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Hilden
Senioren zeigen Sparkasse rote Karte

Hilden: Senioren zeigen Sparkasse rote Karte
110 Bewohner von Haus Horst halten ihre roten Sparkassen-Bücher hoch. Sie sind verärgert. FOTO: Olaf Staschik
Hilden. Die Sparkasse HRV will die Niederlassung im Wohnstift Haus Horst zum 1. Juli schließen. Viele Bewohner sind sauer. Von Christoph Schmidt

Ein Leben lang - gut 60 Jahre - ist Rolf ter Meer Sparkassen-Kunde. Und jetzt das: Die Sparkasse Hilden-Ratingen-Velbert will Kosten sparen und deshalb den Standort Haus Horst zum 1. Juli schließen. Davon betroffen sind 200 der rund 365 Bewohner des Seniorenstifts (44 weitere sind auf der Pflegestation). "Die Sparkasse sollte mal überlegen, was sie uns damit antut", sagt ter Meer (78): "Und was sie dadurch wirklich spart."

Hilde Martens, stellvertretende Vorsitzende des Wohnstiftbeirats, findet da ganz andere Worte: "Die Schließung der Filiale in unserem Haus halten wir für rücksichtslos und unmoralisch. Vor allem gegenüber unseren in der Mobilität eingeschränkten Bewohnern." Martens hat genau recherchiert. 110 Bewohner von Haus Horst sind auf einen Rollator angewiesen, 31 auf einen Rollstuhl. Seit 30 Jahren ist die Sparkasse im Haus ansässig. Weder die Hausleitung noch der Beirat seien vorab über die Schließung informiert worden: "Einige Kunden sind angeschrieben worden, andere haben es aus der Zeitung erfahren."

Onlinebanking sei für alte Leute keine Alternative, sagt Martens: "Denken Sie nur mal an die IBAN." Die Kunden in Haus Horst könnten sich Geld von einem Dienstleister nach Hause liefern lassen, hat die Sparkasse vorgeschlagen. Martens: "Bargeldlieferungen für 12 Euro pro Transport - das finden wir dreist!"

Das Wohnstift tief im Westen der Stadt an der Horster Allee bietet einen Shuttle-Service in die Hildener Innenstadt an. 1,50 Euro kostet die einfache Fahrt pro Person. Der Bus hält auf der Mühlenstraße an der "Goldquelle". Für gebrechliche Senioren mit Rollator sei der Weg von dort zur Sparkassen-Hauptstelle zu weit, meint Beiratsmitglied Dietrich Pilz. Gerd Schäfer (73) hat extra seine Bank gewechselt, als er in Haus Horst einzog - weil die Sparkasse dort eine Filiale hat: "Alte Leute wie wir brauchen persönliche Betreuung. Die Bank hat doch eine Verantwortung gegenüber den Menschen. Das steht doch so in den Statuten."

Die Sparkasse habe mit der Filiale im Haus viele Kunden gewonnen, bestätigt Wohnstiftsleiterin Ute Franke-Hesse: "Und jetzt soll die Filiale geschlossen werden. Viele sind verärgert und fühlen sich hintergangen." "Diesmal gab es keine Bereitschaft der Sparkasse, eine Lösung zu suchen", berichtet Karl-Heinz Mittendorf, Geschäftsführer von Haus Horst. "Wir haben Vorschläge gemacht, beispielsweise Automaten aufzustellen. Im Seniorenstift Mettmann kommt einmal in der Woche ein Sparkassenmitarbeiter vorbei und zahlt Geld an die Kunden unter den Bewohnern aus."

Die Sparkasse Hilden-Ratingen-Velbert hatte Mitte März die Schließung von fünf Standorten, darunter auch Haus Horst, öffentlich bekannt gegeben. "Wir nehmen die Belange unser Kunden in Haus Horst sehr ernst", sagt Sparkassen-Sprecher Thomas Besting. Das kommunale Kreditinstitut hat seine Kunden in Haus Horst für den kommenden Montag (18. April) um 15 Uhr zu einem Informationsnachmittag in Haus Horst eingeladen - um Rede und Antwort zu stehen "bei einer guten Tasse Kaffee und einem Stück Kuchen".

Ein gemütliches Kaffeetrinken wird das aber sicher nicht. Hilde Martens vom Wohnstiftbeirat berichtet, dass 256 Bewohner des Hauses da sein werden: "Wir wollen einen Protest gegen die Filialschließung organisieren."

Quelle: RP
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