mal erfahren, "dass mein Urgroßvater als Zwangsarbeiter in Hannover war." Er kam mit dem Leben davon. Marija, eine 16-jährige Hildenerin mit serbischen Wurzeln, weiß jetzt, dass ihr (toter) Opa im Krieg Offizier und Truppenausbilder gewesen ist. Alle Jugendlichen erzählen bereitwillig. Am 4. Mai wollen sie ihre gesammelten Ergebnisse der Öffentlichkeit präsentieren: Um 12 Uhr im Raum 0.37 des HGHs. Sie hoffen, dass möglichst viele Geschichtsinteressierte kommen.

Quelle: RP
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