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Hilden
Mit Theater spielerisch Probleme lösen - geht das?

Hilden. "Augenhöhe?" heißt das Stück, das die Erwachsenenbildung nach Hilden geholt hat. Das Publikum ging gut mit.

Im Gemeindezentrum der Erlöserkirche sind die Stuhlreihen fast voll besetzt. Die Besucher beobachten, was sich da vor ihnen abspielt. Die Ehrenamtliche Miriam hat für den Flüchtling Salim einen Arzttermin vereinbart. Doch nun steht sie beim Arzt und Salim erscheint nicht. Als sie ihn das nächste Mal trifft, ist sie noch immer sauer. Er erklärt zwar, dass er einem Freund helfen musste und deshalb nicht zum Arzt kommen konnte, will aber wissen, wann der Antrag zur Nachholung seiner Familie gestellt werden kann.

So prallen zwei Probleme aufeinander und die Sprachschwierigkeiten tun ihr übriges. Nach dieser Szene fragt Friderike Wilckens-von Hein die Besucher: "Wie geht es Miriam? Wie geht es Salim?"

Viele kennen solche Szenen, denn es sitzen zum einen Flüchtlinge im Publikum, aber auch viele Menschen, die sich für Flüchtlinge engagieren. Sie sind gekommen, um mit dem Forumtheater "Inszene" die Situation so zu gestalten, dass sie für alle Beteiligten besser ist. "Wir spielen erst eine Szene, bei der es nicht so gut läuft", erklärt Wilckens-von Hein, Regisseurin, Theaterpädagogin und Moderatorin. Danach wird mit dem Publikum nach Alternativen gesucht.

Das Publikum erkennt, dass es weder Miriam noch Salim gut geht. Er vermisst seine Familie, sie ist enttäuscht und frustriert. "Was soll Miriam machen?", fragt Wilckens-von Hein. "Einen neuen Termin beim Arzt machen und Salim dann abholen", sagt eine Dame. Sie versucht, Salim das zu sagen. Dann fordert eine Dame, dass ein Dolmetscher dabei sein soll. Endlich gelingt es, Salim zu erklären, dass er zuerst seinen Antrag durchbringen muss, bevor er seine Familie nachholen kann und dass er dazu zum Arzt gehen muss. "Was soll Salim tun?" Da meldet sich ein junger Mann, der dann als Salim bei Miriam anruft und sich entschuldigt und erklärt. So sind am Ende beide zufrieden.

"Ich habe einen Auftritt von Inszene gesehen und war sofort begeistert", erzählt Susanne Pramann, Leiterin der evangelischen Erwachsenenbildung. Gemeinsam mit Anne de Wendt, Flüchtlingskoordinatorin, hat sie das Forumtheater nach Hilden geholt, um die Probleme, die entstehen, wenn Flüchtlinge und Ehrenamtliche aufeinandertreffen, darzustellen und Lösungen spielerisch zu entwickeln. "Das ist mein Herzensprojekt", betont de Wendt, die sich freut, dass die Rotary Stiftung das Projekt unterstützt. Die drei Schauspieler Nadeem Ahmed, Ana Valeria Gonzales und Patricia Lempke stellen die Szenen authentisch dar und das Publikum lässt sich inspirieren. "Augenhöhe?" hat "Inszene" das Stück genannt.

(grue)
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