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Hilden
RP-Leser zeigen "ihre" Dreckecken

Hilden: RP-Leser zeigen "ihre" Dreckecken
RP-Redaktionsleiterin Gökçen Stenzel (mit Mikrophon) im Gespräch mit Achim Hendrichs, Grünflächenamt (3.v.r.), Bürgern und Sponsoren. FOTO: Olaf Staschik
Hilden. Vor allem sprießendes Unkraut stört das Schönheitsempfinden der Hildener. Das zeigte sich bei der Mobilen Redaktion. Von Alexandra Rüttgen

Renate Krings redet sich in Rage. "Ich rege mich seit Jahren auf, aber es passiert nichts", sagt sie und zählt gleich eine Hand voll Stellen auf, an denen die Stadtverwaltung aus ihrer Sicht die Pflege schleifen lässt. An der Kirchhofstraße zum Beispiel, an der Unterführung zur S-Bahn, hinter der Apotheke, "da liegt Laub von vor -zig Jahren. Da kommt mal ein Herr von der Stadt und pustet es mit so einem Laubsauger weg", aber beim nächsten Windstoß sei das gleich wieder da.

Rege diskutiert wurde gestern am Stand der Mobilen Redaktion der Rheinischen Post auf dem alten Markt. Die RP hatte zur Teilnahme an ihrer Aktion "Nicht maulen, sondern machen - wir verschönern eine Dreckecke" eingeladen. RP-Redaktionsleiterin Gökçen Stenzel moderierte die Veranstaltung. Die Leser waren dazu aufgefordert, Fotos "ihrer" Dreckecke mitzubringen. Mit ein wenig Glück wird diese Dreckecke bis Jahresende mit Unterstützung von Helfern und Sponsoren verschönert. Eine Jury fällt das Urteil.

Dieses Angebot nahmen viele Bürger wahr. Peter Thürbach brachte Fotos von der Gerresheimer-, der Zelter- und der Händelstraße mit. Darauf ist zu sehen, wie am Straßenrand das Unkraut aus den Ritzen schießt. "Das sieht man im Hildener Norden überall. Weil da lange die Autos parken, kommt die Kehrmaschine nicht an den Straßenrand." Das Unkraut kann in Ruhe weiter wachsen. Elke Schmeiß brachte Fotos vom Salzmannweg mit. Ein kleines, brach liegendes Eckgrundstück mit Briefkasten davor "entwickelt sich so langsam zum Hundeklo". Würde die Fläche verschönert, wäre sie bereit, sie künftig auch zu pflegen, verspricht sie. Das würden auch die Eheleute Rolf und Christa Hassel. Sie bringen Fotos vom Weidenweg. Dort ist eine Baumscheibe, die sie lange selbst gepflegt haben. Doch die Erde hat sich so verdichtet, dass sie hart wie Beton geworden ist. "Da ist eine Grenze erreicht, wir können gar nicht mehr harken. Das kann so nicht bleiben", sagen sie. Ursula Merz bringt gleich 21 Bilder vom Teich am Holterhöfchen, der Feuerwache und dem Friedhof: Sie zeigen wucherndes Unkraut, Müll und Grünabfälle, die in Nähe der Bahnlinie illegal gelagert worden seien. Merz zeigt Verständnis für die Stadtverwaltung, "es ist zu wenig Personal da", sagt sie. Doch das Geld werde auch für die falschen Zwecke ausgegeben. Würde das Gewicht stärker auf ein gepflegtes Hilden gelegt, dann wäre dafür auch Geld da.

Achim Hendrichs, Sachgebietsleiter Grünflächen/Forst bei der Stadt Hilden ist an diesem Nachmittag viel gefragter Gesprächspartner. Er kennt die meisten Dreckecken, kann die Lage schnell beurteilen. Bei manchen Grundstücken sind der Stadt die Hände gebunden, weil sie anderen Eigentümern gehören, zum Beispiel der Bahn. "Die schreiben auch wir oft genug an", berichtet er. Hendrichs muss aber auch viel Kritik einstecken. "Warum erhöht ihr nicht die Gebühren, warum sind die Strafen nicht drastischer?", fragten die Bürger. Hendrichs erläuterte, dass dies Sache der politischen Willensbildung sei. "Wenn es im Rat eine Mehrheit dafür gibt, wird sich das auch durchsetzen lassen. Allerdings muss die Gebührenerhöhung in eine Verbesserung münden, die nach außen hin auch wahrnehmbar ist." Achim Hendrichs sitzt mit in der Jury, die sich nun über die Vorschläge der RP-Leser beugt und beratschlagt, welche davon umgesetzt werden. Ulrich Fritzsch, Inhaber des Hildener Gartenbaubetriebs "GreenCard", der selbst Pflanzen spendet und sie einsetzen will, ist zuversichtlich: "Das ist machbar." Er will mit den Anwohnern des ausgewählten Vorschlags reden, damit "ihre" Dreckecke auch so schön wird, wie sie es sich wünschen.

Quelle: RP
 
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