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Hilden
Nur noch kurz die (Märchen-)Welt retten

Hilden: Nur noch kurz die (Märchen-)Welt retten
Anna (links) und Anna-Sophie sind im "Tatort Märchenwald" schwer begeistert. FOTO: Köhlen
Hilden. 130 Kinder besuchen derzeit das Projekt "Tatort Märchen", eine Ferienaktion der Wilhelm-Busch-Grundschule Von Daniele Funke

Ich will Ihnen keinen Bären aufbinden, erst recht keine Mär auftischen, aber wer in diesen Tagen die Wilhelm Busch Grundschule an der Richrather Straße besucht, denkt wirklich, er stehe im Wald: Das Rotkäppchen diskutiert mit der tapferen Schneiderlein. Und was wohl die Prinzessin mit den vier Bremer Stadtmusikanten zu tun hat, während die goldene Gans am Tischlein deck dich den Schnabel nicht vollkriegt? Die böse Stiefmutter kann sogar lachen und der böse Wolf steht versteinert in der Ecke und kann niemandem mehr etwas antun. Was ist passiert?

Zwei Wochen lang dreht sich in der Wilhelm Busch Grundschule alles rund um Märchen, mit viel Dramatik, wie sich das gehört. "Es gibt eine Rahmenhandlung, mit der wir durchgehend arbeiten", erzählt Erzieherin Michela Brendel. "Der König der Märchen hat ein schweres Burnout und nimmt Auszeit. Die Prinzessin soll nun auf die Märchen aufpassen, ebenso seine Frau, die böse Stiefmutter. Die aber führt Böses im Schilde und will die alten Klassiker in moderne verwandeln, vernichten. Sie lässt nach und nach alle tragenden Märchenfiguren erstarren. Die liebreizende Prinzessin und ihre Anhänger suchen nach einer Lösung, diesen Fluch aufzuheben. Ein echtes Drama, daher nennt sich das ganz auch Tatort Märchen."

Zu Beginn der Ferienaktion am vergangenen Montag haben sich die Kinder in Gruppen aufgeteilt, jede Gruppe erarbeitet ein Märchen. "Ich bin das Schneewittchen in unserer Gruppe", erzählt Anna-Sophie stolz. Die Zehnjährige freut sich auf die große Rolle, denn das Märchen wird später vor den anderen Kindern aufgeführt. "Ich traue mir das zu, ich mag es im Rampenlicht zu stehen". Ihre Freundin Anna, 11, wirkt dagegen eher schüchtern. "Ich bin froh, dass ich nur der Spiegel bin", sagt sie leise.

Mit viel Kreativität und Liebe zum Detail haben die rund 40 Betreuer gemeinsam mit den Kindern zwischen 6 und 14 Jahren Texte gelernt, Kostüme entworfen, Bühnenbilder gestaltet. Logan, 9, ist gerade dabei, einen großen Papphai auszuschneiden. "Ich bin in der Märchengruppe Meerjungfrau", erklärt der Grundschüler und konzentriert sich weiter auf die vorgemalten Linien.

Täglich um 12 gibt es auf der aufgebauten Bühne ein Treffen aller Protagonisten. Dort werden die vorbereiteten Märchenausschnitte der jeweiligen Gruppen vorgestellt, unter dem großen Applaus der kleinen Zuschauer. "Es gibt verschiedene Ziele, die wir mit diesem Projekt verfolgen. Zum einen natürlich, die klassischen Märchen in Erinnerung zu halten, aber auch, die jeweiligen Werte und Aussagen zu besprechen", erklärt Michaela Brendel, "In Hänsel und Gretel geht es zum Beispiel um das Thema Armut, darüber diskutieren wir mit den Kindern."

Derzeit setzen sich die Schüler aber vor allem mit einer Frage auseinander: Wer oder was steckt hinter dem Phänomen, dass nach und nach alle großen Figuren der Märchenklassiker erstarren? Dem Froschkönig und (Gott sei Dank) auch dem bösen Wolf ist der seltsame Fluch bereits auferlegt. "Wir müssen ein Gegenmittel, eine Gegenformel, einen Gegentrunk finden", ruft die gute Fee (Schulleiterin Tina Ritterbecks) kämpferisch in die Menge und die unzähligen roten Mützen der vielen anwesenden Zwerge wippen eifrig nickend dazu. "Ich wette bei Robin Hood im Büro finden wir einen erlösenden Kristall", denkt Julian laut. Eine Woche haben sie noch Zeit und sie werden die böse Magie bekämpfen. Oder gibt es Märchen, die nicht gut enden?

Quelle: RP
 
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