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Hilden
Klinik hilft zwei Mädchen aus Angola

Hilden: Klinik hilft zwei Mädchen aus Angola
Irene Adelina (9) und Ermelinda Sara (7) wurden im Hildener Krankenhaus behandelt. Für unser Foto haben sie sich gegenseitig die Haare geflochten. FOTO: Olaf Staschik
Hilden. Unfallchirurg Hans Bayer-Helms hat Adelina (9) und Ermelinda (7) kostenfrei operiert. Von Christoph Schmidt

Adelina (9) und Ermelinda (7) sind gestürzt und haben sich am Bein verletzt. In Deutschland wäre die Verletzung rasch verheilt. Die beiden Mädchen leben aber in Angola. Dort herrschen andere Hygiene-Standards. Die banalen Unfälle hatten deshalb dramatische Folgen. Die Mädchen zogen sich eine Knochen- und Knochenmarksentzündung im Unterschenkel zu. Adelina wurde bereits in der Hauptstadt Luanda operiert - ohne Erfolg. Ermelinda aus der Provinz Bie hatte die bakterielle Infektion bereits seit drei Jahren. Als letzte Möglichkeit bleibt nur die Amputation. Die beiden Kinder hatten Glück. Das Friedensdorf International holte sie nach Deutschland. Das St.-Josefs-Krankenhaus in Hilden hat sie kostenfrei behandelt - und geheilt. Voraussichtlich im November können sie zu ihren Familien zurückkehren.

Dr. Hans Bayer-Helms ist Chefarzt der Unfallchirurgie. Der 56-Jährige behandelt seit mehr als zehn Jahren verletzte Kinder aus aller Welt für das Friedensdorf - ohne Honorar. "Ich habe selbst drei Kinder 18, 16 und 12 Jahre alt. Für mich ist es eine Herzenssache, zu helfen. Als ich Adelina und Ermelinda im Mai zum ersten Mal gesehen habe, habe ich mich erschrocken. Sie sahen furchtbar aus: zum ersten Mal von zu Hause weg, zum ersten Mal geflogen, zum ersten Mal in einer deutschen Klinik." Bayer-Helms musste mehrfach operieren, konnte den beiden Mädchen aber helfen: "Sie werden wieder richtig gesund." Adelina und Ermelinda dürfen jetzt das Hildener Krankenhaus verlassen. Sie leben dann zusammen mit 150 anderen Kindern aus aller Welt im Friedensdorf in Oberhausen. In vier Wochen müssen sie sich noch einmal in Hilden vorstellen.

Den beiden Mädchen sieht man die Strapazen nicht mehr an. Als sie den Fotografen und Journalisten begegnen, sind sie so verunsichert, dass sie keinen Ton über die Lippen bringen. Die Ältere hat der Jüngeren Haarschleifen aus weißem Verbandsschlauch gemacht und Zöpfe geflochten. Eine Schwester, die Portugiesisch - ihre Muttersprache - spricht, flüstert ihnen etwas Beruhigendes zu. Bei ihrer Ankunft in Hilden haben sie als Erstes einen Trost-Teddy bekommen. "Das ist ganz wichtig, um sich festzuhalten", erklärt Krankenhaus-Direktorin Monika Felkl: "Beide waren ganz tapfer. Sie verstehen, dass sie hier eine Chance bekommen haben."

Seit mehr als zehn Jahren hilft die Hildener Klinik Kindern aus aller Welt kostenfrei. "Das machen wir gern", betont Felkl: "Wir sind ein katholisches Haus. Das ist für uns gelebte Nächstenliebe." Das St.-Josefs-Krankenhaus nimmt zwei Friedensdorf-Kinder pro Jahr - aber nur noch zu zweit. "Wir haben festgestellt, dass das für die Kinder einfacher ist", sagt Bayer-Helms. "Sie sind dann nicht so allein. Und im Krankenhaus findet sich immer jemand, der ihre Sprache spricht." Die Behandlung von Adelina und Ermelinda hätte "im unteren fünfstelligen Bereich" gekostet, schätzt der Chefarzt. Die Abteilung Unfallchirurgie ist als Endoprothetik-Zentrum zertifiziert. Bei der Einsetzung eines künstlichen Kniegelenks gehört das St.-Josefs zu den 13 besten Kliniken im Rheinland. Bayer-Helms und Oberarzt Dr. Peter Heck setzen pro Jahr rund 100 künstliche Knie- und etwa 80 Hüftgelenke ein.

Quelle: RP
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