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Hilden
Lieferdienst spähte Senioren aus

Die Polizei legt einer sechsköpfigen Bande das Handwerk, die ausschließlich alte Leute im Visier hatte. Von Christoph Kleinau

Detlef Sievers ist seit 36 Jahren Polizist, hat aber derart niederträchtige Taten selten erlebt: Ihre Tätigkeit für einen Lieferservice, der den meist betagten Opfern das Essen brachte, nutzte eine sechsköpfige Familienbande aus, um ihre Kunden auszuspähen und zu bestehlen. Vier Tatverdächtige (darunter zwei Frauen) konnte die Polizei am Dienstag in Düsseldorf festnehmen. Sie sitzen in Untersuchungshaft, schweigen aber. Nach zwei weiteren wird noch gefahndet. Auf der Flucht ist Bane Jovanovic (27), der angebliche Kopf der Bande. Ihn vermuten die Ermittler noch in Deutschland, wo er geboren wurde. Baban Veljkovic (28), der zweite Flüchtige, wird in Serbien vermutet. Von dort soll er eingereist sein, um Straftaten zu begehen.

22 Fälle glaubt Sievers als Ermittlungsleiter bei der Kreispolizei Neuss den sechs serbischstämmigen Verdächtigen zuordnen zu können. Bei der Durchsuchung mehrerer Objekte in Düsseldorf stellte die Polizei zudem Beutestücke sicher, die sie keinem der bisher bekannten Tatorte - sieben in Neuss, zehn in Düsseldorf und fünf im Kreis Mettmann, unter anderem in Haan und Erkrath - zuordnen kann. Staatsanwalt Alexander Dierselhuis geht derzeit von gewerbsmäßigem Diebstahl aus und ordnet die Taten der organisierten Kriminalität zu. Dafür spricht auch, dass die Verdächtigen sich konspirativ verhielten. Sie lebten in Düsseldorf in Wohnungen, in denen sie nicht gemeldet waren, ließen ihre - oft teuren - Autos nicht auf sich zu und nutzten Mobiltelefone, die auf nicht existierende Personen angemeldet waren. Über eine solche Nummer kam die Polizei dahinter, dass ein im Juli 2014 gemeldeter Diebstahl in Neuss keine Einzeltat war. Damals war in die Wohnung einer Frau eingebrochen worden, die sich im Krankenhaus befand. Komisch kam einer Nachbarin vor, dass sie kurz vor dem Einbruch jemand spätabends als Mitarbeiter eines Lieferservice anrief und fragte, wo die Kundin zu erreichen sei. Sie meldete das der Polizei, die von dem Lieferservice erfuhr, dass es keinen Anlass für solche Nachfragen gibt. Als im September 2014 ein ähnlicher Fall aktenkundig wurde, nachdem sich ein Anrufer unter der gleichen Handynummer im Lukaskrankenhaus nach der Frau erkundigt hatte, begann die Kripo um Detlef Sievers damit, nach weiteren Fällen zu suchen. Der Bezug zu dem Lieferservice und die Tatsache, dass nur Senioren bestohlen wurden, war allen Taten gemein. In der Tatbegehung waren die Bandenmitglieder aber flexibel. Mal steckten sie direkt Wertgegenstände ein, mal stahlen sie Wohnungsschlüssel, um später wiederzukehren, mal kamen sie in Begleitung. Auch nachdem der Lieferservice drei bei ihm angestellte Fahrer gefeuert hatte, weil sich Beschwerden häuften, nutzten diese ihre Kundenkontakte weiter aus. Der letzte bekannte Fall datiert aus dem Juli 2015.

Quelle: RP
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