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Hilden
Prinz überlistet die Feldjäger

Hilden: Prinz überlistet die Feldjäger
Schlich sich mit Universalschlüssel von hinten an: Prinz Ulf. FOTO: Köhlen Stephan
Hilden. Die Soldaten liefern dem Narrenvolk eine wundervolle Show - und müssen doch kapitulieren. Von Gökçen Stenzel

Die Feldjäger in der Waldkaserne an der Elberfelder Straße gaben wirklich alles: Das Ausbildungsmusikkorps spielte mitreißende Karnevalsmusik, alle trugen echt wirkende Uniformen. Eine weitere Einheit sicherte das Tor, die Männer hatten Knüppel schlagbereit und die Schilde sorgfältig auf Höhe der Körpermitte. Sogar die Hundeführer zeigten, was sie drauf haben und ließen zwei Hunde auf einen Delinquenten losgehen, während es aus den Lautsprechern immer aufs Neue Warnungen schmetterte: "Achtung, Achtung, hier spricht die Militärpolizei.

Räumen Sie das Gelände!" Zu dem Zeitpunkt waren allerdings nur Jecke auf dem Gelände, die im anderen Leben zur Kaserne gehören und sich in verrückte Fummel geworfen hatten, um genau diese Tatsache zu verschleiern. Das sollte sich nur wenige Minuten später schlagartig ändern, denn alle Verteidigungsmaßnahmen und das martialische Gehabe nützten nichts. Dabei hatte der Standortälteste Harald Wegener morgens beim Sturm aufs Rathaus gegenüber einer Möhne noch getönt: "Wir gehen dann schon mal und bereiten in der Kaserne alles vor.

Hilden feiert Altweiber 2018 FOTO: Daniel Oelbracht

Damit ihr nicht reinkommt!" Die beschriebenen Vorführungen hatte Prinz Ulf I. genutzt, um sich von hinten aufs Gelände zu schleichen. Prinzessin Sandra und die Kinderprinzen waren damit beschäftigt, die Feldjäger abzulenken: Sie sangen aus voller Kehle "Wir wollen euch tanzen sehen, wir wollen euch tanzen sehen", während die Einheit mit ihren Schilden und Knüppeln stramm stand und alle paar Sekunden vorrücken musste. Natürlich nicht freiwillig, sondern auf Befehl eines nicht näher bezeichneten Kommandogebers.

Samt Riesenzange tauchte jedenfalls Seine Tollität plötzlich auf der richtigen Seite des Tors auf, um das Schloss aufzubrechen, das Wegener perfiderweise hatte anbringen lassen. Die Soldaten mussten nachgeben und die jecke Schar schließlich doch einlassen. Die stürmte ausgelassen los und wollte sogleich den Saal kapern, wo die Party bekanntermaßen weiter geht, doch da war die Prinzengarde vor! Kein Jeck kam an den strammen Jungs in den grünen Fräcken vorbei, die mit allerlei Gerätschaften und der Standarte voraus marschierten.

Spalier für die neuen Regenten Ulf und Sandra: Jedes Jahr aufs Neue sperren sich die Feldjäger ein, nur um nach viel Brimborium doch das Tor zu öffnen. Ein Prinz hat sich sogar einmal von einem Hubsteiger aus aufs umkämpfte Gelände bringen lassen! FOTO: Stephan Köhlen

Was für ein Bild: Zuerst die Feldjäger, die sich mit Zwergenmützen, Blumensträußen und anderen närrischen Elementen den Jecken angenähert hatten, zumindest äußerlich. Und gleich dahinter die Karnevalisten, die doch mit ihren Uniformen einst diejenigen persiflieren sollten, denen sie da hinterher marschierten. Mit Essen, Getränken und Auftritten von Garde und Tanzkorps ging der Sturm auf die Kaserne zu Ende. Und wenn sie nicht aufgehört haben, feiern sie noch heute.

Quelle: RP
 
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