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Kommentar
"Mobbing ist nur der Anfang"

Düsseldorf. Leistungsdruck entgegenwirken

hilden / haan (stm) Nicht jede Schule bekommt einen eigenen Schulpsychologen bewilligt. Um so glücklicher ist Rektor Reinold Mertens von der Emil-Barth-Realschule, dass gestern Anja Bonack de Yanez ihren Dienst am Schulzentrum Walder Straße antrat. Die neue Schulsozialarbeiterin wird gemeinsam mit den Beratungslehrern für 400 Haupt- und 550 Realschüler zuständig sein. Besonderen Handlungsbedarf sieht Mertens beim Thema Mobbing: "Schmähungen im Schüler-VZ werden in die Schule getragen und beeinträchtigen dort Stimmung, Lernatmosphäre und Leistungsfähigkeit."

Das niederschwellige Gesprächsangebot von Sozialpädagogen, zu denen die Schüler ein ganz anderes Vertrauensverhältnis aufbauen können, schätzt auch Anne Ackers-Weiß. An der Bettine-von-Arnim-Gesamtschule gibt es anderthalb Stellen für 1300 Schüler. Allerdings sieht Ackers-Weiss in der Beobachtung von Einzelgängern auch einen "Drahtseilakt zwischen Wachsamkeit und Denunziation" – nämlich solcher Schüler, die einfach nur weniger stromlinienförmig sind als andere und womöglich schon deshalb Opfer von "Mobbing" sind.

Das Evangelische Schulzentrum arbeitet bei seinen Notfallplänen eng mit der Polizei zusammen. Ein Notruf-Signal per Handy, das in Ludwigshafen jüngst einigen Menschen das Leben gerettet haben dürfte, hält Ulrich Goebeler vom Bonhoeffer-Gymnasium freilich für wenig praktikabel. "Dann müsste ich ständig die aktuellen Handy-Nummern von 85 Kollegen haben."

Der heute 15-Jährige, der im Juni die benachbarte Fliedner-Schule bedrohte, könnte sich zur Ableistung seiner Arbeitsstunden bald im "Jueck" wiederfinden. Im Jugendzentrum an der Heiligenstraße lassen sich derzeit zwei Mitarbeiter zu Anti-Gewalt-Trainern ausbilden.

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Meißen, Erfurt, Emsdetten, Winnenden, Ansbach: Seit zehn Jahren reihen sich Ortsnamen wie Schlachtfelder aneinander. Auffällig ist, dass die medienträchtigsten Amokläufe an Gymnasien oder Realschulen stattgefunden haben. Mochte auch der ein oder andere Täter ein Waffennarr oder "Ego-Shooter"-Fan gewesen sein: Das Motiv für so eine Tat kann nicht nur in Computerspielen, sondern muss auch im stetig wachsenden Leistungsdruck zu suchen sein. Hilden und Haan tun gut daran, ihre Schulen nicht nur mit Deeskalationstrainern, sondern auch mit Sozialarbeitern zu unterstützen, bei denen sich die vermeintlich harten Jungs mal ausheulen können.

Generell gilt, was der Vorsitzende des Winnenden-Sonderausschusses sagte: "Eine komplette Vermeidung solch' unberechenbarer Taten ist eine Illusion." stm

Quelle: RP
 
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