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Hilden
Oberster Seelsorger trägt am liebsten Parka

Hilden: Oberster Seelsorger trägt am liebsten Parka
Reiner Nieswandt vor St. Jacobus. Seit Ende Oktober ist er auch für die Hildener Katholiken zuständig, die zwei Drittel seiner "Schäfchen" ausmachen. FOTO: Ralph Matzerath
Hilden. Reiner Nieswandt im Redaktionsgespräch: Die Ausstattung der profanierten Kirche Johannes-Evangelist geht nach Kiew: Von Gökçen Stenzel

Dass Dr. Reiner Nieswandt Pfarrer ist, ist ihm äußerlich, rein bekleidungstechnisch, nicht anzusehen. "Meine Soutane", sagt er, "ist ganzjährig in der Reinigung." Tatsächlich trägt er wohl am liebsten Parka und legere Blousons, so kennen ihn die Haaner - und die Hildener inzwischen auch. Denn der 54-Jährige ist nicht nur Pfarrer, sonden oberster Seelsorger für insgesamt 28.000 Katholiken in Haan und in Hilden: Ein kleines Bistum kann so viele Gläubige zählen.

St. Jacobus hat er im Oktober 2015 übernommen und leitet die Gemeinde kommissarisch zusätzlich zum fusionierten Verband Haan und Gruiten - ein Zustand, der sich bis auf weiteres nicht ändern wird. "Der Personalmangel bei uns bedeutet, dass die Kirchenleitung durchaus erwartet, dass wir Nachbargemeinden für einen gewissen Zeitraum mit übernehmen", erklärt Nieswandt. Für ihn heißt das, "dass ich alles doppelt machen muss" - was er nicht als Klage verstanden wissen will. "Ich bin hier in Hilden auf so viel Vertrauen und Wohlwollen gestoßen, dass mich das Gefühl des Miteinanders stärkt und trägt." Die Möglichkeit zu gestalten ist ihm wichtig, sie wiegt die Last der Verantwortung und vielen Aufgaben bei weitem auf.

Die Fusion der Gemeinden in Hilden, so nimmt er es wahr, habe tiefe Narben hinterlassen und sei nicht so geräuschlos vonstatten gegangen wie etwa die Zusammenlegung der Gemeinden Haan und Gruiten im Jahr 2010. Vielleicht, so überlegt der Sohn eines Bauunternehmers aus Urdenbach, lag das daran, dass bei letzteren keine der beiden Kirchen herabgesetzt, eine nicht über die andere gestellt wurde.

Nicht nur herabgesetzt, sondern profaniert wurde die Kirche St. Johannes Evangelist am Zeißweg vor den Toren Benraths soeben - beinahe unbemerkt von der Öffentlichkeit und auf jeden Fall ohne jeglichen Gegenwind. "Das war bei der Kirche Unterhaan, die ja das selbe Schicksal hatte, ganz anders." Eine Gemeinsamkeit gibt es allerdings: In beiden Fällen gehen die Ausstattungsgegenstände nach Osteuropa. Gerade ist sich Niewandt mit dem Erzbischof von Kiew darüber einig geworden, dass die Einrichtung aus Hilden in die Ukraine umziehen wird. Die Küsterwohnung hat der ehemalige Hildener Pfarrer Ulrich Hennes, der inzwischen in Düsseldorf arbeitet, noch der Stadt angeboten. Gut möglich, dass sie abgerissen und das Grundstück später zur Bebauung freigegeben wird.

Apropos Bebauung. Das größte Vorhaben für dieses Jahr wird die Fertigstellung des Jacobushofs sein. Sowohl das Gemeindezentrum als auch die Wohnanlage werden nach derzeitigem Stand zum Ende der Sommerferien eingeweiht und in Betrieb genommen, im Wohnhaus sind die meisten Einheiten verkauft. "Ich interessiere mich sehr für die Bauarbeiten", erzählt der Pfarrer, "weil ich selbst wegen des Betriebs meines Vaters auf dem Bau gearbeitet habe." Aufgewachsen ist Nieswandt in Urdenbach, in Benrath ging er zur Schule - und in Hilden gern in die Kneipe. "Wir waren als Jugendliche viel in Hilden unterwegs." Er muss lachen. "Das lag und liegt einfach näher als Düsseldorf." Wie die Pläne für das Einweihungsfest des Jacobushofs konkret aussehen, weiß Nieswandt nicht, "aber es wird eins geben."

Auch in Haan steigt ein Pfarrfest, obwohl es eigentlich abgesagt war. Für eine etwas abgespeckte Version haben sich aber "Leute gefunden, die bereit sind, es zu organisieren", so der Pfarrer. Das hätte er nicht auch noch geschafft.

Quelle: RP
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