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Hilden
Magische Jazznacht voller Erinnerungen

Hilden: Magische Jazznacht voller Erinnerungen
Die dänische Star-Perkussionistin Marilyn Mazur gab auf der Bühne ein Interview, das ebenso wie das Konzert in der Hildener Stadthalle erstmals live von WDR 3 übertragen wurde. FOTO: Olaf Staschik
Hilden. Zum ersten Mal wurde die International Jazznight live im Radio übertragen - mit Ron Carter und Marilyn Mazur. Von Barbara Steingiesser

"Sie hören das WDR3-Konzert live von den 20. Hildener Jazztagen." Als der Moderator Götz Bühler die Bühne der ausverkauften Stadthalle betrat und diese Worte ins Mikrofon sprach, lief so manchem Jazzfan ein Schauer über den Rücken. Denn es war das erste Mal in der 20-jährigen Geschichte des Festivals, dass die International Jazznight nicht nur vom WDR aufgezeichnet, sondern sogar in voller Länge live im Radio übertragen wurde. Erstmals gab es auch ein Live-Interview auf der Bühne. Die dänische Star-Perkussionistin Marilyn Mazur, die als Gastsolistin mit der WDR Big Band und dem schwedischen Gastdirigenten Hakan Broström auftrat, erklärte, ihre Komposition "Longing For The Storm" handle von den Energien, die der Wind mit sich bringe. Die geheime Botschaft aber sei die Sehnsucht nach Bewegung und danach, einmal nicht dem Verstand zu folgen. Kein Wunder, dass dieses Stück den Sturm im Titel trägt, denn Marilyn Mazur ist selbst ein Wirbelwind. Und es ist faszinierend, zu beobachten, wie sie sich im Kreis all ihrer Percussion-Instrumente um sich selbst dreht und von Instrument zu Instrument fliegt.

Das große Thema, das sich durch den ganzen Abend zog, war aber die Erinnerung. Ob nun in Broströms 40-minütiger Suite "Episodes From The Future And The Past" oder in seinem Stück "Do You Remember?". In ersterer war es die Erinnerung an Miles Davis, in dessen Band Mazur in den 1980er Jahren gespielt hatte, in letzterem das Andenken an den 2008 bei einem Tauchunfall ums Leben gekommenen Pianisten Esbjörn Svensson.

Hilden: Jazz im Park mit Rosani Reis und Barbara Dennerlein FOTO: Staschik, Olaf

Auch der 78-jährige Kontrabassist Ron Carter, dessen "Golden Striker Trio" mit Russel Malone an der Gitarre und Donald Vega am Piano den zweiten Teil des Abends bestritt, widmete sein Konzert den Weggefährten der Vergangenheit. Dem Bassisten Oscar Pettiford, einem frühen Vorbild, oder dem vor eineinhalb Jahren verstorbenen Gitarristen Jim Hall, mit dem er einst im Duo gespielt hatte. "Vor ein paar Jahren", sagte Carter, "haben wir uns in einem Quintett versucht. Aus diesem Repertoire spielen wir nun mein Lieblingsstück." Was er bescheiden verschwieg: Es handelte sich dabei nicht um irgendein Ensemble, sondern um das legendäre zweite Quintett von Miles Davis, dem Carter von 1963 bis 1968 angehört hatte. Besagtes Lieblingsstück war die Ballade "My Funny Valentine", deren Thema Donald Vega raffiniert umspielte und in eine Klavierfantasie überführte. Diesen klassischen Impuls griff Carter auf. In einem virtuosen Solo mit Doppelgriffen und Spezialtechniken wie Hammer-Ons, Pull-Offs und Slides, bei denen allein die linke Hand auf der Saite Sounds hervorbringt, ließ er den Jazz-Standard in ein Cello-Präludium von Johann Sebastian Bach münden. Ein magischer Moment der Zeitlosigkeit, der die staunenden Zuhörer um eine Erinnerung reicher machte.

Quelle: RP
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