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Jürgen Schmidt
"Leute halten uns für einen Geheimbund"

Jürgen Schmidt: "Leute halten uns für einen Geheimbund"
Jürgen Schmidt gehört den Rotariern seit vielen Jahren an. "Ich habe jetzt die Zeit, um mich stärker einzubringen", sagt der Hildener zu den Gründen für sein verstärktes Engagement. FOTO: Olaf Staschik
Hilden. Die Rotary Stiftung Hilden-Haan trommelt für ihre Projekte - etwa für die Integrationsinitiative bei Qiagen.

Hilden Es ist eine Kehrtwende. 50 Jahre lang hat der Rotary Club Hilden-Haan gewirkt und geschwiegen. Jetzt lautet die Devise: Tue Gutes und sprich darüber. Letzteres soll vor allem die zugehörige Stiftung übernehmen. Jürgen Schmidt aus dem Vorstand, dem außerdem Wolfgang Heiliger und Alfons Wahlers angehören, erzählt, warum.

Was macht die Rotary Stiftung?

Schmidt Sie unterstützt die Arbeit des Clubs vor Ort, also ganz lokal in Hilden, Haan und Umgebung. Wir verwalten nicht nur Stiftungsvermögen, sondern sammeln auch Spenden und geben sie für bestimmte Projekte, die wir unterstützen möchten, aus. Sie kommen alle aus den Bereichen Kinder, Ältere, Integration und Krankenpflege.

Sie gehen stärker in die Öffentlichkeit als bisher. Die Rotarier sind doch eigentlich dafür bekannt, im Stillen zu wirken...

Schmidt Ja, viele unserer 45 Clubmitglieder dachten lange so. Wir haben uns aber nun entschlossen, uns zu öffnen und damit auch öffentlicher zu agieren. Das ist der richtige Weg, die Leute halten uns ja für regelrecht für einen Geheimbund.

Woran merken Sie das denn?

Schmidt Wir haben vor kurzem unsere Broschüren und Flyer in der Innenstadt verteilt - da haben Menschen erstaunt geschaut. Letztlich haben wir aber viele erreicht und erklären können, was wir konkret machen. Schließlich engagieren wir uns für die Menschen vor Ort.

Was ist die größte Initiative, die Sie seit der Gründung der eigenständigen Stiftung 2015 angeschoben haben?

Schmidt Das ist der Integrations-Fonds Hilden-Haan, ein gemeinsames Programm mit dem Unternehmen Qiagen. Das Ziel ist, Flüchtlinge dort in Arbeit zu bringen. Dafür investiert Qiagen eine bedeutende Summe, wir haben zudem alle erforderlichen Partner an Bord.

Als da sind?

Schmidt Das Jobcenter, die Kommunen, die Arbeiterwohlfahrt und der Hildener Industrie-Verein, um die großen zu nennen. Das Jobcenter und die Vertreter der Städte suchen in einem ersten Schritt geeignete Kandidaten unter aus. Dazu gehört etwa eine sichere Bleibeperspektive. Insgesamt werden wir drei Gruppen a 15 Personen bilden, eine mit dem Schwerpunkt Industrie, eine fürs Handwerk und die dritte für Kaufleute. Sie gehen über ein Assessment-Center in einen Intensivkursus und schließlich in ein Praktikum und eine Anstellung auf Zeit. Im besten Fall mündet das Ganze in einen Arbeitsvertrag. Das Gute ist, dass wirklich alle beteiligten Partner an einem Strang ziehen.

Man könnte anmerken, dass es vielleicht nicht selbstlos ist von Qiagen, sich zu beteiligen. . .

Schmidt Erst einmal sind wir froh, dass wir einen so bedeutenden Partner für das Projekt gefunden haben. Die Firma hat viel Arbeit damit und das Ergebnis ist schließlich ungewiss. Tausende Menschen bewerben sich jedes Jahr bei Qiagen, da ist dieses Engagement schon bemerkenswert. Bei den allermeisten Asylsuchenden hier handelt es sich ja lediglich um Angelernte.

Was planen Sie für dieses Jahr darüber hinaus?

Schmidt Wir werden eine Ausschreibung für unsere Schwerpunkte "Ältere Menschen und Kinder" starten, auf die sich Wohlfahrtsverbände melden können. Wir fragen nach besonders unterstützenswerten Initiativen und wählen dann diejenigen aus, in die wir uns einbringen möchten. Das ist wörtlich gemeint. Unsere Mitglieder schauen sich Projekte genau an, sie besuchen die Häuser, die von uns gefördert werden - und lassen sich auch schon mal die Bücher zeigen.

Können Sie ein paar Beispiele nennen?

Schmidt Der Club unterstützt seit Jahren das Franziskus Hospiz in Hochdahl, ebenso die Demenz WG hier oder die Sprachkurse für Flüchtlinge bei der Caritas Mettmann. Bei "Jedem Kind ein Instrument" waren wir ebenso dabei wie bei der Unterstützung des Vereins Kipkel, der sich um Kinder psychisch kranker Eltern kümmert - um nur einige zu nennen. Vielleicht haben die Rotarier in der Vergangenheit tatsächlich zu wenig über das das Gute, das sie tun, gesprochen.

GÖKÇEN STENZEL FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

Quelle: RP
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