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Auf Ein Wort Reiner Nieswandt
Loslassen lernen

Hilden. In einer Region Afrikas nutzen die Einheimischen bei der Jagd auf Affen deren Vorliebe für vergorene Früchte: Sie verstecken solche Früchte in den nach oben offenen Eingängen von Termitenhügeln.

Wenn die Affen nun nach der vergorenen Frucht greifen und versuchen, diese aus dem Loch zu ziehen, gelingt ihnen das nicht, da das ausgewählte Loch so eng ist, dass sie die Hand zusammen mit der Frucht nicht mehr hinausziehen können.

Wenn sie denn losließen, könnten sie sich vor ihren Jägern in Sicherheit bringen. Da dies aber nicht geschieht, werden sie schließlich auf bequeme Weise vom Menschen gefangen.

Seit einigen Jahren schon beschäftigt mich dieses Thema. Denn es ist auch ein Sinnbild für unser Leben, nur dass wir uns allzu oft verhalten wie die Affen und festhalten, was uns nur in Gefangenschaft hält, nicht vorwärts bringt. Der Apostel Paulus hat es mit ähnlichen Worten in seinem 2. Korintherbrief (Kapitel 8) dargelegt, in dem er die Griechen auffordert, für die notleidenden Christen im Heiligen Land zu spenden (wohlgemerkt: nicht umgekehrt!). Unser Alltagsleben, auch unsere Wirtschaftsweise, sind von der Haltung der Affen geprägt: Jagen und Sammeln (da hat sich der Mensch nicht wirklich vorwärts entwickelt), Behalten und Verteidigen, Kaufen und Konsumieren (Verbrauchen).

Vor allem die Lebenswenden sind es, die uns vorwärts bringen könnten, wenn wir spätestens dann die Haltung des Loslassens einübten: Geburt, Ein- und Ausschulung, Berufsfindung und Partnerschaft, aber auch Abschied und Trennung, Krankheit und Sterben, Tod. Hilfreich ist es, die Haltung des Loslassens im Alltag einzuüben, zum Beispiel mit einer ganz einfachen Körperübung: Die geballten Fäuste öffnen und die Hände zur Schale werden lassen, in die die Gaben des Leben einfließen, aber auch überfließen und weiterfließen dürfen.

Die sommerlichen Tage bieten vielen von uns Zeit und Muße, diese Haltung einzuüben. Auch die warmen Tage werden wir nicht festhalten können, sondern nur annehmen, genießen und dann loslassen, um uns auf den Wechsel der Jahreszeiten einzulassen. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen frohe Sommertage.

Quelle: RP
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