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Hilden
Kinder musizieren für die Urlaubskasse

Hilden: Kinder musizieren für die Urlaubskasse
Philip und Marie mit Waldhorn und Geige auf der Mittelstraße FOTO: Olaf Staschik
Hilden. Ein Eis, ein neuer Badeanzug, ein Ausflug - gerade in den Ferien können Kinder und Jugendliche besonders schlecht aufs Taschengeld verzichten. Manche verdienen sich auch gerne selbst ein paar Euro dazu. Zum Beispiel durch Musizieren in der Fußgängerzone. Von Daniele Funke

Die Bewunderung steht der alten Dame ins Gesicht geschrieben. Minutenlang lauscht sie andächtig dem gekonnten Geigenspiel von Marie, den Korb mit dem schweren Markteinkauf hat sie vor sich abgestellt. "Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll", schwärmt die Hildenerin überwältigt, applaudiert kräftig und legt einige Euro in den geöffneten Geigenkoffer. "Wie wunderbar das klingt und dass sich die Kinder so etwas trauen, das finde ich einfach toll."

Für Marie und Philip ist das Musizieren vor Publikum nicht neu. Bereits zum vierten Mal nehmen sie an der Aktion "Musizieren für die Urlaubskasse" des Stadtmarketings teil. Seit acht Jahren spielt die 14-Jährige bereits Violine, ihr zwölfjähriger Bruder bläst ins Horn. Ihren Notenständer haben sie zwischen Nove-Mesto- und Marktplatz aufgestellt, die Stadt ist voller Leben und Treiben, viele Menschen kommen vorbei. Und doch schenken die wenigsten den beiden jungen Musikern Beachtung.

"Das ist doch wirklich traurig", sagt Angelika Liebicht, die erst vor kurzem von Düsseldorf nach Hilden gezogen ist und erstmals von der Aktion "Musizieren für die Urlaubskasse" hört, "dass den jungen Menschen so wenig Aufmerksamkeit zukommt." Gerade Philip begeistert sie mit seinem Hornspiel. "Mein Mann war auch Orchestermusiker, daher weiß ich, wie schwer es ist, aus so einem Horn überhaupt einen Ton heraus zu kriegen." Marie wechselt die Noten. Nach "un soir à partici" spielt sie nun den "Marsch der Zinnsoldaten". Halit Isik, Inhaber eines gegenüberliegenden Schuh- und Schlüsseldienstes steht in seiner Eingangstür und wartet auf Kundschaft. "Ich spiele E-Gitarre in einer Band und finde es gut, dass die Kinder Musik machen. Musik ist so wichtig. Ich mag es, dass sie hier direkt vor meinem Laden spielen, dann höre ich sie."

Marie weiß aus Erfahrung, dass ihnen nicht alle Einzelhändler so wohlgesonnen sind. "Wir haben vorhin vor der Commerzbank gestanden, da kam eine Frau und hat uns ausrichten lassen, dass sich Mitarbeiter eines Geschäftes genervt fühlen von uns. Deshalb sind wir dann umgezogen." Die Achtklässlerin nimmt es gelassen, genau wie ihr kleiner Bruder. "Da kam gerade sogar einer mit dem Fahrrad vorbei und hat ,hört auf mit dem Sch...' gerufen. Aber wir lachen dann einfach nur."

Ein kleiner Junge mit Strohhut ist fasziniert. Während seine Mutter ihn eilig an der Hand vorbeizieht, dreht er sich immer wieder um und bestaunt mit offenem Mund die Instrumente und ihre Spieler. Ein alter Mann hat ein anderes Anliegen. "Ich habe eine alte Geige zuhause, die braucht neue Saiten. Weißt du, wo ich die aufziehen lassen kann?", fragt er Marie. Die Gymnasiastin empfiehlt ihren Geigenbauer in Köln.

Mittlerweile sind einige Euro zusammengekommen. "In den vergangenen Jahren waren es immer so um die 50 bis 70 Euro für jeden von uns. Und ich denke, dass wir diesmal auf eine ähnliche Summe kommen werden", schätzt Marie. Was eine 14-Jährige mit dem zusätzlichen Taschengeld machen wird, ist ein offenes Geheimnis. "Shoppen natürlich."

Quelle: RP
 
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