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Rp-Serie Mit Dem Fahrrad In Den Frühling (3)
Kultur auf zwei Rädern erfahren

Hilden. Von Ratingen aus führt eine Rundfahrt über 45 bis 50 Kilometer durch das Niederbergische. Am Wegesrand warten nicht nur Industrie- und Erdgeschichte auf die Radler, sondern auch interessante Eindrücke auf dem Kunstweg. Von Dominique Schroller

Kreis Mettmann Kunst und Kultur brauchen nicht immer ein Museum, sie lassen sich auch am Wegesrand entdecken. Mit einem kräftigen Tritt in die Pedale sind Geschichte und Geschichten im Kreis einfach zu erfahren. Startstation für die "Kultour" vom nördlichen Rheinland bis ins Niederbergische ist der Bahnhof Ratingen-Ost. Die S-Bahn bringt Räder und Radler bequem dorthin. Kaum sitzen sie im Sattel, können sie schon wieder absteigen und dem Museum Cromford einen Besuch abstatten. Die ehemals erste Textilfabrik auf dem europäischen Kontinent beherbergt heute Exponate aus der Vergangenheit der industriellen Verarbeitung. Die mit Wasserkraft betriebenen Spinnräder nach englischem Vorbild geben einen Eindruck davon, wie damals aus Baumwolle Garn entstand. Wozu es Verwendung fand, zeigt die Ausstellung ebenfalls. Der Luxus modischer Kleidung und die Eitelkeiten der Schönen und Betuchten sind Teil der Geschichte.

Zurück in der Gegenwart, führt die Strecke weiter zum Blauen See. Als Relikt des Kalksteinabbaus umgeben ihn schroffe Felsen, die einst Pierre Brice in der Rolle des Winnetou als Kulisse dienten. "Der See liegt landschaftlich sehr reizvoll. Wer genügend Zeit und Kondition mitbringt, kann ihn umrunden. Das ist jedoch jedem selbst überlassen", sagt Gerhard Filgers. Der Vorsitzende des ADFC Ratingen ist häufig auf der Route unterwegs und kennt die schönsten Stationen. Er empfiehlt, vom See aus den Hölender Weg hoch zu radeln nach Eggerscheit, die Hauptstraße zu queren, Allscheid zu passieren und bis zum Oberschlesischen Landesmuseum zu fahren. Dort vermitteln Dauer- und Wechselausstellungen Einblicke in die Kultur der Provinzen im heutigen Polen.

Zurück im Sattel, führt die Strecke rechts die Hugo-Henkel-Straße hinunter. "Dann am Judenfriedhof vorbei und rechts halten, um in Kettwig auf den Panorama-Radweg zu gelangen. Der führt auf einer ehemaligen Eisenbahntrasse entlang und bietet wunderbare Ausblicke ins Ruhrtal, auf das Relief des Klosters Werden und einen ausrangierten Waggon im ehemaligen Bahnhof Isenbügel", beschreibt Gerhard Filgers. Am Abtskücher Teich lohne es sich, die Strecke kurz zu verlassen und das Museum Abts-küche zu besuchen. In der ehemaligen Schule hat Reinhard Schneider mehr als 30 Jahre lang Gegenstände aus dem Leben der Menschen um die Jahrhundertwende zusammengetragen und lässt die Besucher in eine andere Zeit eintauchen.

"Wir haben eine historische Küche mit Geräten von 1880, einen Kaufmannsladen, eine Sattlerwerkstatt und einen Frisiersalon. Besonders beliebt ist jedoch unser Klassenzimmer von damals", berichtet der Leiter des heimatkundlichen Museums. Einen Raum hat er für Sonderausstellungen reserviert. "Die nächste heißt ,Bitte recht freundlich' und widmet sich der Geschichte der Fotografie." Rund 12 000 Besucher kommen jedes Jahr - einige bleiben eine Viertelstunde, andere bei einer Tasse Kaffee den ganzen Nachmittag. "Manche kommen wieder, weil sie beim ersten Mal nicht alles geschafft haben", erzählt Schneider.

Im Anschluss an die Zeitreise geht es auf dem Panorama-Radweg weiter ins Niederbergische. "Zwischendurch gibt es dort immer wieder lohnende Aussichtspunkte, wie die Saubrücke in Velbert", sagt Gerhard Filgers. Er empfiehlt, der Strecke bis zum Zeittunnel in Wülfrath zu folgen und dort 400 Millionen Jahre Erdentwicklung zu durchwandern. "Wer sich ausführlich mit den vielen Informationen beschäftigt, braucht etwa eine Stunde", sagt Martina Lux-Sawatzki, Verwaltungsleiterin des Zeittunnels. Ein besonderer Ausblick bietet sich am Ende der 160 Meter langen Röhre. "Die Besucher schauen direkt in den stillgelegten Steinbruch, in dem heute der Alpenverein klettert." Die Kinder können auf dem Klopfplatz mit Hammer und Meißel Mineralien freilegen, während die Eltern im Café pausieren.

Gestärkt biegen sie rechts wieder auf den Panorama-Radweg ein und lassen sich von ihm nach Flandersbach und an der Anger entlang zurück Richtung Heiligenhaus führen. "Da geht es ein wenig hoch und runter, doch die Landschaft mit den stilvollen Herrenhäusern am Wegesrand ist der Lohn für die Mühe", betont Gerhard Filgers. Am Werker Wald in Heiligenhaus empfiehlt er, die Hauptstraße zu überqueren und dem Euroga-Radweg in Richtung Ratingen zu folgen. "An der Müschenau beginnt der Kunstweg. Da hat Johannes Brus ein Pferd in die Anger gestellt und Stephan Balkenhol einen Mann in das Geweih eines Hirsches gesetzt." Zum Schluss lade die Auermühle zu einer Einkehr ein, bevor die Strecke wieder nach Ratingen hinein und auf der Fester Straße zum Bahnhof führe. "Die Tour ist nicht schwierig, nur im Angertal ist es etwas hügelig, aber dafür wunderschön", sagt Gerhard Filgers. Er gönnt sich am liebsten am Zeittunnel eine Pause und plant für die Tour zwischen vier Stunden und einem ganzen Tag ein.

Quelle: RP
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