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Kolumne Calm Down (14)
Ruhe finden auf der Parkbank - einfach unbezahlbar

Kolumne Calm Down (14): Ruhe finden auf der Parkbank - einfach unbezahlbar
Eine Rast auf der Parkbank. Auf der Wasserfläche spiegeln sich die nahezu blattlosen Äste der Bäume. FOTO: privat
Hilden. Klackklackklack! Das Blindensignal der Fußgängerampel fügt zum Lärmteppich der Mittelstraße noch ein weiteres Klangmuster hinzu. Autos eilen vorbei. Ein Moped knattert. Irgendwo ist ein Martinshorn zu hören. Eine Frau, mit Einkaufstüten bepackt, wartet auf das grüne Signal. Sie schaut nicht nach links und nicht nach rechts. Stress macht andere Menschen gesichtslos. Neugierde würde nur Zeit kosten. Also hastet sie bei Grünlicht los, ihrem Ziel entgegen. Von Alexandra Rüttgen

Meines liegt im Stadtpark. Eine Bank am Teich. Auszeit. Zeit zum Runterkommen. Hier spielte im Sommer ein junger Mann auf seiner Gitarre. Und Banker saßen hier in dunklen Anzügen, um ihr Mittagessen einzunehmen. Jetzt ist der Park fast menschenleer. Nur schräg gegenüber, auf der anderen Seite des Teichs, setzt ein Mann seine Rotweinflasche an den Mund. Ein Hund sitzt neben ihm auf der Bank und schaut ihm zu. Eine S-Bahn klappert über die Gleise. Vögel turnen im Geäst herum und piepsen. Der Wind bringt die letzten Blätter in den Baumkronen zum Rascheln. Wirklich still ist es auch hier nicht. Aber es ist ruhig.

Tief einatmen. Es riecht noch nicht nach Winter, nicht nach Kälte und herannahendem Schnee. Sondern nach nasser Erde und welkem Laub. Die nackten Äste einer Platane spiegeln sich auf der Wasseroberfläche. Die orangefarbenen Blättchen einer Berberitze und die roten Beeren der Eibe sind die einzigen Farbflecken im Grau-Grün-Braun des Parks. Zwei Entenpaare durchpflügen das Wasser, um unter den Zweigen einer Bambusstaude Rast zu machen. Wie kalt das Wasser jetzt wohl sein mag? Eine junge Frau eilt vorbei. Sie schiebt mit der einen Hand einen Kinderwagen, mit der anderen Hand hält sie ein Handy ans Ohr. Schade, dass sie am Zauber des Parks nicht teilhaben kann.

Die Gedanken schweifen. Sie wandern zum vergangenen Abend, zum letzten Treffen mit Freunden, zum nächsten Besuch der Familie. Sicher, es gibt noch viel zu tun, aber die Ruhe hilft, die Gedanken zu sortieren. Damit wirken all die kleinen Pflichten plötzlich gar nicht mehr wie eine große Last. Und es schält sich Freude heraus. Weihnachten - eigentlich war's doch immer schön.

Aufstehen, weitergehen. Da leuchtet etwas im Augenwinkel auf. Ein feuerrot gefärbtes Ahornblatt liegt auf dem Boden. Ich hebe es auf. Eine vergängliche Erinnerung an einen Moment, in dem ich ganz bei mir war.

Quelle: RP
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