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Hilden
Leben im Denkmal ist mehr Lust als Last

Hilden: Leben im Denkmal ist mehr Lust als Last
Im Gutshof Kesselsweier war bis vis vor einigen Jahren die Luftsportgemeinschaft Hilden-Haan zu Hause. Sie hat das Anwesen verkauft, als der Flugbetrieb eingestellt werden musste.. FOTO: Olaf Staschik
Hilden. Für Uwe und Anja Koenzen ist es "unser ganz großes Glück". Architekt Gemeiner: "Ein Denkmal hat viele Vorteile." Von Christoph Schmidt

Der weinrote Altbau mit der dunkelgrünen Flügeltür ist ein echter Hingucker. "Ich habe lange in Hilden gelebt", staunte Ortrud Brinkhoff aus Langenfeld beim Denkmaltag: "Aber dieses wunderschöne Gebäude kannte ich bislang nicht." So erging es auch Denkmalpflegerin Karin Herzfeld: "Der Gutshof Kesselsweier war für uns eine Überraschung."

Uwe Koenzen hatte beantragt, das Wohnhaus und die Stallungen unter Denkmalschutz zu stellen. Schon vor fast 20 Jahren hatte er vergeblich versucht, die Immobilie zu erwerben: "Weil ich absolut begeistert war." Dann wurde Koenzen der ehemalige Gutshof überraschend angeboten. Bis zum Erwerb vergingen zweieinhalb Jahre, weil zahllose Vorschriften und Vorgaben zu beachten waren. Das 330 Quadratmeter große Wohnhaus ist heute ein Schmuckstück. Original Bodenfliesen mit den bunten Ornamenten, hochwertig aufgearbeitete Türen, Treppenstufen aus Naturstein: Alles haben die Koenzens mit viel Liebe zum Detail saniert. "Fertig wird man eigentlich nicht", sagt Anja Koenzen: "Aber bereut haben wir diesen Schritt nie. Dieses Zuhause ist unser ganz großes Glück."

Das würde auch Christof Gemeiner unterschreiben. Der Hildener Architekt (49) hat schon einige Denkmale in Hilden saniert - und ist dafür mit renommierten Preisen ausgezeichnet worden, etwa für seine Wiederbelebung des Hildener Bahnhofs und von Gottschalks Mühle. Gemeiner arbeitet in einem Denkmal: Er kaufte und saniert die Gründerzeit-Villa Walder Straße 24a und brachte dort sein Büro unter. Bei der Renovierung kamen viele schöne alte Details außen und innen wieder ans Licht. Der Kontrast von Alt und Neu sei nicht nur für ihn als Architekten, sondern auch für seine Kunden reizvoll: "Für mich ist die Villa ein Glücksfall. Meine Mitarbeiter und meine Kunden fühlen sich dort sofort wohl." Denkmale seien keine Last, sondern hätten im Gegenteil viele Vorteile, betont Gemeiner: "Es gibt viele Erleichterungen. Man muss beispielsweise nicht die Wärmeschutzverordnung erfüllen. Dazu gibt es Steuervorteile. Deshalb würde ich immer versuchen, aus einem historischen Gebäude ein Denkmal zu machen. Ein altes Haus erzählt eine Geschichte und schafft besondere Bindung."

Das mit den Vorteilen stimme, bestätigt Denkmalpflegerin Karin Herzfeld: "Die erhöhte steuerliche Abschreibung für Eigentümer rechnet sich besonders bei Eigenbedarf." Die Stadt Hilden habe ein Fassadenprogramm aufgelegt. "Für eine Sanierung gibt es Zuschüsse. Das lohnt sich richtig." Bei der Sanierung von Gottschalks Mühle beispielsweise durften im Inneren die Sackrutschen und die Holzkonstruktion stehen bleiben: "Weil es ein Denkmal ist, konnte man vom Brandschutz abweichen."

Als der Rat das Gebäude Berliner Straße 10 unter Denkmalschutz stellte, gab es allerdings Streit. Denn die Eigentümergemeinschaft Hertwig und Kirchner war strikt dagegen. Sie wollte die Immobilie veräußern und fürchtete Nachteile durch den Denkmalschutz. Mittlerweile ist das Objekt verkauft. "Wir haben schon mit dem neuen Eigentümer gesprochen und einen Konsens zum Denkmalschutz gefunden", sagt Herzfeld. Die Denkmalbehörde versuche nicht, den Eigentümern das Leben schwer zu machen: "In den letzten Jahren wurde in fast allen Fällen der Denkmalschutz von Eigentümern beantragt."

Quelle: RP
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