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Weihnachten Fühlen
Noel Baba sorgt für Feststimmung

Weihnachten Fühlen: Noel Baba sorgt für Feststimmung
Der Weihnachtsmann mit den beschenkten Kindern, Reinhard Gatzke und Michaela Neisser (hinten) sowie den Müttern Ilda und Melinda (rechts) FOTO: Olaf Staschik
Hilden. Die acht Kinder, die noch in der Notunterkunft leben, freuten sich über Geschenke und Kuchen. Von Gökçen Stenzel

Hilden Die ehemalige Albert-Schweitzer-Schule ist fast leer. Von den 370 Flüchtlingen, die dort bis vor drei Tagen lebten, sind gerade 24 noch da. Alle anderen sind, rechtzeitig zu Weihnachten, auf andere Städte und in Wohnungen verteilt worden. So fällt die Weihnachtsfeier, die die städtischen Mitarbeiter und ehrenamtlichen Helfer für die Kinder ausrichten, übersichtlicher aus als gedacht. Acht Jungen zwischen drei und 13 Jahren trommelt der Weihnachtsmann zusammen, ein paar Mütter kommen auch mit. Alle schauen neugierig und belustigt: In dem Kostüm des Noel Baba - so heißt der Weihnachtsmann im arabischen Raum - steckt Alexander Klaus. Ihn kennen sie hier alle, er war von Anfang an der Koordinator der Erstaufnahmestelle am Wiedenhof. "Hohoho", ruft er, und Sozialdezernent Reinhard Gatzke sagt scherzhaft: "Ihr Kinderlein kommet". Das machen sie. Im Besprechungsraum warten Küchlein, Saft - und eingepackte Geschenke.

Die einzige Familie im Raum, die Weihnachten - Noel - schon einmal erlebt hat und kennt, kommt aus Syrien. Dort habe man mehrfach mit befreundeten Christen gefeiert, erzählt Mutter Duaa, selbst Muslima wie alle anderen hier. Ihr kleiner Sohn Mustafa strahlt über das ganze Gesicht, als Klaus ihm ein Paket übergibt, das größer ist als er. Dennoch packt er es nicht sofort aus. "Er will erst seinen Kuchen in Ruhe essen", gibt Duaa zu verstehen. Was sie sagt, wird von Yousef Hidroj übersetzt, der bei den Johannitern arbeitet und selbst aus dem Libanon stammt: "Sie fühlen sich sicher und wohl. So sollte man sich an Weihnachten doch fühlen oder?"

Michaela Neisser vom Sozialamt, Chefin über alle Bereiche, die mit Asyl in Hilden zu tun haben, ist erleichtert, dass die ersten Monate in der Unterkunft fast lautlos überstanden sind und nun ein ruhiges Weihnachtsfest bevorsteht. Viele Geschichten hat sie gehört und erlebt seit dem 23. August, als die ersten 150 Flüchtlinge ankamen. Die von dem 17 Jahre alten Mädchen aus Afghanistan, das allein geflüchtet war, weil es mit einem 60 Jahre alten Mann verheiratet werden sollte. Oder die der schwerhörigen 13-Jährigen, die ein Hörgerät bekam und es nur punktuell einsetzte. Die Welt war ihr zu laut.

Die anderen Frauen und Kinder, die bei der Weihnachtsfeier im Raum sind, stammen aus dem Kosovo. Melinda und Ilda sprechen weder Deutsch noch Englisch, zum Übersetzen ist an diesem Nachmittag niemand da. Es ist ihr erstes Weihnachten, so viel steht fest, und was sie davon und von dieser Feier halten sollen, wird nicht ganz klar: Sie schauen ein wenig fragend. Aber sie lächeln auch und freuen sich offensichtlich mit ihren Söhnen über die Stofftiere und Spiele.

Quelle: RP
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