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Udo Kutsche
"Kreispolizei braucht mehr Personal"

Udo Kutsche: "Kreispolizei braucht mehr Personal"
Udo Kutsche ist Kreisvorsitzender der Polizeigewerkschaft. FOTO: Anne Orthen
Hilden. Gewerkschafts- und Personalratsvorsitzender beklagt, dass viele Polizeikollegen an ihrer Belastungsgrenze angelangt sind.

Udo Kutsche (55) ist vor wenigen Tagen als Kreisvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft in seinem Amt bestätigt worden - zum mittlerweile elften Mal. Kutsche, der seit 15 Jahren auch dem Personalrat der Kreispolizeibehörde Mettmann vorsteht, sprach am Rande der einstimmig erfolgten Wahl die nach seinen Worten deutlich zu hohe Arbeitsbelastung der Polizisten an. Unsere Redaktion fragte nach.

Herr Kutsche, Sie haben beklagt, dass die Polizeikollegen im Kreis Mettmann an ihrer Belastungsgrenze angelangt sind. Woran machen Sie diese Aussage fest?

Kutsche Trotz ständig wachsender Aufgaben wurde in den vergangenen Jahren sehr viel Personal abgebaut - und das wirkt sich natürlich aus. Zurzeit haben wir im Kreis Mettmann rund 800 Polizeibeschäftigte. Im Jahr 2000 waren es noch etwa 70 mehr. Alle schieben im Schnitt mehr als 100 Überstunden vor sich her. Der Arbeitsalltag verdichtet sich enorm. Die Stellenzahl muss unbedingt wieder erhöht werden.

Aber laut Landesregierung werden in NRW doch seit 2011 mehr Polizisten eingestellt als pensioniert. Wirkt sich das in der Region nicht positiv aus?

Kutsche Bislang ist das noch nicht spürbar. Im September haben bei der Kreispolizei Mettmann zwar 48 Jungkommissare nach dem dreijährigen Bachelor-Studium und sieben aus anderen Regionen hierher versetzte Beamte ihren Dienst begonnen. Aber im Gegenzug wurden 30 Kollegen ans Landeskriminalamt abgegeben und weitere 15 in Städte außerhalb des Kreisgebiets versetzt.

Sofern nicht zusätzlich Pensionierungen hinzuzurechnen sind, wären dies doch immerhin zehn Kollegen mehr...

Kutsche Das schon, aber der Entlastungseffekt ist noch nicht spürbar. Den Fachhochschul-Absolventen fehlt noch die Praxis - was nicht als Vorwurf gegen die Berufsanfänger zu verstehen sein soll - und sie sind meist auch ortsfremd.

Die Einbruchszahlen sind zuletzt gestiegen. Viele Bürger haben Angst vor Terroranschlägen, Überfällen, Diebstahl und anderen Verbrechen, fordern mehr sichtbare Polizeipräsenz auf den Straßen...

Kutsche Das wünsche ich mir auch, schließlich gab es früher ja deutlich mehr Bezirksbeamte, die im Viertel jeder kannte. Aber es ist eben sehr viel zu tun. Angefangen von aufwändigen Ermittlungen am Computer zu Bandenkriminalität, Betrugsdelikten oder etwa auch Unfallfluchten geht die Bandbreite weiter über Vernehmungen, Protokolle und Schreibarbeit bis hin zum Objektschutz - der bei der aktuellen Flüchtlingswelle viele Kräfte bindet. Wachdienst, Streifenfahrten, Verbrecherjagd, Verkehrskontrollen... - all das summiert sich. Und führt zu dem genannten Berg an Überstunden, die sich kaum abbauen lassen. Zum Stress kommen weitere Belastungen hinzu.

Welche meinen Sie?

Kutsche Zum Polizeiberuf gehören eben immer wieder auch grausame Situationen. Eine Leiche auszuziehen, Ermittlungen nach sexuellem Missbrauch von Kindern, der Einsatz bei Gewalttaten und Unfällen mit Toten oder Schwerverletzten... - das sind alles schlimme Erlebnisse.

Wie beurteilen Sie das Verhältnis zwischen Polizei und Bürgern im Kreis Mettmann? Wird Ihre Arbeit anerkannt?

Kutsche Im Allgemeinen schon. Die Bürger wollen in Sicherheit und Ordnung leben und darum kümmert sich die Polizei. Allerdings haben manche Mitmenschen schon ein Anspruchsdenken, dass die Polizei auch bei Kleinkram rund um die Uhr für sie da sein muss. Und immer wieder haben es die Kollegen mit respektlosen oder gar gegen sie aggressiven Personen zu tun. Es gibt schließlich nicht nur in Duisburg-Marxloh, sondern im kleineren Ausmaß auch im Kreis Mettmann üble Familienclans und Viertel, in die man sich als Polizist besser nicht alleine begibt.

Sie sind seit 38 Jahren Polizist. Haben Sie Ihre Berufswahl je bereut?

Kutsche Nein! Auch meine Frau ist Polizistin und für uns beide ist und bleibt es der Traumberuf.

STEPHAN MEISEL STELLTE DIE FRAGEN

Quelle: RP
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