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Hilden
Schüler sind die besseren Lehrer

Hilden: Schüler sind die besseren Lehrer
Moritz (l.) und Lea erklären Leonie und Maya (r.) die Funktion der Schallwellen beim Gehör. Sobald Maya die Leitung des Dosentelefons berührt, wird die Übertragung der Schwingungen unterbrochen. FOTO: Staschik
Hilden. Junge Forscher des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums haben für Grundschüler spannende Experimente entwickelt. Von Christoph Schmidt

Die Mädchen und Jungen der "Mausklasse" (4b) der Wilhelm-Busch-Schule haben gestern einen besonders spannenden Vormittag erlebt. Zehn Forscherteams des evangelischen Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums hatten sich für die Grundschüler Experimente ausgedacht. Dabei ging es um die sechs Sinne, mit denen wir die Welt wahrnehmen.

Hören zum Beispiel. Moritz Timmer (14) und Lea Wilms (13) sprechen in ein selbst gebautes Dosen-Telefon. Luftschwingungen, die beim Sprechen entstehen, werden auf den Dosenboden und die straff gespannte Schnur übertragen. Maya (9) und Leonie (10) horchen mit einem Plastikbecher am Ohr abwechselnd an der Schnur des Dosentelefons. "Hört ihr was?", fragt Moritz. Maya nickt. "Das sind Schallwellen", erklärt Lea. "Ich kann die Schallwellen hören", ruft Leonie. Moritz nickt und erklärt: "Der Becher funktioniert wie ein Verstärker." Danach haben die beiden Achtklässler noch einen Hörtest vorbereitet. Moritz setzt Maya einen Kopfhörer auf und spielt ihr einen Soundtrack vom Mobiltelefon vor. Wenn Maya etwas hört, hebt sie den Daumen, wenn nicht, senkt sie ihm. "Du hörst auf jeden Fall sehr gut", sagt Lea nach der Auswertung. Maya freut sich. "Dein Opa würde das mit 80 nicht mehr hören", erklärt Moritz. Und wie fanden die beiden Viertklässler das Experiment? Leonie hat es gut gefallen: "Das war schön. Ich wusste gar nicht, dass das Ohr auch für das Gleichgewicht sorgt." "Moritz und Lea können viel besser erklären als Erwachsene", sagt Maya: "Weil sie andere Worte benutzen."

Ein schönes Kompliment für die beiden jungen Forscher. Acht Stunden lang haben sie an ihren Experimenten und der Präsentation getüftelt. "Dass man Schallwellen auch abhören kann, haben wir zufällig herausgefunden", erzählt Moritz. Beide haben schon an dem Wettbewerb "Jugend forscht" teilgenommen. Lea liegt Physik nicht, aber Chemie und Biologie findet sie interessant: "Ich glaube, da bin ich auch ganz gut", meint die 13-Jährige selbstbewusst. Zu Hause hat sie ein eigenes Beet - mit Blumen und einem von der Oma geerbten Apfelbaum: "Ich baue jetzt auch Tomaten an." Auch für Lehrerin Stephanie Mulock (Deutsch/Biologie) ist die von der Rütgers Stiftung unterstützte Aktion "Schüler werden Lehrer" ein Experiment. Die 22 Bonni-Schüler haben das Wahlpflichtfach "Jugend forscht - Evolution" gewählt. Zwei Schulstunden in der Woche können sie selbstständig naturwissenschaftliche Phänomene erforschen. "Durch die Präsentation vor den Grundschülern bekommen die Schüler viel positive Rückmeldung", hat die 31-jährige Pädagogin beobachtet: "Das motiviert sehr." Ihr Ziel: Den natürlichen Entdeckergeist der Jugendlichen fördern. Ihr Wunsch: "In der Oberstufe sollen sich möglichst viele Schüler für naturwissenschaftliche Fächer entscheiden." Auch Beate Mönikes-Sieg, Klassenlehrerin der 4b, schaut den Experimenten fasziniert zu: "In der Grundschule haben wir leider keine Zeit für so viele praktische Experimente." Alle Hildener Grundschulen bis auf eine hatten sich für die Aktion "Schüler werden Lehrer" beworben. "Und ausgerechnet wir sind ausgewählt worden", strahlt Beate Mönikes-Sieg: "Was für ein großes Glück."

Quelle: RP
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