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Hilden
Sie macht Schmuck aus Fundstücken

Hilden: Sie macht Schmuck aus Fundstücken
Anja Hannig wusste schon während ihrer Schulzeit, dass sie Goldschmiedin werden wollte. Die 52-Jährige arbeiten seit zehn Jahren im eigenen Atelier. FOTO: ola
Hilden. Schon im Elternhaus begegnete Anja Hannig der Kunst quasi im Wohnzimmer: Der Vater ist Grafiker, die Mutter Keramikerin. Kein Wunder, dass die Diplom-Designerin und Kunstschmiedin heute mit ihrem Atelier an der Südstraße ganz ähnliche Lebensvorstellungen realisiert. Von Uli Schmidt

Dort, wo einst die "Hildanus Stuben" zum Bier einluden, fertigt sie heute ihre Schmuck-Unikate. Und dort, wo die Familie normalerweise wohnt, weichen der große Esstisch und die Sofaecke bei Ausstellungen den künstlerischen Exponaten. Vor zehn Jahren eröffnete Hannig ihr Atelier. Ehemann Norbert betreibt eine Schreinerei im Gewerbepark Süd und leitete die umfangreichen Renovierungsarbeiten.

"Schon in der zehnten Klasse wusste ich, dass ich Goldschmiedin lernen wollte", erzählt die Frau, die in Brüggen am Niederrhein groß wurde. Die Familie lebte in Grenznähe, sie machte Abitur, dann ihren Gesellenbrief in Holland, und später in Düsseldorf ihren Abschluss an der Fachhochschule für Produktdesign und Grafik. Heute ist es der 52-Jährigen wichtig, als Künstlerin wahrgenommen zu werden: "Ich möchte kleine Skulpturen fertigen, die ergänzt durch die Trägerin ihre Wirkung entfalten." Es wäre ihr langweilig, ein Schmuckstück zweimal zu machen. Im Sommer war Hannig mit der Familie in Portugal und sammelte Kieselsteine am Strand. "Gefasst wie gefunden" heißt die neue Kollektion. Von der Natur schön gezeichnete Steine, gefasst in 935er Silber wirken je nach Größe und Farbe sportlich oder elegant. Auf alle Fälle bleiben sie auch an die Kette gelegt ein Handschmeichler.

Vom edlen Brillanten bis zum Fliesensplitter verarbeitet die Designerin Steine aller Art zu Ringen, Armbändern, Ketten und Broschen. Auch in edlem Gold. "Ich versuche damit Geschichten ohne Worte zu erzählen." Assoziationen zu Märchen oder alten Kulturen sind durchaus erlaubt. Schmuck, so weiß sie, findet heutzutage immer noch Platz, während großformatige Bilder oder Skulpturen oft mit dem Satz "Es gefällt uns, aber wir wissen nicht, wo wir es hinstellen sollen" kommentiert würden. Dabei hat Anja Hannig auch in diesen künstlerischen Bereichen einiges zu bieten: Ihre dreiteilige Kollage "Ahnentafel" zeigt die intensive Auseinandersetzung mit Vergangenem in Briefen und Fotos. Außergewöhnliche Skulpturen wie "Druck", in der mittels einer Schraubzwinge aus vier Lexikon-Bänden die Buchstaben herausgepresst zu werden scheinen, beweisen Kreativität. Aber auch mit großformatigen Porträts aus Papier, das sie einfärbt, aufklebt, übermalt und zerreißt, kann Hannig überzeugen. Schon zum achten Mal nahm sie jüngst am "Kultursonntag" teil. Im nächsten Jahr werden ihre Goldschmiede-Arbeiten, Skulpturen und Collagen in einer eigenen Ausstellung in der Städtischen Galerie im Bürgerhaus zu sehen sein.

Quelle: RP
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