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Hilden/Haan
Keiner weiß, wie viele Hildener es gibt

Hilden/Haan: Keiner weiß, wie viele Hildener es gibt
FOTO: Ralph Matzerath
Hilden/Haan. Für die Bevölkerungszahl Hildens gibt es zwei Werte. Die Angaben von IT NRW weichen erheblich von denen der Stadt Hilden ab. Die RP erklärt, woran das liegt. Von Christoph Schmidt

Im Vorjahr ist Nordrhein-Westfalen um 66.242 Einwohner gewachsen auf 17.638.098, berichtet Information und Technik NRW als statisches Landesamt und spricht vom "stärksten Anstieg seit 20 Jahren". Auch Hilden ist gewachsen - um 237 auf 54.737 Einwohner (Stand 31. Dezember 2013) beziehungsweise 54.894 (Dezember 2014). In Haan wurden 181 Einwohner mehr registriert (30.166 am 31. Dezember 2014).

Die Städte selbst weisen ganz andere Zahlen aus. Hilden zählte etwa zum 1. Januar 2014 56.799 Einwohner, also exakt 2062 mehr als IT NRW. Wer hat Recht? "Beide Zahlen werden wohl falsch sein", meint Hildens Erster Beigeordneter Norbert Danscheidt und sagt: "Die Wahrheit liegt eher in der Mitte." Die Stadt Hilden habe bei der Berechnung auf das eigene Melde- und Standesamt zurückgegriffen. Dort werden Geburten und Sterbefälle sowie Zu- und Fortzüge verzeichnet. "Dabei können sich jedoch Fehler einschleichen", erklärt Danscheidt. "Etwa, wenn bei einem Umzug die Abmeldung die alte Stadt nicht erreicht." Das Land nutze eigene Zahlen für seine Landesplanungen. "Diese Zahlen sind auf jeden Fall zu niedrig", meint Danscheidt. Das habe aber für die Stadt Hilden keine Folgen, weil Hilden (ebenso wie Haan) als wohlhabende, steuerstarke Stadt gilt und ohnehin keine Schlüsselzuweisungen über den NRW-Finanzausgleich erhält. Deshalb habe Hilden auch nicht gegen die im Rahmen des Zensus 2011 ermittelte Einwohnerzahl geklagt: "Weil das keine durchgreifenden Auswirkungen für Hilden hat und weil der Erfolg einer solchen Klage sehr zweifelhaft ist."

1987 gab es die letzte echte Volkszählung in Deutschland. Sie wurde von vielen Protesten und einem Boykott begleitet. Nach einer Klage verbot das Bundesverfassungsgericht einen Registerabgleich, erläutert Leo Krüll von IT NRW: "Aus Datenschutzgründen durften die kommunalen Meldeämter die Daten von IT NRW nicht übernehmen." Dieses Verbot gelte bis heute. Die von IT NRW ermittelten Einwohnerzahlen basierten auf dem Zensus 2011. Zum Stichtag 9. Mai 2011 wurde zwar jeder Immobilien-Eigentümer, ab nur jeder zehnte Haushalt befragt - und die Ergebnisse wurden dann mit einem anerkannten Verfahren hochgerechnet. Diese Zahlen wurden dann monatlich fortgeschrieben mit Geburten, Verstorbenen, Zu- und Fortzügen. Deshalb glaubt Krüll: "So falsch können unsere Zahlen nicht sein."

In einem Fall ist die Einwohnerzahl freilich schon relevant. Nach ihr bemisst sich das Gehalt des Bürgermeisters. Ab 30.001 Einwohnern gibt es für den Amtsinhaber mehr Geld. "Natürlich haben wir dabei die Zahlen der Landesstatistiker zugrunde gelegt", erläutert Haans Bürgermeister Knut vom Bovert das Verfahren. Zum Stichtag 30. Juni müssten in Haan 30.001 Einwohner gezählt werden, dann erhalte er zum 1. Januar des folgenden Jahres "300 bis 400 Euro" mehr Gehalt.

Laut IT NRW war das 2014 in Haan der Fall. Auf der Basis der eigenen Meldezahlen habe die Gartenstadt diese Grenze schon Jahre zuvor überschritten, meint vom Bovert.

Quelle: RP
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