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Postskriptum Die Woche In Unserer Stadt
Schule hat begonnen - ein großes Glück

Hilden. Eingewanderte Hildener sind oft sehr ehrgeizig. Ihre Kinder auch. Das erinnert daran, wie undankbar es ist, über Schulzwang zu stöhnen. Von Gökçen Stenzel

Angst vor schlechten Noten, unfreundlichen Lehrern, davor, zum Außenseiter zu werden oder die Ziele nicht zu erreichen, die andere, meistens die Eltern, für einen selbst definiert haben: Das ist Schulstress. Der hat in dieser Woche für 415 i-Dötzchen in Hilden begonnen. Zumindest werden sie in einigen Jahren so oder ähnlich über ihre Schulzeit sprechen, auch wenn sie es in dieser Woche noch ganz anders sehen und sich auf die Schule freuen. Natürlich werden sie, wie so viele Generationen vor ihnen auch, mit Recht stöhnen: Schule ist kein Spaß.

Sie kann aber Spaß machen.

Für viele Kinder gerade aus Einwanderer- oder Flüchtlingsfamilien in Hilden bedeutet die Möglichkeit, zur Schule gehen zu können, ein großes Glück. Ein Arzt aus Syrien, der mit seinen beiden kleinen Söhnen jetzt hier lebt, sagte auf die Frage, warum sie ausgewandert sind: "Wir wollten unser Leben zurück haben. Wir wollen lernen, arbeiten und studieren, so wie unsere Familie es seit Menschengedenken getan hat. Das wollten wir uns nicht nehmen lassen, und in unserer Heimat wäre es uns genommen worden." Leben ist nicht synonym mit dem nackten Überleben.

Zugegeben, nicht alle sind strebsam. Das ist überall so. Doch diejenigen, die fleißig sind und lernen wollen, haben das Problem, dass es dem Asylrecht völlig gleichgültig ist, ob sich jemand um Sprache und Bildung bemüht oder ob er faul herumhängt. Das empfinden nicht wenige als ungerecht. Für die Kinder aus der Albert-Schweitzer-Schule, die die Stadt in die Astrid-Lingren- und die Wilhelm-Busch-Schule geschickt hat, wird es doppelt hart. Sobald für die Familien anderswo wieder Platz ist, müssen sie dorthin, wo die Bezirksregierung sie hinweist.

Das gilt natürlich auch für die Jugendlichen, die seit gestern auf Abruf in der Internationalen Klasse des Bonhoeffer-Gymnasiums sitzen - und die vom großen Glück sprechen, zur Schule gehen zu dürfen.

Quelle: RP
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