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Analyse
Schlechte Stimmung im Rathaus

Hilden. In der Stadtverwaltung sind etliche der 950 Mitarbeiter überarbeitet, krank und offenbar auch frustriert, stellt das Prüfungsamt fest. Von Christoph Schmidt

Viele der 950 Mitarbeiter der Stadtverwaltung Hilden sind mit ihrem Arbeitgeber unzufrieden. So steht es in einem Bericht, den jetzt das Beratungs- und Prüfungsamt der Stadt vorgelegt hat. Es untersteht nicht der Verwaltungschefin Bürgermeisterin Birgit Alkenings, sondern dem Stadtrat. Die Diagnose stimmt, bestätigt Personalratsvorsitzende Claudia Rehag: "Das Betriebsklima hat sicher gelitten." Die Arbeitsbelastung steige. Stellen würden nicht sofort besetzt. Es gebe viele Langzeitkranke. Das Sozialamt musste deshalb bereits seine Öffnungszeiten einschränken.

Das Prüfungsamt empfiehlt eine Mitarbeiter-Befragung. Das lehnt die Verwaltungsspitze ab. "Es entsteht der Eindruck, dass die Verwaltung die Probleme nicht sehen will", kommentiert daraufhin das Prüfungsamt. Wer hat recht? "Wir sind nicht beratungsresistent, aber folgen nicht unbedingt jeder Empfehlung", stellt Personaldezernent Norbert Danscheidt im Rechnungsprüfungsausschuss klar: "Wir wollen jetzt keine Mitarbeiterbefragung machen." Das sei auch nicht politisch beschließbar, "sondern allein Entscheidung der Verwaltung". Bevor man die Mitarbeiter befrage, müsse klar sein, wie man mit den Ergebnissen umgeht. Das Schlimmste wäre, wenn die Ergebnisse hinterher in der Schublade verschwinden würden, meint er. Das würde den Frust nur zusätzlich fördern. Da hat er sicher recht. Das sieht übrigens auch die Personalratsvorsitzende so. Es gibt eine Arbeitsgruppe Personalmanagement, die die Mitarbeiterbefragung nun gründlich vorbereiten soll.

Unzufrieden sind viele Mitarbeiter offenbar auch mit der Stellenbesetzung. Die einen wollen sich nicht bewerben, weil alles schon entschieden scheint. Andere beschweren sich, dass Stellvertreter keinen "automatischen Bonus" haben.

Bürgermeisterin Birgit Alkenings möchte dabei bleiben, Stellen zunächst intern ausschreiben - "weil wir unsere eigenen Mitarbeiter fördern wollen". Das Auswahlverfahren sei abgestuft, transparent und "gerecht" - was das Prüfungsamt in Zweifel zieht. In diesem Punkt ist die Personalratsvorsitzende Claudia Rehag aber überraschenderweise an der Seite der Verwaltungschefin: "Das läuft richtig und gut. Die Kritik daran ist nicht berechtigt. Ich kann nur davor warnen, das zu ändern. Der Personalrat ist dafür, jede Stelle auszuschreiben." Die Unzufriedenheit der Mitarbeiter liege nicht am Verfahren, sondern an der Transparenz: Wer hat welche Stelle warum bekommen und wer warum nicht? Rehag: "Ich denke darüber nach, wie wir solche Fragen beantworten können, ohne andere Mitbewerber bloßzustellen."

Quelle: RP
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