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Kreis Mettmann
Land streicht im Kreis 166 Klinikbetten

Kreis Mettmann. Der Krankenhausrahmenplan NRW 2015 macht Druck auf Krankenhäuser, Kapazitäten und Fachrichtungen zu prüfen. Von Uwe Reimann

Die sieben Krankenhäuser in den zehn Städten des Kreises Mettmann werden bis zum nächsten Jahr ihre Bettenzahl deutlich reduzieren müssen. Insgesamt 166 Betten müssen abgebaut werden. Das geht aus dem neuen Krankenhausrahmenplan NRW 2015 hervor, den Ministerin Barbara Steffens jetzt dem Landtag zur Beratung hat zukommen lassen. Zudem drängt das Gesundheitsministerium die Städte und Träger der Kliniken, Verhandlungen darüber aufzunehmen, Kapazitäten der einzelnen Einrichtungen und deren Fachrichtungen zu überprüfen.

Unter dem Stichwort "Regionale Verteilung der stationären Angebote" listet das Ministerium nach demografischen und versorgungstechnischen Prüfungen auf, wie viele Klinikbetten im Kreis Mettmann welcher Fachrichtung vorgehalten werden sollen. Im Kreis Mettmann müssen es bis nächstes Jahr insgesamt 166 Betten weniger sein. Es wäre ein noch höherer Abbau, wenn nicht im Bereich Psychiatrie/Psychosomatik 107 neue Betten eingeplant werden sollen. Da in Wülfrath ein neuer Standort der Forensik für den Landgerichtsbezirk Wuppertal mittlerweile mehr als wahrscheinlich ist, glaubten manche, dass die Erhöhung der Bettenzahl im Bereich Psychiatrie damit in Zusammenhang steht. "Nein, das hat damit nichts zu tun", sagt Ministeriumssprecher Christoph Meinertz. Es gebe grundsätzlich mehr psychische Erkrankungen und deshalb auch einen erhöhten Bedarf an Behandlungsmöglichkeiten und Klinikbetten. Ohne diese Erhöhung der Bettenzahl würde das Minus für den Kreis Mettmann insgesamt sogar 273 betragen.

Von 2670 Krankenhausbetten (2010) sank die Zahl in 2013 auf 2563 und muss nun weiter auf 2397 Betten verringert werden. Das heißt: Fast jede Fachrichtung ist von dem Abbau betroffen.

Chirurgie Von 628 (2010) auf 588 (2013) sollen 2015 nur noch 509 Betten zur Verfügung stehen (minus 79). Gynäkologie/Geburtshilfe 229 Plätze in 2010 und auch 2013 noch muss nun deutlich verringert werden auf 120 in 2015 (minus 109).

Hals-Nasen-Ohrenheilkunde Bisher 37 Betten werden es 2015 nur noch kreisweit 16 sein. (minus 21).

Innere Medizin 857 Betten in 2010 auf 790 in 2013 sind jetzt in 2015 nur noch 731 geplant (minus 59).

Kinderheilkunde Von 33 Betten werden 2015 nur noch 27 übrig bleiben (minus 6)

Kinder- und Jugendpsychiatrie Hier erhöht sich die Zahl von 12 auf 14 in 2015. Es bleiben 12 Tagesklinikpätze.

Psychiatrie/Psychosomatik Von 715 in 2010 auf nur noch 685 in 2013 steigt die Zahl bis nächstes Jahr auf 792 (plus 107). Die Zahl der Tagesklinikplätze verringert sich von 137 auf 135 in 2015

Urologie 40 Betten in 2013 werden bis 2015 erhöht um 12 auf 52.

Für Haut-Geschlechtskrankheiten, Geriatrie, Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie, Neurochirurgie, Neurologie, Nuklearmedizin und Strahlentherapie gibt es im Kreis Mettmann keine Betten.

Der Kplus-Verbund ist Träger der Kliniken in Hilden und in Haan. Sprecherin Cerstin Tschirner glaubt nicht, dass Abteilungen im St.-Josefs-Krankenhaus Hilden oder im St.-Josef-Krankenhaus Haan gefährdet sind. Dafür gebe es mehrere Gründe.

Die im Krankenhaus-Plan verwendeten Zahlen stammten aus 2012. Das Krankenhaus Monheim (107 Betten) wurde im vergangenen Jahr vom Kplus-Verbund aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen. Das ist im Krankenhausplan nicht berücksichtigt. Das Land gehe von dem Grundsatz aus: Wenn es heute keinen Bedarf für bestimmte Fachrichtungen gebe, dann auch in Zukunft nicht. Tschirner: "Darüber kann man streiten." Die Kreisgrenzen bildeten nicht die medizinischen Versorgungsgebiete ab. Das St.-Lukas-Krankenhaus in Ohligs beispielsweise gehöre zu Solingen, spiele aber eine wichtige Rolle für den Südkreis, beispielsweise bei der Versorgung von Schlaganfallpatienten.

Dank moderner Behandlungsmethoden hätten sich die Liegezeiten der Patienten in den Kliniken deutlich verändert. "Wir können heute mit der selben Bettenzahl mehr Patienten behandeln als früher", erläutert Tschirner.

Wenn Betten abgebaut werden, möchte das Land am liebsten ganuze Abteilungen schließen, berichtet die Kplus-Sprecherin. NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) hat aber ausdrücklich keine eigenen Schließungsvorschläge gemacht. Das sorgt immer für Unruhe bei den betroffenen Einwohnern und ihren politischen Vertretern. Die Krankenhaus-Träger wollen sich auch nicht den "schwarzen Peter" beim Betten-Abbau zuspielen lassen. Der Dachverband der NRW-Kliniken hat deshalb die Krankenkassen als Kostenträger aufgefordert, Vorschläge zu machen, wie die neue Versorgungsstruktur denn aussehen soll. "Wir warten auf Antwort", so die Sprecherin des katholischen Kplus-Verbundes: "Dann werden sich die Kliniken positionieren."

Quelle: RP
 
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