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Hilden
Politik will Radboxen mit E-Schlössern

Hilden: Politik will Radboxen mit E-Schlössern
FOTO: Staschik Olaf
Hilden. ADFC-Sprecher Georg Blanchot warnt: Elektronische Systeme sind viel teurer und zudem unsicher. Von Christoph Schmidt

Am S-Bahnhof Hilden-Süd lässt die Stadt zwischen Richrather- und Schützenstraße weitere Fahrradständer (teilweise überdacht) installieren. Dafür gibt es Fördergelder von der Bundesregierung. Ursprünglich waren dort auch abschließbare Fahrradboxen vorgesehen. Sie werden aber nicht gefördert - und wurden deshalb von der Stadt Hilden wieder gestrichen. Bekanntlich gibt es im Haushalt ein Defizit von 10,4 Millionen Euro.

Jetzt hat der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr ein verlockendes Angebot gemacht. Das Bundesumweltministerium will den Radverkehr fördern - und gibt deshalb Geld aus für Fahrradboxen mit elektronischen Schließsystemen. Sie werden über ein E-Ticket des VRR gebucht und abgerechnet. Auch Hilden könnte Geld bekommen, wenn sich die Stadt bis 30. September für das Modellprojekt bewirbt. Dafür sprach sich bei der Vorberatung im Haupt- und Finanzausschuss eine breite Mehrheit aus. Wenn Hilden den Zuschlag erhält, könnte die Stadt 24 Fahrrad-Boxen mit elektronischen Schließsystemen anschaffen. 28.800 Euro müsste die Kommune selber aufbringen, 67.200 Euro (70 Prozent) gäbe es als Zuschuss geschenkt. Die Betriebskosten der E-Boxen sind allerdings deutlich höher als die von konventionellen Lösungen.

Die E-Boxen könnten von mehr Kunden als die konventionellen Radboxen genutzt werden, sagte Anabela Barata (SPD): "Wir erschließen uns dadurch ganz andere Kunden. Die SPD will sich dem zukunftsweisenden Projekt anschließen." Claus Munsch (Allianz) war auch dafür, will die Radboxen aber gebührenpflichtig machen. Daran arbeite die Verwaltung bereits, sagte Bürgermeisterin Birgit Alkenings.

Die Grünen hätten für die zur Verfügung stehenden 96.000 Euro lieber 48 konventionelle Boxen angeschafft - auch ohne Förderung. "Es gibt erhebliche Probleme mit den E-Boxen", warnte Klaus-Dieter Bartel. Das sah Ludger Reffgen (Bürgeraktion) ähnlich: "Mit den E-Boxen schaffen wir uns einen Rattenschwanz von Problemen."

Und was sagt der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club, die Interessenvertretung der Radfahrer in Hilden dazu? Der Bedarf nach einer freien Radbox ist hoch, weiß Sprecher Georg Blanchot: "Im Bürgerbüro liegt eine Interessentenliste. Die durchschnittliche Wartezeit beträgt zwei Jahre." Der Haupt- und Finanzausschuss habe "nicht die wirtschaftlichste Lösung beschlossen", meint Blanchot: "Statt der erprobten vandalismussicheren Betonboxen mit herkömmlichen Schlüsselsystem wurde mehrheitlich einer sehr viel teureren Variante mit elektronischem System zugestimmt, wodurch höchstens die Hälfte der eingeplanten Boxen zu einem viel späteren Zeitpunkt beschafft werden könnte. Vergleichbare Boxen wurden an Essener S-Bahnhöfen mehrfach aufgebrochen. Langenfeld ist nach negativen Erfahrungen mit der Elektronik zum traditionellen System mit üblichen Schlössern zurückgekehrt. Eine solche Entscheidung auch in Hilden würde den radelnden S-Bahnpendlern am ehesten nutzen."

An den beiden S-Bahnstationen in Hilden gibt es 140 Fahrradboxen mit etwa 180 Stellplätzen. Alle Boxen sind vergeben - bislang noch kostenfrei. Die Boxen sind zum Teil schon 25 Jahre alt und haben sich als "unkaputtbar" erwiesen, sagt Erster Beigeordneter Norbert Danscheidt. Pro Jahr gebe es höchstens ein bis zwei Defekte an den Schlössern. Damit liegen die Instandhaltungskosten für alle Boxen unter 500 Euro oder vier Euro pro Box und Jahr. Die Betriebskosten für die 24 E-Boxen liegen bei 3200 Euro pro Jahr sowie alle sieben Jahre 4000 Euro Hardwarekosten.

Quelle: RP
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