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Kreis Mettmann
Nachtschwärmer mögen Museumsnacht

Kreis Mettmann: Nachtschwärmer mögen Museumsnacht
Helmut Lübbeke mit dem Schneider Opel-Radioempfänger von 1925. FOTO: Mikko Schümmelfeder
Kreis Mettmann. Viele Besucher nutzten das kostenfreie Angebot zahlreicher Einrichtungen im Neanderland, darunter viele Familien. Von Sabine Maguire und Danni Funke

Auf Tasten drücken, an Knöpfen drehen und irgendwann steht die Leitung zum anderen Ende der Welt. Wenn Helmut Lübbeke mal wieder im Keller verschwindet, dann ist er nur noch DC3JD. Und wer ihn hört, der weiß: Das ist der Helmut aus Hilden. Dann werden noch ein paar Details zur Technik ausgetauscht, mit der man funktechnisch gerade unterwegs ist - und das war´s dann auch. "Über andere Dinge wird eigentlich nicht gesprochen", gibt der 74-jährige einen Einblick in sein Hobby, über das Freunde beim Hausbau einst sagten: "Der Helmut baut einen Funkraum mit Einliegerwohnung." Ganz so schlimm ist es dann wohl doch nicht gekommen. Seiner Leidenschaft ist der Amateurfunker dennoch immer treu geblieben. Mit ihm kann man wunderbar plaudern über alte Radios und darüber, wie das so lief mit der Funkerei - damals, vor 50 Jahren, als er Mitglied im Ortsverband Hilden des Deutschen Amateur Radio Clubs (DARC) wurde. Und weil der Verein in diesem Jahr sein 70-jähriges Bestehen feiert, wurde zur Museumsnacht vom Hildener QQtec-Radiomuseum aus gefunkt. So ganz ohne Gastgeschenk wollten die Amateurfunker offenbar nicht kommen. Deshalb hat Helmut Lübbeke mal im heimischen Regal nachgeschaut und das hier gefunden: Einen Schneider Opel Radioempfänger, Baujahr 1925. Das gute Stück gehört nun zur Sammlung von QQTec-Initiator Helmut Stein und ist dort der Methusalix unter den Radios.

Am Tisch der Funker herrschte jedenfalls Gedränge. Auf der Rundreise durch die Museen im Kreis Mettmann nutzten viele Besucher die Gelegenheit, auch mal in der Forststraße vorbeizuschauen. Vom Smartphone bis zum Laptop: Gefunkt wurde dort auf allen Kanälen. Und wer wissen wollte, wie das bei der Vereinsgründung vor 70 Jahren mit der Funkerei vonstatten ging, der kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Da wurden Fernsehgeräte selbst zusammengebaut und mit allem herumgebastelt in der Hoffnung, jemanden "an die Strippe" zu bekommen. Wenn das dann gelang, wurde der Kontakt auf sogenannten QSL-Karten notiert. Im Keller von Helmut Lübbecke gibt's davon sechs Schuhkartons. Als DC3JD war er schon zu Gast in Kasachstan und Sibirien. Längst ist die Technik explodiert und man könnte sich via Bildschirm mit der ganzen Welt vernetzen lassen. Wäre da nicht dieses kleine Detail, bei dem sich alle einig sind: Spaß macht es nur, wenn man selbst an Knöpfen dreht. Im Neanderthal Museum ist der Andrang hoch. "Es sind viele Familien mit Kindern hier", sagt Mitarbeiterin Judith Konnes, während sie am Eingang Kopfhörer aushändigt. Die Dauerausstellung zur Zeitreise durch vier Millionen Menschenjahre beeindruckt Besucherkind Hannah. Staunend steht sie vor den lebensgroßen Figuren, die aufgrund der gefundenen Humanfossilien mit wissenschaftlichen Mitteln rekonstruiert wurden. "Die sehen ja fast aus wie wir, nur mit Schimpansengesicht." Joel riecht an einer silbernen Dose, die am Deckel viele kleine Öffnungen hat. "Das ist Kaffee, erkenn ich sofort", sagt der Achtjährige selbstbewusst und nimmt die nächste Dose, "Kakao", ruft er aufgeregt seiner Mama zu und greift zur nächsten Dose in der "Duftorgel"- einem Regal, an dem Besucher im Naturschutzzentrum Bruchhausen ihren Geruchssinn testen können. "Unser Museumsabend steht unter dem Motto Afrika", erzählt Ute Bartz, während sie zu fortgeschrittener Stunde um 23 Uhr die letzten Besucher mit Informationen und Snacks versorgt, "Wir haben mit den Kindern afrikanische Masken gebastelt und wir hatten eine afrikanische Familie hier, die für uns leckere "Ingera" gemacht hat, eine Pfannkuchenspezialität.

Der Lokschuppen in Hochdahl lockt naturgemäß Eisenbahnfreunde an. Seit 1991 betreibt der "Eisenbahn- und Heimatmuseum Erkrath-Hochdahl e.V." das kleine Museum. In einem ausrangierten Zugcafe-Abteil werden Vorträge gehalten, man erfährt wie ausrangierte Loks oder Anhänger ihren Weg in die Ausstellungshallen finden. "Die Wagen kommen in der Regeln nicht auf Schienen hierher, wie meistens angenommen, sondern werden mit Schwerlasttransportern überführt", erklärt Vereinsmitglied Reiner Reschke.

Die neuen Figuren zur Geschichte der Menschheit im Neanderthal Museum sind für die Besucher sehr interessant. FOTO: Köhlen Stephan

Auch hier freut man sich über das rege Interesse der kleinen und großen Besucher an diesem Abend. Joel, der Junge aus dem Naturschutzzentrum, sitzt auf einem Fahrrad und treibt mit seiner Muskelkraft einen Dynamo an, der eine kleine Märklin-Eisenbahn in Bewegung versetzt. "Ich möchte auch bei der Bahn arbeiten, wenn ich groß bin", sagt der Viertklässler und steigt vom Rad, "aber ich möchte lieber Schrankenwärter werden".

Wie könnte man besser eine Museumsnacht beenden, als mit einem Blick in die Sterne? Ein Gedanke, der einige wenige in die Sternwarte Erkrath lenkt, darunter auch Besucher Jürgen Krone. Er weiß zwar, dass die zugezogene Wetterlage jegliche Sternensicht unmöglich macht, ist aber trotzdem begeistert. "Es gibt hier freitags öffentliche und kostenfreie Beobachtungsabende mit viel Information, das interessiert mich sehr." Diana Kohl-Jacobi und ihr Ehemann Johannes sind bereits zum zweiten Mal Teilnehmer der Museumstour. Die Solingerin ist begeistert. "Mich begeistert die Vielseitigkeit und vor allem die Tatsache, dass alles kostenfrei ist, im Gegensatz zur einer ähnlichen Veranstaltung in Köln."

Martin (8) lässt sich von Ralf Fellenberg im Erkrather Lokschuppen erklären, wie die Eisenbahn früher den steilen Berg bis nach Hochdahl hinauf gekommen ist. FOTO: Stephan Köhlen
Quelle: RP
 
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