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Hilden
Pokémon-Fieber hält Einzug in Hilden

Hilden: Pokémon-Fieber hält Einzug in Hilden
Huch, ein Pokémon! Ach nein, das ist ja der Hund der Nachbarn, als Pokémon verkleidet. Punkte bringt er den Spielern leider nicht. FOTO: Carolin Aufermann
Hilden. Niemand muss erschrecken, wenn ihm ganze Gruppen junger Leute entgegenkommen, die auf ihre Handys starren. Von Carolin Aufermann und Gökçen Stenzel

Es ist Montagabend. Neben dem Fabry-Denkmal sitzt eine Gruppe auf dem Kopfsteinpflaster, weitere junge Leute stehen auf den Stufen oder drumherum. Sie alle blicken ab und zu auf ihr Handy, quatschen mit ihren Freunden. Plötzlich geht ein Raunen durch die Menge, als ein Dratini - ein seltenes Pokémon - auftaucht. Die Stimmen werden lauter und von den ersten Jubelrufen durchbrochen. Ganze drei "Lockmodule" sind gleichzeitig aktiv und locken wilde Pokémon an, das Spiel nimmt jetzt Fahrt auf.

Wir sind zu Gast bei einer der aktuellen Pokémon-Go-Gruppen, die es in Hilden ebenso gibt wie überall. Rund 20 Teilnehmer sind an diesem Abend gekommen. Bei dem Spiel geht es - stark vereinfacht - es darum, ganz real virtuelle Männchen zu jagen. Das Spiel hat Millionen Menschen auf der ganzen Welt in seinen Bann geschlagen, bisher ist es vom Grundsatz her kostenfrei für den Nutzer. Vom 6. August an soll sich das ändern.

Aber so weit ist es noch nicht.

Auf den ersten Blick wirken die Spieler alle unterschiedlich. Trotzdem haben sie eins gemeinsam, sie haben sich über das Internet verabredet um Pokémon-Go zu spielen. Nintendo hat damit die zweitmeistverkaufte Spielereihe aller Zeiten (direkt hinter Super Mario) auf die Smartphones dieser Welt gebracht und bricht damit alle Rekorde. Das Spielprinzip ist simpel: Man geht vor die Tür, schaut auf die Stadtkarte in der App und fängt Pokémon, die zufällig auf der Karte auftauchen. Um ein Pokémon zu fangen, muss man sich auf sie zubewegen und antippen, dann wirft man einen "Pokéball". Je mehr man läuft, desto mehr Pokémon tauchen auf. Diese trägt man dann mit sich herum, kann sie stärken, Arenakämpfe gewinnen und in "PokéStops" neue "Pokébälle" sammeln.

Der beliebteste Treffpunkt für die Spielergruppen ist mittlerweile der Hildener Stadtpark. Dort ist es nicht nur schön schattig, von dort lassen sich die virtuellen Männchen schnell erreichen. Dutzende Menschen sitzen friedlich quatschend und lachend auf den Wiesen, vor der Stadthalle oder am Wasser. Was von vielen Unbeteiligten als "Kinderspiel" betrachtet wird, spricht bei weitem nicht nur Elf- bis 16-Jährige an.

1999 kamen die ersten Editionen des Spiels auch nach Deutschland, deshalb ist es kaum verwunderlich, dass es größtenteils Mittzwanziger sind, die auf ihre Handys schauen, ausgelassen lachen und sich wie kleine Kinder freuen, wenn ein Pikachu vor ihnen auftaucht. Pikachu ist ein 40 Zentimeter kleines, sechs Kilogramm schweres, zweibeiniges (manchmal auch vierbeiniges), gelb gefärbtes Pokémon.

Was ist es, das die Mittzwanziger nach Feierabend oder Unischluss noch auf die Straße zieht? "Es ist die Nostalgie, all unsere Wünsche aus Kindheitstagen sind plötzlich wahr geworden. Wir können auf die Straße gehen und Pokémon fangen!", schwärmt Chris (21). Sein Wunsch ist es, sie alle zu fangen, neue Orte auszukundschaften, Kilometer zu laufen, dadurch Pokémon-Eier auszubrüten und gleichzeitig etwas für die Gesundheit zu tun. "Ich bin in der ersten Woche mehr als 20 Kilometer gelaufen", erzählt Jenny(19). So spielverrückt wie der Neuseeländer, der seinen Job aufgegeben hat, um fortan nur noch Pokémon im ganzen Land zu fangen und dadurch berühmt zu werden, sind die beiden allerdings nicht.

"Es gibt sowohl Befürworter wie auch Kritiker des Spiels Pokmon Go'", schreibt Melissa Marten, die zusammen mit anderen etwas Besonderes plant. "Wir gehören zu den Anhängern des Spiels und veranstalten eine Nachtwanderung". Sie steigt heute, Samstagabend. Treff ist um 23 Uhr vor dem Area 51 in Hilden und Start ebenda rund 15 Minuten später. Für Infos: Die Gruppe heißt "Pokemon-Go Nachtwanderung Hilden" auf Facebook und freut sich über Zuwächse.

Derweil warnt Hersteller Nintendo vor Unaufmerksamkeit im Straßenverkehr. Deswegen wird davon abgeraten, hinter dem Steuer Pokémon zu fangen; etliche Unfälle hat es wegen der "Jäger" schon gegeben.

Quelle: RP
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