| 13.33 Uhr

Gruiten
Sachkunde zum Anfassen

Düsseldorf. Wie Osterküken schlüpfen, erleben 17 Zweitklässler der Gemeinschaftsgrundschule Gruiten: Seit Montag steht ein Brutkasten mit angrenzender Küken-Stube im Klassenzimmer – bestückt vom Rassegeflügel-Zuchtverein. Von Stefanie Mergehenn

Wenn sich die Klasse 2 b heute zu ihrem österlichen Frühstück vor den Ferien trifft, dann haben die Kinder dabei flauschige Zuschauer: Rund drei Dutzend Osterküken dürften dann bereits durch den offenen Wärmeschrank staksen und purzeln. Direkt nebenan, im Brutkasten, klopfen sich noch einige jüngere Geschwister durch die Eischale ans Licht der Welt.

Die Idee zu diesem bislang einmaligen "Sachkunde-zum-Anfassen"-Projekt hatte Klaus Herring. Der Großvater des Zweitklässlers Leon ist zweiter Vorsitzender des Gruitener Rassegeflügel-Zuchtvereins und stieß bei Klassenlehrerin Valeska Zundler auf offene Ohren. "Die größte Arbeit war das 21-tägige Vorbrüten", erzählt Herring. Das übernehmen heute nicht mehr die Glucken, sondern Brutmaschinen.

Beim Schlüpfen angefeuert

Jeder der 13 Züchter habe einige Eier gespendet, damit die Artvielfalt deutlich wird. Sieben verschiedene Rassen picken sich seit Montag durch die Eischale – das erste in der Rekordzeit von zehn Minuten. "Wir standen alle um den Brutkasten herum und feuerten das Küken mit ,Du-schaffst-das' an", erinnert sich die Klassenlehrerin lachend. Das noch nasse Federbällchen bleibt für 24 Stunden im vereinseigenen "Schau-Brüter", bevor es vorsichtig in die benachbarte Kinderstube gesetzt wird.

Auch dort werden die Küken von einer Wärmelampe bestrahlt. Und was fressen die schwarzen, grauen, braunen und natürlich gelben Knirpse? "Klein gemachte Körner", weiß Michelle – also das sogenannte Kükenmehl. "Eicheln und Würmer", ergänzt Ayla. Aha? "Na, wenn sie größer sind", sagt Leon. Als Enkel des Hühnerzüchters ist er natürlich der Fachmann.

Klaus Herring hat Interesse daran, auch Nachwuchs für den eigenen Verein heranzuzüchten. "Im Sommer dürfen die Kinder das halbwüchsige Geflügel bei den jeweiligen Züchtern besuchen", berichtet der pensionierte Steinmetz. "Mal sehen, ob sie ,ihre' Küken dann noch wiedererkennen." Und im September geht's – mit den Eltern im Schlepptau – zur großen Geflügel-Kreisschau.

Sara hat ihren Favoriten schon ausgemacht. "Das kleine Gelbe da", sagt die Achtjährige und deutet auf ihr Lieblings-Küken, das sich gerade ein Schlückchen Wasser gönnt. Vergeht den Kindern da nicht der Appetit aufs Frühstücksei? "Nein", winkt Cornelius ab. "Die Eier, die wir essen, sind ja nicht befruchtet." Aus dem Internet habe er sich dazu etwas ausgedruckt.

Keine Frage: Das Ei und sein Innenleben füllen diese Woche den Stundenplan. Vorwiegend natürlich in Sachkunde oder im Deutschunterricht, wo die Geschichte vom "Huhn Mathilde" erarbeitet wurde. Aber auch in Englisch gibt's eine Story vom "Big red egg". Im Kunstunterricht wurde eine Osterhenne mit Eiern gebastelt, und in Mathe wird allmorgendlich die aktuelle Population überprüft: "Also, wenn von 43 Eiern noch 17 da liegen, wie viele Küken haben wir da schon?" fragt Zundler. – "26!", ruft Hendrik.

Kein Appetit mehr auf Nuggets

Lieber nicht nachzählen, denn ein bisschen Schwund ist immer. Deshalb machen Klaus Herring und Hausmeister Gerd Meyer tägliche Kontrollgänge, bevor die Kinder mit den Auswirkungen der Hackordnung konfrontiert würden. Auch Ernst Schlaich sieht zwischendurch mal nach dem Rechten. "Wird das da nicht gerade etwas zu sehr gepickt?" deutet der Schulleiter besorgt auf ein schwarzes Zwerghuhn, das gerade von zwei größeren Küken in die Mangel genommen wird. "Ach, das müssen die abkönnen", winkt der Züchter ab. Ob die Zweitklässler nach dieser Projektwoche allerdings noch Appetit auf Chicken McNuggets haben, bleibt abzuwarten.

Quelle: RP
 
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