| 00.00 Uhr

Hilden
Parkplätze werden gefühlt immer enger

Hilden: Parkplätze werden gefühlt immer enger
Die Autos sind in den letzten Jahrzehnten mächtig gewachsen. Das aktuelle Golf-Modell ist gegenüber dem Ur-Modell aus dem Jahr 1974 um fast 20 Zentimeter in die Breite gegangen. FOTO: ADAC
Hilden. Querparker, Schrägparker und Nimm-2-Stellplätze-Parker - wieso nutzen immer mehr Fahrer mehr als einen Parkplatz für ihren Pkw? Von Ilka Platzek

Wie breit sind eigentlich die Stellplätze in den Hildener Parkhäusern? Keiner weiß es auf Anhieb. Das Tiefbauamt nicht, das Hochbauamt nicht und auch die Eigentümer nicht.

Der erste Beigeordnete Norbert Danscheidt weiß zumindest, wie breit sie sein sollten: "Es gibt eine Sonderbauverordnung. Nach der müssen Stellplätze 2,50 Meter breit sein, wenn links und rechts Pfeiler oder Wände sind. Bei Pfeilern/Wänden auf nur einer Seite reichen 2,40 Meter, ansonsten 2,30."

Ein eilig gekaufter Zollstock und Stippvisiten in fünf Hildener Parkhäusern bringt Gewissheit: Die Stellflächen im Aldi-Parkhaus am Kronengarten, unterm Rathaus, unter der Sparkasse, hinter Saturn und unter dem Nové-Mesto-Platz entsprechen diesen Vorschriften.

Die Markierung wird oft nicht beachtet... FOTO: Staschik, Olaf (ola)

Trotzdem sieht man immer wieder Autos, die haarscharf an Betonsäulen oder dem Heck des nebenan stehenden Pkw vorbei gezirkelt werden. Und Autofahrer, die sich mit ihrem Pkw frech auf zwei Parkplätzen breit machen. Frech oder hilflos? 2,30 Meter sind für viele moderne Autos sehr knapp bemessen. Deswegen fordert der ADAC grundsätzlich 2,50 Meter: "Allein beim VW Golf liegen zwischen dem ersten Modell 1974 und dem aktuellen mehr als 40 Zentimeter, die das Fahrzeug in die Breite gewachsen ist", sagt Dr. Roman Suthold, Leiter des Bereichs Verkehr und Umwelt beim ADAC Nordrhein: "Da kommen Sie mit der gesetzlichen Breite von 2,30 Metern sehr schnell an Ihre Grenzen, deshalb wollen wir 2,50 Meter."

Dann kann es für den Nachbarn zum Einsteigen eng werden. FOTO: Staschik, Olaf (ola)

Michael Siebert, Leiter des Hildener Ordnungsamts, unterstützt die Forderung des ADAC: "Ich fahre einen SUV, der wird wohl 2,20 Meter breit sein - mit Spiegeln. Ich finde aber, hier in Hilden geht es noch, was die Breite der Parkplätze anbetrifft." Aus anderen Städten kenne er engere Stellplätze. Dann spricht der Autofahrer aus ihm: "Ich könnte Bücher schreiben, wie sich einige anstellen aus Angst ums Blech. Wer in Tiefgaragen fährt, muss entweder die Enge in Kauf nehmen oder besser gleich draußen parken."

Apropos draußen: Auch dort geht der Trend zum Nimm-2-Stellplätze-Parker, wie die RP bereits in einem früheren Bericht belegt hat. Strafe droht den dreisten Autofahrern selten: "In den Parkhäusern sind wir nicht zuständig", sagt Siebert. Und wer draußen durch sein Verhalten knappen Parkraum verschwendet, wird nur dann vom Ordnungsamt belangt, wenn nachweislich er der Übeltäter ist. Das ist aber schwer zu beweisen. "Wir schreiben auch niemanden auf, der ein paar Zentimeter von der Linie abweicht", beruhigt Siebert. Geahndet werde nur "verkehrsbehinderndes Parken". Und dann fügt er noch hinzu: "Es wäre für alle Beteiligten bequemer, wenn es keine Begrenzungslinien gäbe, sondern nur ausgewiesene Parkflächen." Wunschdenken.

Einige nutzen die Plätze auch diagonal. FOTO: Staschik, Olaf (ola)

Zurzeit wird übrigens die Tiefgarage unterm Rathaus renoviert. Breitere Parkplätze sind allerdings nicht vorgesehen. Adrian Kulla spricht für die Verkehrsgesellschaft Hilden (VGH), eine Stadtwerketochter, der seit 2015 die Parkhäuser Südstraße, Rathaus und Nové Mesto gehören. "Baulich geht das nicht wegen der Säulen. Und aus drei Parkplätzen zwei machen, das wird nicht passieren: Das wäre schlecht für die Stadt, für uns und unsere Pächter. Außerdem muss Hilden eine gewisse Anzahl Parkplätze anbieten und diese Zahl würde dann unterschritten."

Manchmal sind Stellplätze auch zu kurz. FOTO: ola

Der Bundesverband öffentlich bestellter und vereidigter sowie qualifizierter Sachverständiger (BVS) empfiehlt in einer Studie sogar Stellplatzbreiten zwischen 2,50 Meter und 2,75 Meter, je nach Begrenzungen und technischen Erfordernissen. "Maßgebend ist das Ein- und Aussteigen des Fahrers", sagt Ingenieur Walter Herre, der die Untersuchung geleitet hat. Geringere Breiten schränkten automatisch die Nutzbarkeit der Stellplätze ein - förderten damit also auch das "Zuparken" mehrerer Plätze. ADAC-Experte Roman Suthold hat allerdings die Erfahrung gemacht, dass Besitzer von Parkhäusern in guter City-Lage oft kein Interesse an einer Modernisierung ihrer Plätze haben. Die handelten schlicht nach dem Motto: "Das habe ich nicht nötig. Mein Parkhaus wird sowieso voll."

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Hilden: Parkplätze werden gefühlt immer enger


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.