| 00.00 Uhr

Hilden
Selbstbewusste Kinder können "Nein" sagen

Hilden: Selbstbewusste Kinder können "Nein" sagen
Susanne Hentschel leitet die Präventionsstelle gegen Gewalt an Kindern. FOTO: Stadt Hilden/Klaus Helmer
Hilden. Seit 25 Jahren gibt es in Hilden die Präventionsstelle. Es ist die einzige kommunale Einrichtung im Kreis Mettmann.

Die einzige kommunale Präventionsstelle im Kreis Mettmann wird 25 Jahre: Bereits seit 1990 kämpft die Beratungsstelle der Stadt Hilden für den Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexuellen Übergriffen.

"Unser Ziel ist es, dass sich Mädchen und Jungen zu selbstbewussten Frauen und Männern entwickeln können", erklärt Susanne Hentschel. Die Diplom Sozialpädagogin arbeitet schon fast 20 Jahre in der Präventionsarbeit und weiß: "Die Missbrauchsfälle werden nicht weniger und mit den Medien kommen neue Formen der Gewalt hinzu."

Deutschlandweit gab es 2013 laut Bundeskriminalamt etwa 15 000 Fälle sexueller Gewalt gegen Kinder unter 14 Jahren, fast 40 sind es täglich. Auch in Hilden waren Missbrauchsfälle ausschlaggebend für die Einrichtung der Präventionsstelle. "In dieser Entscheidung waren sich Politik und Verwaltung völlig einig, obwohl Vergewaltigungen - gerade auch innerhalb der Familie - damals für viele noch ein Tabuthema waren", erinnert sich Hentschel. Erst die Frauenbewegung habe das Thema aus der "Tabuzone" herausgeholt und öffentlich gemacht.

Susanne Hentschel spricht aus Erfahrung. Als sie 1986 in der Jugendberatung der Stadt Hilden anfing, waren Aids und Sexualaufklärung die großen Themen. Seither hat sich einiges getan: "Früher war Prävention immer gleichbedeutend mit Erwachsenenarbeit", berichtet Hentschel. "Wir bieten selbstverständlich weiterhin Kurse für Eltern, Lehrerinnen, Erzieher und Trainerinnen an. Aber eben nicht nur." Die Präventionsstelle in Hilden wendet sich mit ihrem Angebot gezielt direkt an Kinder und Jugendliche. Hentschel betont: "Junge Menschen müssen Strategien lernen, um sich selbst schützen zu können." "Heute klären schon viele Eltern ihre Kinder dahingehend auf. Nicht wenige stoßen aber an ihre Grenzen - gerade wenn es um Cybermobbing und sexuelle Gewalt im Internet geht", weiß die Sozialpädagogin.

Aber auch im alltäglichen Miteinander sind die Grenzen nicht immer eindeutig: Manche Kinder können ohne das Kuscheln vor dem zu Bett gehen nicht einschlafen und andere würden lieber darauf verzichten. Dem einen macht der feuchte Kuss der Tante nichts aus, dem anderen ist er ein Graus. "Das wichtigste ist, dass Kinder lernen Nein zu sagen, wenn ihnen etwas nicht gefällt", findet Hentschel.

Bei einer Übung, die Susanne Hentschel regelmäßig in Kindergärten und Grundschulen durchführt, werden die Umrisse der Kinder auf Packpapier gezeichnet. Anhand dieser Skizzen zeigen sie dann, an welchen Körperstellen sie nicht berührt werden wollen. "Was ihnen gut tut und was nicht, wissen die meisten ganz genau", erklärt die Sozialpädagogin.

In zahlreichen Projekten und Gesprächen informiert die Hildener Präventionsstelle regelmäßig über Gefahren und Sicherheitsvorkehrungen. Anlässlich des Jubiläums hat Susanne Hentschel außerdem besondere Aktionen geplant, um verstärkt für das Thema sexueller Missbrauch zu sensibilisieren. Unter anderem entwickelt die Theaterpädagogische Werkstatt aus Osnabrück zusammen mit den Schülern der Adolf-Reichwein-Grundschule eine Szenencollage. Die öffentliche Präsentation unter dem Motto "Mein Körper gehört mir!" ist am 11. Mai.

"Je aufgeklärter Kinder und Eltern sind, desto besser können sie sich selbst schützen", resümiert Hentschel. Das findet auch Bürgermeisterin Birgit Alkenings: "Gewalt und sexuelle Gewalt sind niemals privat. Da sexueller Missbrauch überwiegend im Nahfeld der Kinder und Jugendlichen stattfindet, ist es notwendig, Präventionsarbeit zu leisten und zu fördern."

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Hilden: Selbstbewusste Kinder können "Nein" sagen


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.