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Detlef Tappen
"Kirche muss Männern mehr bieten"

Hilden. Pastoralreferent Detlef Tappen, wohnhaft in Haan, kümmert sich in der katholischen Kirche um Männerthemen.

Wenn man sich in Gottesdiensten so umschaut, ist Religion - vom Geistlichen am Altar mal abgesehen - eher Frauensache. Wie kommt das?

Tappen Ich teile - leider - Ihre Beobachtung. Jenseits von Geschlechter-Klischees entdecke ich viel "weibliche" Ästhetik und Sprache im Raum der Kirche und meine, dass Themen wie Sinn, Gefühle, Hingabe, Kinder und (Für-)Sorge Männer nicht sofort ansprechen. "Männerthemen" wiederum - wie Leitung, Erfolg, Veränderung, Sexualität, aber auch Arbeit und Arbeitslosigkeit, Einsamkeit, Gewalt, Süchte - scheinen mir in der Kirche zu wenig aufgegriffen zu werden. Männer finden bei uns zudem wenig klare, kantige und fordernd-ansprechende Identifikationsfiguren.

Wie kann man Mann für Glauben und Kirche gewinnen?

Tappen Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die persönliche Ansprache, in der ich mein Interesse an einem konkreten Mann und seinen Erfahrungen ausdrücke, Türen öffnet. Und: Männer brauchen den Raum für sich und unter sich. Beobachtungen aus gemischtgeschlechtlichen Gruppen zeigen, dass dort die Frauen die überwiegenden Redeanteile haben. Mir ist auch eine Vernetzung vor Ort wichtig. Das funktioniert da, wo ich selbst Männer anspreche und Gespräche moderiere.

Liegt das Problem vielleicht auch darin, dass der präsenteste Mann in der Bibel zu sehr Lichtgestalt ist, als dass Otto-Normal-Christ sich mit ihm identifizieren könnte? Die Frauen hingegen haben Maria mit ihrer Mütterlichkeit.

Tappen Das kann sein. Wenn ich mir die Bilder aus den meisten Kinderbibeln anschaue, dann ist Jesus eher ein Softie, ist von seiner Kraft und seinem Mut nur wenig zu erkennen. Wir müssten den (auf-)fordernden, den solidarischen, den ringenden Jesus stärker zu Wort kommen lassen. Mit anderen Männern der Bibel kommen auch andere Themen auf den Tisch, etwa mit den Hirten Leitungskompetenz und Fürsorge. Zu nennen wären auch der burnout-gefährdete Elia, der Machtpolitiker und verletzbare Vater David oder der Mobbing erleidende Jeremia. Dazu habe ich die eine oder andere Veranstaltung für Männer schon gemacht oder habe sie im Blick.

Bei den Exerzitien für Männer im (Vor-)Ruhestand, die als nächstes anbieten (siehe Info), steht Abraham im Mittelpunkt. Warum er?

Tappen Zum einen handelt es sich ja um die 19. Exerzitien für Männer im (Vor-)Ruhestand, da gab es seit 1998 also schon eine Menge anderer Themen und Programme. Für dieses Jahr im November und im Januar 2017 habe ich Abraham und seine Frau Sara gewählt. In ihm, seiner Aufbruchskraft im Alter, seinem Vertrauen und dem Mut, Neues zu beginnen statt "nur auf der Couch zu sitzen", finde ich viele Identifikationspunkte für Männer. Gleichzeitig zeigen die biblischen Texte auch einen seinen Weg suchenden, oft zweifelnden, aber nicht verzweifelnden Mann mit einem langen Glaubensatem. Er wird, wie andere auch, an Grenzen des Vertrauens geführt und macht dort, wo er selbst nicht weiterweiß, ganz neue Erfahrungen mit Gott in seinem Leben.

Wo sind die Exerzitien?

Tappen Wir fahren seit einigen Jahren immer wieder in das "Haus der Stille" der Benediktinerabtei Königsmünster in Meschede. Das moderne, hoch-spirituelle Ambiente des Hauses, die Nähe zur Gemeinschaft der Mönche und die "Gemeinschaft auf Zeit" unter den Männern stellen sehr gute Rahmenbedingungen für geistliche Erfahrungen auf dem Glaubensweg der Teilnehmer. Die Exerzitien im Januar sind im Exerzitienhaus des Bistums Essen in Werden, das ebenfalls eine spirituelle Atmosphäre verspricht.

Und für Männer im Arbeitsleben - was haben Sie für die im Angebot?

Tappen Für jüngere Männer - zum Teil in der Familienphase - habe ich ein Exerzitien-Format entwickelt, dass es ermöglicht, solche Tage zu erleben, ohne dafür Urlaub nehmen zu müssen, denn Urlaub ist Familienzeit. Die Veranstaltungen finden statt im "Kloster" auf der Raketenstation Hombroich in Neuss, sehr großzügig unterstützt von der "Stiftung Insel Hombroich". In guter Erreichbarkeit von Arbeitsplätzen in Düsseldorf gibt es zweimal im Jahr "Geistliche Tage für Männer im Essen, Sprechen und Beten". Das Besondere dabei ist, dass die jeweils 14 Teilnehmer abends, nach der Berufsarbeit, in die "Kloster"-Gemeinschaft kommen und dort übernachten.

Vielen Männern - so das Klischee - reichen neben einem auskömmlichen Job Familie, Fußball und ein paar Kumpel, um zufrieden zu sein. Welche Veränderungen können Sie solchen Männern "versprechen", wenn sie sich auch auf Gott und den christlichen Glauben einlassen?

Tappen Dazu nur ein paar Schlagworte: Horizonterweiterung durch wirklichen, konkurrenzfreien, "brüderlichen" Austausch mit anderen Männern; Sinn entdecken; mehr "Leben ins Leben"; Entfaltung des - bei vielen Männern - vorhandenen Wunschs nach Spiritualität und zur Ruhe und zu sich selbst finden; ein Wachsen in der inneren Freiheit; mehr Vertrauen in Krisenerfahrungen des Lebens; beten lernen, was etwa anderes ist als "dem lieben Gott ein Gedicht aufsagen"; Freunde finden ...

THOMAS GUTMANN STELLTE DIE FRAGEN.

Quelle: RP
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