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Auf Ein Wort
Nur noch leichtes Gepäck

Hilden. Kennen Sie das Gefühl? Endlich konnten Sie sich aufraffen, den Kleiderschrank (wahlweise: die Garage, den Werkzeugkeller, die Spielzeugkiste, den Küchenschrank usw.) auszumisten. Dinge, die Sie noch nie oder schon sehr lange nicht mehr benutzt haben sind rausgeflogen, wurden verschenkt, verkauft oder einfach weggeschmissen.

Welch ein Hochgefühl, irgendwie viel leichter und befreit! Mir geht es jedenfalls immer so. Bevorzugt gelingt mir das nach dem Urlaub, wenn ich mal wieder festgestellt habe, wie gut ich ein oder zwei Wochen mit der Minimalausstattung in der Ferienwohnung und den auf eine Kofferfüllung beschränkten Klamotten ausgekommen bin.

Als ich zum ersten Mal das aktuelle Lied "Leichtes Gepäck" der Band Silbermond hörte, dachte ich zunächst: " Aha, mal wieder so eine Binsenweisheit, die uns da als neue Lebensweisheit angepriesen wird." Es reist sich besser, so viel besser, mit leichtem Gepäck - so lautet der Refrain dieses Liedes. Wer würde da nicht sofort zustimmen?

Nach mehrmaligem Hören des Textes wurde ich allerdings nachdenklich. Da geht es nämlich auch - aber eben nicht nur - um "Dinge", die uns belasten. In deutlichen Worten werden da auch unsere Gewohnheiten, unsere Geschichte, unsere Beziehungen in den Blick genommen. Nicht nur unsere äußere Umgebung, sondern auch unsere Seele.

Im Lied heißt es dann: "Und eines Tages fällt dir auf, dass du 99 Prozent nicht brauchst. Du nimmst all den Ballast und schmeißt ihn weg..." Das kann uns zum Nachdenken bewegen.

Was wäre eigentlich, wenn man es wirklich einmal ganz konsequent machen würde? Den ganzen Ballast, den man im Laufe des Lebens so anhäuft, abwerfen? Ist das wirklich ein befreiender Gedanke? Mir erscheint das als eine ganz schön große Aufgabe, die einiges an Ehrlichkeit und Mut erfordert. Etwas, das ich in meinen normalen Alltag ganz sicher nicht mal so eben einbauen könnte. Aber in einem bestimmten Bereich - vielleicht? Da, wo es mir gerade wirklich eine Last ist?

Vielleicht nutzen Sie ja die Sommerzeit, einmal bei sich zu schauen, wo es in Ihrem Leben etwas Überflüssiges gibt. Etwas, wo es sich lohnen würde, einmal "auszumisten" oder "Ballast abzuwerfen" - es muss ja nicht gleich das ganze Leben sein...und ganz sicher auch nicht 99 Prozent".

Ulrike Peters, bis dahin Gemeindeassistentin, wurde im August 2015 zur Gemeindereferentin berufen. Sie wirkt in der Katholischen Gemeinde St. Chrysanthus und Daria in Haan. Sie hat katholische Theologie studiert und war viele Jahre in ihrer Heimatgemeinde in Heiligenhaus tätig.

Quelle: RP
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