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Hilden
Schülerinnen packen bei der Tafel an

Hilden: Schülerinnen packen bei der Tafel an
An drei Terminen helfen rund 20 Neuntklässlerinnen der Theresienschule bei der Warenausgabe bei der Hildener Tafel. Aylin H, Olivia, AylinT (von links) hatten gestern Schulhefte und Bücher gegen Schürze und Bedienhandschuhe getauscht. FOTO: Olaf Staschik
Hilden. Neuntklässlerinnen der Erzbischöflichen Theresienschule unterstützen die Hildener Tafel bei der Warenausgabe. Von Alexander Riedel

Ein bisschen aufgeregt sei sie am Morgen schon gewesen, gestand Olivia Dabrowski. Das habe sich jedoch kurz nach Arbeitsbeginn im ungewohnten Umfeld rasch gelegt. Die 14-Jährige besucht die neunte Klasse der Erzbischöflichen Theresienschule. Gestern Vormittag tauschte sie Schreibheft und Mathebuch gegen Schürze und Bedienhandschuhe. Gemeinsam mit vier Mitschülerinnen ihrer Jahrgangsstufe half sie den Mitarbeitern der Hildener Tafel in den Räumen an der Kirchhofstraße 18 bei der Essensausgabe.

Vor Kisten mit Fenchelknollen, Möhren, Blumenkohl und Kohlrabi empfing sie Dutzende Gäste, darunter alleinerziehende Mütter und Väter mit geringen Einkünften, Rentner, Langzeitarbeitslose und Flüchtlinge. "Mir war es wichtig, so etwas für Bedürftige zu machen", bekräftigt Dabrowski. Für die Hilfs-Aktion, an der seit mehreren Jahren stets Neuntklässlerinnen der Mädchen-Realschule teilnehmen, hatte sie sich freiwillig gemeldet. Weil das Interesse in der Jahrgangsstufe sehr groß war und aus organisatorischen Gründen nur maximal 20 Schülerinnen verteilt auf drei verschiedene Termine die Tafel besuchen konnten, musste das Los entscheiden, wer den ehrenamtlichen Helfern der Einrichtung unter die Arme greifen sollte.

"Die Kunden zeigen mir ihren Ausweis, und wenn wir dann wissen, wie viele Kinder und Erwachsene zur Familie gehören, geben wir ihnen danach die Waren aus", erklärt Schülerin Aylin Haut (ebenfalls 14) das System. Denn um die Verteilung der Lebensmittel gerecht zu gestalten, könne nicht jeder unbegrenzt Waren bekommen.

"Einem einzelnen Erwachsenen kann ich zum Beispiel zwei Bananen geben", sagt Haut, "pro Kind kommt, wenn gewünscht, noch jeweils eine dazu." Die allermeisten Kunden reagierten mit großer Dankbarkeit auf das Angebot, schildert die Schülerin. Nur manchmal komme es vor, dass jemand mehr haben wolle, als ihm eigentlich zustehe. Berührungsängste habe sie vorher keine gehabt, betont Aylin Haut. "Ich habe auch schon mal in einer Krebsklinik geholfen", erzählte sie. Im Vorfeld der Arbeit bei der Tafel sei auch im Unterricht über Armut gesprochen worden. Zudem hatte das Schulfest der Theresienschule im September unter dem Motto "Fair feels good - gleiche Chancen für alle" gestanden.

Die seit mehreren Jahren bestehende Zusammenarbeit der Schule mit der Tafel umfasst noch weitere Projekte: Im Rahmen der Aktion "Gemeinsam Teller füllen" boten Schülerinnen in den Vorräumen von drei Rewe-Filialen Tüten mit haltbaren Lebensmitteln zu einem Preis von fünf Euro zum Kauf an. Die wurden anschließend in einer Aktionsbox gesammelt und schließlich bei der Tafel verteilt. Die größte gemeinsame Aktion des Jahres steht noch aus. Im Dezember nehmen die Schülerinnen der neunten Klasse in der Schule gespendete Weihnachtspäckchen mit haltbaren Lebensmitteln - von Kakao über Marmelade bis zu Fertigsuppen - an und überreichen sie später den Kunden der Tafel. Und davon gibt es viele: Mehr als 800 Menschen, die sich auf rund 400 Haushalte verteilen, nehmen inzwischen wegen persönlicher Notlagen das Angebot der Einrichtung in Trägerschaft des Sozialdienstes katholischer Frauen und Männer (SKFM) wahr.

Quelle: RP
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