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Postskriptum Die Woche In Unserer Stadt
Ohne Konsens zerbrechen wir

Hilden. Verbrechen werden verübt. Schon immer gab und gibt es Kriminelle, die morden, stehlen, andere erpressen und verletzen. Warum schockiert es uns dann so nachhaltig, wenn es einen jungen Mann trifft, der bei einer Schlägerei lebensgefährlich verletzt wird - so geschehen in dieser Woche in unserer Stadt? Nicht nur, aber auch deswegen, weil seine schweren Kopfverletzungen daher kommen, dass zwei bisher Unbekannte heftig gegen den am Boden liegenden traten. Es ist zehn Jahre her, dass der Düsseldorfer Jugendrichter Edwin Pütz gesagt hat, dass sich nicht die Zahl der Gewaltdelikte erhöht, sondern die Brutalität, mit der sie verübt werden. Früher, sagte Pütz, tat man das nicht. Niemand wurde getreten, der schon am Boden lag. Schon damals beobachtete der Experte nicht nur eine Verrohung unter der zivilisierten Schale, sondern auch das Fehlen von Konsens: "Das macht man nicht" gehörte einst dazu. Das schockierende Geschehen in der Bank, in der vier Kunden einem Sterbenden nicht halfen, ließe sich hier ebenso anführen.

Normen und Werte verändern sich, sie gehören stets auf den Prüfstand und müssen angepasst werden. Nicht aber aufgegeben. Eine Gesellschaft, deren grundlegende Werte wie die persönliche Unversehrtheit buchstäblich mit Füßen getreten werden, droht zu zerbrechen. Natürlich wird Ursachenforschung betrieben. Schwere Kindheit, schlechte Schulbildung werden da angeführt, keine Chance auf ein solides Leben, frühe Fehltritte und so weiter. Alles möglich, aber das Fundament unserer Ordnung darf darüber dennoch nicht ins Wanken geraten.

Denn das Opfer, der junge Mann, hat nichts davon. Er ringt immer noch mit dem Tod.

Gökcen. stenzel@rheinische-post.de

Quelle: RP
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