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Hilden
Schafe und Ziegen pflegen die Heide

Hilden: Schafe und Ziegen pflegen die Heide
Nadine Pfeiffer zieht mit 300 Moorschnucken über die Bergische Heideterrasse zwischen Hilden und Langenfeld. FOTO: mei
Hilden. Nadine Pfeiffer hütet etwa 300 Moorschnucken und Ziegen, die zurzeit in der Bergischen Heideterrasse grasen. Von Stephan Meisel

Heidekraut und Ginster scheinen ihnen zu schmecken - das saftige Gras erst recht. Etwa 300 Moorschnucken und Ziegen fressen sich zurzeit durch die Bergische Heideterrasse auf Langenfelder, Hildener und Solinger Gebiet. "Wir sind hier seit Mitte September unterwegs", sagt Schäferin Nadine Pfeiffer. Mit den drei Hunden Max, Brave und Motte hat die 38-Jährige ein Auge auf die Herde, die reichlich Küttel hinterlässt und Gutes für die Umwelt tut. In der von den Biologischen Stationen Haus Bürgel (Monheim) und Mittlere Wupper (Solingen) betreuten Heidelandschaft halten die vielen Schafe und wenige Ziegen die Vegetation kurz, so dass heidetypische Pflanzenarten dort Licht und Platz zum Wachsen haben.

"Die Tiere weiden auch an Heidekraut und Ginster und verjüngen die Pflanzenbestände dadurch", sagt Moritz Schulze, der in Haus Bürgel für die Schafbeweidung zuständig ist. Die Bergische Heide sei ein besonders bedeutsamer Lebensraum etwa für Zauneidechse, Heidenelke, Moorlilie, Heuschrecken und Schmetterlinge. Entstanden war diese Landschaft, nachdem vor etwa 300 Jahren dichte Laubwälder abgeholzt worden waren. Schäfer trieben danach ihre Herden zum Weiden auf die mageren Flächen, deren nährstoffarme Böden sich nicht als Ackerland eigneten. Auf sumpfigem Gelände wuchsen Birken und Erlen, bildeten so genannten Bruchwälder. Im Zuge der Waldwirtschaft wurden später viele heimische Heideflächen entwässert und aufgeforstet. Auch durch den Bau von Häusern und Straßen schrumpfte die Bergische Heideterrasse auf vier Naturschutzgebiete.

In dem Gemeinschaftsprojekt der beiden Biologischen Stationen wurden und werden Further Moor, Krüdersheide und Götsche, Ohligser Heide sowie Hilden-Spörklenbruch ökologisch aufgewertet und miteinander verknüpft. Nach Schulzes Angaben werden diese Gebiete "seit 2002 wieder kontinuierlich durch traditionelle Hüteschafhaltung gepflegt, wie sie bis ins 20. Jahrhundert hinein üblich war".

Zweimal im Jahr kommt Nadine Pfeiffer dorthin mit der Herde, die Franz Eikermann (Heinsberg) gehört. "Bei der ersten Beweidung im Frühsommer waren unsere Moorschnucken und Ziegen hier länger zugange als jetzt", erzählt die 38-Jährige. Wegen der zuletzt trockenen Periode sei der Bewuchs spärlicher gewesen, so dass die zum Abgrasen vorgesehenen Stellen schneller abgehakt waren. "Ich muss ja nicht nur die Biologische Station glücklich machen, sondern auch meine Tiere satt bekommen."

Als Quereinsteigerin sei sie zu ihrem Job gekommen, berichtet Pfeiffer. "Ich hatte früher eine Ziege und habe schon immer Tiere gemocht. Als eine Schafherde von Franz Eikermann direkt bei uns vorbeizog, war ich ganz hin und weg." Sie nahm Kontakt zu dem Schäfer in vierter Generation auf, heuerte bei ihm an und ist nun zwischen dem Bergischen Land und der niederländischen Grenze mit Eikermanns Herde unterwegs. "Ich arbeite gerne mit Tieren zusammen und komme draußen auch oft mit Spaziergängern ins Gespräch."

Aus der Ruhe kann Nadine Pfeiffer offensichtlich nur wenig bringen. Ärgerlich seien freilaufende Hunde mit uneinsichtigen Besitzern sowie Müll in der Landschaft, vor allem Glasscherben, erzählt sie. Und wie geht der Arbeitstag zu Ende? Vor Einbruch der Dunkelheit stelle sie täglich einen mobilen Elektrozaun auf, der an einer Batterie hängt, so dass die Tiere in der Nacht beisammen bleiben. Sie selbst schlafe zurzeit auf Eikermanns Hof in Leichlingen.

Doch der Abschied naht. Heute noch grasen die Moorschnucken und Ziegen in Langenfeld. Dann geht es weiter in Richtung Pulheim.

Quelle: RP
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