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Hilden
Klassentreffen mit dem Konzeptkünstler

Hilden. So voll war es selten im Kunstraum Gewerbepark-Süd. Zahlreiche Kunstfreunde besuchten die Vernissage der Foto-Ausstellung "100 Jahre" von Hans-Peter Feldmann, darunter neben Schulfreunden auch Neugierige, die den weltweit bekanntesten Hildener Künstler einmal sehen wollten. Von Barbara Steingiesser

Er lasse sich nie auf seinen Vernissagen blicken, heißt es von dem Konzeptkünstler Hans-Peter Feldmann, der auch Interviews ablehnt und sich nur ungern fotografieren lässt. Umso freudiger wurde er von Bürgermeisterin Birgit Alkenings begrüßt, als er mit seiner Frau gestern tatsächlich zur Eröffnung seiner Foto-Ausstellung "100 Jahre" im Kunstraum Gewerbepark-Süd erschien. Aber es handelte sich ja auch nicht um New York, Paris, Berlin oder Madrid, wo Feldmann in den letzten Jahren ausgestellt hat, sondern um Hilden, seine Vaterstadt. Hier wuchs er auf, hier ging er zur Schule und hier hat er heute noch viele Freunde, von denen die meisten zur Eröffnung kamen. So war die Vernissage nicht nur ein Kunst-Ereignis, sondern auch ein ganz besonderes Klassentreffen. Zum Beispiel auch mit Hans-Jürgen Braun vom Gewerbepark-Süd, der während der gemeinsamen Schulzeit auf dem Helmholtz-Gymnasium mit Feldmanns älterem Bruder befreundet war.

Ein Wiedersehen gab es auch mit einigen derjenigen Menschen, die Feldmann für sein Ausstellungsprojekt fotografisch porträtiert hatte, so etwa mit Nora Spiller, die heute als Bildungscoach beim Amt für Jugend, Schule und Sport der Stadt arbeitet. Sie erkannte sich zufällig auf dem Plakat zur Ausstellung wieder. Das Foto dreht die Zeit zurück. Es zeigt die heutige junge Frau, die zur Vernissage ihre zweieinhalbjährige Tochter mitbrachte, noch als Teenager mit zerlöcherter Cargo-Hose und Nasen-Piercings. In Feldmanns Fotozyklus "100 Jahre", der für jedes Jahr eines mit 100 Jahren berechneten Menschenlebens ein Beispiel präsentiert, steht sie - zwischen dem 18-jährigen Boris und dem 20 Jahre alten Tim - für das Lebensalter 19 Jahre. Auch ihr Vater Günter, der in der Foto-Serie für das Lebensalter von 55 Jahren steht, kam zur Eröffnung; ebenso die mit 22 Jahren porträtierte Nana Breuers, die durch die Rheinische Post von der Ausstellung erfahren hatte.

Dem Besucher der Schau macht Feldmanns Projekt den Lauf des Lebens auf doppelte Weise bewusst: Zum einen wird ihm das Werden und Vergehen vor Augen geführt, wenn er an den Wänden des Ausstellungsraumes entlangschreitet und sich die Fotos der Reihe nach anschaut. Zum anderen wird man nachdenklich, wenn man sich ausrechnet, dass die acht Wochen alte Felina, mit der die Serie beginnt, heute bereits die Pubertät hinter sich hat, und dass die 100-jährige Maria Victoria längst nicht mehr lebt. Doch keine Angst, die Ausstellung macht nicht etwa melancholisch. Dem Betrachter ergeht es eher so wie Feldmann selbst, als er an dem Lebensalter-Projekt arbeitete. "Ich war überrascht, wie gut die alten Leute aussahen", sagt er. "Das hat mich ermutigt." Es geht nicht darum, die Vergänglichkeit zu betrauern, sondern das Leben zu feiern.

Hans-Jürgen Braun sagte bei der Begrüßung, dass er und sein Bruder Karlernst sogar besonders gute Erfahrungen mit 100-Jährigen gemacht hätten. Als Beispiele nannte er das Gebäude selbst, das über 100 Jahre alt ist, die Ausstellung des weltbekannten Künstlers des Informel K. O. Götz, die der Kunstraum 2014 zu dessen 100. Geburtstag präsentierte, sowie die erfolgreiche Schau von 2010 zum 100-jährigen Bestehen des Helmholtz-Gymnasiums. Die Hildener Saxofonistin Sarah Wünsche spielte zeitgenössische Musik auf dem Baritonsax, unter anderem ein Stück, das der Komponist Nikos Galenianos eigens für die Vernissage geschrieben hat. Es entstand vor acht Wochen und ist damit genauso alt wie der Säugling, der auf dem ersten Porträt der "100 Jahre" zu sehen ist. So schließt sich der Kreis.

Die Foto-Ausstellung "Hans-Peter Feldmann. 100 Jahre" ist eine Veranstaltung des Kulturamtes der Stadt Hilden. Zu sehen ist sie ist bis zum 20. März im Kunstraum Gewerbepark-Süd, Hofstraße 64. Geöffnet ist die Schau Dienstag bis Freitag von 14 bis 18 Uhr sowie Samstag und Sonntag von 11 bis 16 Uhr.

Quelle: RP
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