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Hilden/Haan
Kliniken erwarten drastische Einbußen

Hilden/Haan: Kliniken erwarten drastische Einbußen
Auch in Hilden (im Bild) und in Haan protestierten Klinik-Mitarbeiter gestern gegen die geplante Krankenhausreform. Sie fürchten um ihre Arbeitsplätze, weil die Finanzierung der einzigen Krankenhäuser in beiden Städten nicht dauerhaft gewährleistet sei. FOTO: Olaf Staschik
Hilden/Haan. Die Krankenhäuser in Hilden und Haan protestieren gegen die geplante Reform. Sie gehe zu Lasten der Patienten. Von Christoph Schmidt

Die Versicherten der Krankenkassen und die Steuerzahler geben für die 1996 Krankenhäuser (2013) in Deutschland mit ihren gut 500.000 Betten jedes Jahr viel Geld aus: 87,6 Milliarden Euro im Jahr 2013. Dennoch geht es vielen Kliniken schlecht. Rund 42 Prozent schrieben 2013 rote Zahlen, sparen bei Personal und medizinischen Leistungen. Deshalb plant Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe eine Reform, er will künftig die Krankenhäuser nach Qualität bezahlen - auch weil 113.000 Krankenhausbetten leer stünden.

Dagegen protestierten gestern bundesweit Klinik-Mitarbeiter, auch in Hilden und in Haan. Dabei geht es beiden Häusern vergleichsweise gut. Beide Kliniken schreiben konstant schwarze Zahlen und behandelten 2013 so viele Patienten wie noch nie in den vergangenen zehn Jahren - ein Zeichen für die Qualität der Leistung und das Vertrauen der Patienten, das sich beide Krankenhäuser erarbeitet haben. Beide Kliniken gehören zur katholischen Kplus-Gruppe. Sie hat schon vor vielen Jahren begonnen, Schwerpunkte in den angeschlossenen Kliniken zu bilden und sich dort zu spezialisieren. In Hilden etwa gibt es das zertifizierte Brustzentrum (Senologie) und ein "EndoProthetik-Zentrum" (Unfallchirurgie), in Haan die Gefäßchirurgie und das überregionale Diabeteszentrum Rheinland. Davon profitieren alle fünf Häuser im Verbund, stützen sich gegenseitig. Die Kliniken in Hilden und Haan stehen also gut da. Warum dann der Protest? "Wir teilen das Ziel", sagen die Krankenhaus-Direktoren Monika Felkl (St. Josefs Hilden) und Kai Siekkötter (St. Josef Haan): "Nur geht die Formel ,Mehr Qualität durch weniger Geld und Personal' nicht auf. Deshalb gehen wir auf die Straße." Was damit gemeint ist, rechnet Gregor Hellmons, Geschäftsführer der Kplus-Gruppe, vor. Der jetzt vorliegende Gesetzentwurf sehe ein Pflegeförderungsprogramm vor, mit dem zusätzliche Stellen für die Pflege finanziert werden sollen. "Gleichzeitig wird aber der so genannte Versorgungszuschlag von 500 Millionen Euro gestrichen", berichtet Hellmons: "Davon spricht der Minister in der Öffentlichkeit nicht - oder nur ungern." Den fünf Krankenhäusern der Kplus-Gruppe fehle dadurch Geld für 22,6 Pflegekräfte. "Über das Pflegeförderungsprogramm bekommen wir in der Gruppe maximal vier Kräfte finanziert", rechnet Hellmons vor: "Damit fehlen auf den Stationen und in den Funktionsbereichen 18,6 Kräfte. Stärkung der Pflege am Krankenbett geht anders." Anderes Beispiel: Die tägliche Dienstbereitschaft der ambulanten Notfallversorgung soll laut Gesetzentwurf mit 32 Euro im Mittelwert pro Patient erstattet werden. Helmmons: "Im Durchschnitt entstehen pro Patient Kosten in Höhe von 128 Euro." Deshalb fehlten den fünf Kliniken der Kplus-Gruppe allein in diesem Jahr rund drei Millionen Euro.

Quelle: RP
 
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