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Hilden
Kita-Streik nervt immer mehr Eltern

Hilden: Kita-Streik nervt immer mehr Eltern
Kunterbunte Mischung: Chiara Heyn, Erzieherin der Rappelkiste, und Laura Polanski, Erzieherin der Kita Kunterbunt, betreuen die kleine Mia (Kunterbunt), die Luca und Hanne (beide Rappelkiste) durch die Gegend fährt. Hannah und Havend (Kunterbunt) gucken zu. FOTO: Staschik, Olaf (ola)
Hilden. In den Notgruppen sind nicht alle Kinder glücklich. Die gewohnte Umgebung fehlt, Kinder und Erzieher sind fremd. Von Alexandra Rüttgen

Als Lise ihre Mutter sieht, springt die Vierjährige ihr mit einem Satz in die Arme. Die Freude ist groß. Doch dann verzieht das kleine Mädchen sein Gesicht. "Die Mara war nicht da", sagt sie traurig und greift nach ihrer Jacke. Für Lise ist Feierabend in der Kita "Kunterbunt". Es ist 15 Uhr. Eva Petersen ist gekommen, um ihre Tochter abzuholen. Die hatte keinen so schönen Tag. Denn ihre beste Freundin wurde wegen des Kita-Streiks anderswo betreut. Sie konnten nicht zusammen spielen. "Da geht der Kita-Streik schon zu Lasten der Kinder", sagt Eva Petersen.

Die Geister-Kitas von Düsseldorf FOTO: Endermann, Andreas (end)

Der Streik der städtischen Erzieher und Sozialarbeiter währt nun fast drei Wochen. Von den acht kommunalen Einrichtungen waren drei gestern besonders betroffen. Schließen mussten die Kindertagesstätten "Rappelkiste" und "Itterpänz". In der "Arche" - der größten Kita in Hilden - reicht die Zahl der verbliebenen Betreuer nur für sechs Gruppen statt sonst acht. Und das Stimmungsbild der Eltern wandelt sich. "Anfangs waren die Reaktionen an unserer Hotline noch moderat", berichtet Ulrich Brakemeier, stellvertretender Amtsleiter für Jugend, Schule und Sport. "Jetzt werden die Fragen häufiger, und die Eltern bekunden auch ihren Unmut."

Die Hotline bietet die Stadt für betroffene Eltern an, um sie über den aktuellen Stand der Dinge zu informieren. Denn täglich kann sich die Lage ändern, weil mal diese, mal jene Erzieher in den Streik treten, erläutert Brakemeier. "Wir gucken uns das jeden Morgen an, welche Kita wie betroffen ist. Wir müssen permanent die Situation analysieren." Entsprechend fallen die Notfall-Pläne aus. Brakemeier: "Alle, die einen Bedarf haben, können wir versorgen." Das aber nur, weil viele Eltern die Betreuung ihrer Kinder auch privat organisieren.

Kita-Streik: Demo in Krefeld FOTO: Thomas Lammertz

"Die Eltern strengen sich wirklich an, andere Lösungen zu finden." Das beobachtet Birgit Klinge, Leiterin der Kita Kunterbunt. In ihrer Kita sind alle zusammengerückt. Erzieher der geschlossenen Kindertagesstätte Rappelkiste betreuen gemeinsam mit Kollegen der Kita Kunterbunt die Kinder von Rappelkiste und Kunterbunt. "Die Kollegen machen das supertoll und sind sehr motiviert", sagt Christiane Schulze, die Anfang Juli die Leitung der Kita übernehmen wird. Doch die ungewohnte Umgebung sowie fremde Erzieher und Kinder erfüllen viele Eltern mit Sorge, weil sich ihrem Bekunden zufolge die Kinder damit unwohl fühlen. "Lise geht zurzeit nicht mehr ganz so gerne in den Kindergarten. Die gewohnte Gruppenkonstellation ist nicht mehr da", sagt Eva Petersen.

Auch eine andere Mutter bedauert die Situation. Ihre sechs Jahre alte Tochter wechselt nach den Sommerferien auf die Grundschule. Es sind die letzten Kita-Wochen für das Mädchen. Doch der Abschied ist getrübt, denn das Kind wird seine Erzieherinnen und einige Freundinnen womöglich nicht mehr sehen. "Das ist für die Kinder sehr schade", bedauert die Mutter. "Und für uns ist es, ehrlich gesagt, sehr nervig."

Und so hoffen immer mehr Betroffene, dass der Streik bald endet. "Keinen Tag länger als notwendig", seufzt Brakemeier. "Denn wir können die Eltern auch nur auf unsere Möglichkeiten hinweisen und sie ansonsten um Verständnis bitten."

3000 Teilnehmer bei Demo zum Kita-Streik in Köln FOTO: dpa, nic
Quelle: RP
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