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Hilden
Kritiker bringen den Bunker ins Spiel

Hilden: Kritiker bringen den Bunker ins Spiel
Blick in den Schutzraum unter der Albert-Schweitzer-Schule: oben einer von vier Aufenthaltsräumen mit Platz für 50 Personen, unten links der Zugang zum Bunker im Schulgebäude, unten rechts die Belüftungsanlage. FOTO: Linke
Hilden. Die Abrisskosten für die Zivilschutzanlage unter der Albert-Schweitzer-Schule sind bei Planung berücksichtigt worden Von Christoph Schmidt

Über die geplante Bebauung des Geländes der ehemaligen Albert-Schweitzer-Schule mit bis zu 140 Wohnungen (Siegerentwurf Architekturwettbewerb) wird seit Jahren im Stadtrat und mit Anwohnern heftig gestritten. Unter der Schule gibt es einen Luftschutzbunker für 200 Personen. "Wir haben den Eindruck, dass die Abrisskosten für diese Anlage in den offengelegten Planungen weder kalkuliert noch realisiert sind", schreibt Dirk Linke, Sprecher der Anwohnergemeinschaft "Grüne Lunge", an das Planungsamt. Die Anlage könne nur mit einem "unglaublich hohen Kostenaufwand" (Stahlbetonwände etc.)" entsorgt werden. "Wo bleibt bei diesen dramatischen Kostensteigerungen die Wirtschaftlichkeit einer Bebauung des Schulgeländes?", fragt Linke und schlägt vor zu prüfen, ob eine Erhaltung der Schulgebäude nicht wesentlich sinnvoller wäre.

Blick in den Schutzraum unter der Albert-Schweitzer-Schule: oben einer von vier Aufenthaltsräumen mit Platz für 50 Personen, unten links der Zugang zum Bunker im Schulgebäude, unten rechts die Belüftungsanlage. FOTO: Linke

Die Abbruch- und Entsorgungskosten für die Albert-Schweitzer-Schule seien von einem Ingenieur-Büro mit 790 000 Euro ermittelt worden - inklusive Bunker, sagt dazu Peter Stuhlträger, Leiter des Planungs- und Vermessungsamtes: "Wir wussten von Anfang an von dem Luftschutzraum. Er ist bei den Kosten berücksichtigt worden."

Blick in den Schutzraum unter der Albert-Schweitzer-Schule: oben einer von vier Aufenthaltsräumen mit Platz für 50 Personen, unten links der Zugang zum Bunker im Schulgebäude, unten rechts die Belüftungsanlage. FOTO: Linke

Laut Bezirksregierung wurde die Anlage nach den bautechnischen Grundsätzen für Hausschutzräume errichtet. Wann sei unklar. Solche Schutzräume gewähren einen "Grundschutz" gegen herabfallende Trümmer, radioaktiven Niederschlag, Feuer, biologische und chemische Kampfstoffe und sollen für einen "längeren Aufenthalt" geeignet sein. 1979 erhielt die Stadt Hilden 96 000 Euro vom Bund für die Umrüstung des "Hausschutzraumes" in einen "Schulschutzraum". Zu Beginn der 1990er Jahre sei der Schutzraum nicht mehr für den Zivilschutz benötigt worden. Bands hätten den Bunker als Übungsraum genutzt, erinnert sich Linke: "Die Bässe wummerten so heftig, dass unser Haus auf der anderen Straßenseite wackelte." 2007 beschloss der Hildener Stadtrat, die Albert-Schweitzer-Schule zu schließen und das Gelände zu vermarkten. Die Stadt beantragte die Entwidmung des Bunkers. 2009, zwei Jahre (!) später teilte das Bundesamt für Katastrophenschutz in Bonn mit, dass der Schutzraum kein "Schulschutzraum", sondern bautechnisch nur ein "Hausschutzraum" sei - der jetzt wegkönne, weil er ja schon seit Beginn der 1990er Jahre nicht mehr gebraucht werde.

Dass der Bunker ausgerechnet jetzt "auftaucht", ist wohl kein Zufall. Denn gestern endete eigentlich die Offenlage-Frist für das Schweitzer-Gelände. Sie wurde - quasi in letzter Minute - bis 8. August verlängert. Für Dieter Donner, Sprecher des Bundes für Umwelt und Naturschutz Hilden, hat die Verwaltung damit einen "Fehler (...) auf den letzten Drücker noch korrigiert".

Planungsamtsleiter Peter Stuhlträger drückt das so aus: "Wir haben aus der Not eine Tugend gemacht. Der letzte Tag der öffentlichen Auslegung der Pläne ist mit dem Betriebsausflug der Mitarbeiter der Stadtverwaltung kollidiert. Weil es sich um ein wichtiges Projekt handelt, wollten wir jedem Bürger uneingeschränkt die Möglichkeit geben, seine Anregungen vorzubringen." Deshalb lagen auch Freitag die Pläne von 8 bis 12 Uhr im Foyer des Rathauses aus - obwohl alle anderen Dienststellen geschlossen waren. Stuhlträger selbst und eine Mitarbeiterin hielten Stallwache. Die Offenlage wurde bis zum 8. August verlängert, um einen Formfehler auf jeden Fall ausschließen zu können. "Wir haben verlängert, ohne das Verfahren zu verzögern", so Stuhlträger. Die Anregungen und Einwendungen der Einwohner könnten wie geplant am 10. September im Stadtentwicklungsausschuss beraten werden. Rund 530 Bürger haben Einwände gegen das Projekt erhoben, der Seniorenbeirat hat 300 Unterschriften dafür gesammelt.

Quelle: RP
 
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