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Pastoralreferentin Monika Effertz
"So finden Menschen schnell Anschluss"

Pastoralreferentin Monika Effertz: "So finden Menschen schnell Anschluss"
Monika Effertz arbeitet als Pastoralreferentin im katholischen Seelsorgebereich Hilden-Haan. FOTO: Olaf Staschik
Hilden. Die Pastoralreferentin hat zwei Jahre in Silicon Valley (USA) gelebt. Es gilt als Labor für unsere Welt von morgen.

Was verschlägt eine Pastoralreferentin für zwei Jahre ins Silicon Valley?

Effertz Der Beruf meines Ehemannes. Er ist Biologe, hat in Göttingen promoviert und ging im Jahr 2011 nach Kalifornien, um an der Stanford Universität, südlich von San Francisco und in direkter Nähe des Silicon Valley, zu forschen. Als klar wurde, dass diese Tätigkeit länger dauert als ursprünglich erwartet, beschlossen wir, dass ich zu ihm ziehe.

Dazu mussten Sie ihre eigene Berufsperspektive klären.

Effertz Ja. Damals war ich noch in Hürth tätig. Natürlich habe ich mir Gedanken gemacht, was aus meiner Stelle beim Erzbistum wird. Mir liegt viel an meiner Arbeit. Die Personalabteilung ist mir aber sehr freundlich entgegen gekommen. So wurde mir zugesagt, dass ich wieder eingestellt würde, wenn ich binnen zwei Jahren zurückkehre. Inzwischen arbeite ich seit September in Hilden und Haan, und auch mein Ehemann ist mit etwas Verzögerung aus den USA heimgekehrt.

Wo genau haben Sie dort gelebt?

Effertz Das war bei Palo Alto in einem Wohnkomplex, der zum Uni-Gelände gehört. Von HP bis zu Facebook ist dort in der Nachbarschaft alles ansässig, was man als Handy-App findet.

Einerseits gilt das Silicon Valley als Zukunftslabor für die Welt, andererseits auch als Haifischbecken. Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

Effertz Darunter waren die positiven Seiten genauso wie die negativen. Zunächst einmal ist es natürlich ein Ort, an dem viele Leute zusammenkommen, die in ihrem Bereich absolut top sind. Dort ist vieles möglich, was anderswo, auch aufgrund von Bürokratie, nicht geht. Auf der anderen Seite gibt es natürlich auch junge Unternehmer, die alles versuchen und dort untergehen. Das Umfeld prägt absolut die Gesellschaftsstruktur.

Inwiefern?

Effertz Dort leben viele höchstqualifizierte Menschen mit hohen Einkommen. Die Mieten steigen ins Unermessliche. Trotz der Bildungsansprüche herrscht ein Mangel an Lehrern, weil die nicht annähernd so bezahlt werden, dass sie sich das Leben dort leisten könnten. Viele Beschäftigte reisen zum Teil mehrere Stunden zu ihrem Arbeitsplatz an. So etwas wie Elternzeit, wie wir es kennen, gibt es dort natürlich auch nicht. Auch Eltern Neugeborener arbeiten meistens beide in Vollzeit. Die mexikanische Nanny gehört zum Alltagsbild.

Was haben Sie gemacht, während Ihr Ehemann an der Universität war?

Effertz Ich hatte die Möglichkeit, mich ehrenamtlich zu betätigen. Es gibt dort, wie an vielen Universitäten, die Wissenschaftler und Studenten aus dem Ausland haben, ein International Center. Das betreut auch die Familien und Partner der Uni-Mitarbeiter - und betreibt eine Art "Willkommenscafé". Dort engagierte ich mich und übernahm, als ich nach gut einem Jahr eine Arbeitserlaubnis bekam, die Koordinatorenrolle. Dort kommen die Leute zusammen, um sich über alltägliche Dinge zu erkundigen, Kontakte zu knüpfen und sich beim Fußfassen im neuen Alltag zu unterstützen. Im Rahmen des Programms kann jeder der Teilnehmer auch selbst Kurse anbieten. Ich belegte sehr viele - einen davon bei einer Astrophysikerin, die noch keine Arbeitserlaubnis hatte. Ich selbst leitete unter anderem einen Bastel-Workshop, in dem wir Adventskränze fertigten und uns über die unterschiedlichen Kulturen und Symbole austauschten.

Am kommenden Freitag wollen Sie in der Stadtbücherei Hilden über Ihre Zeit erzählen. Worauf liegt dabei der Schwerpunkt?

Effertz Auf den Dingen, die Mut machen und von denen wir lernen können: Dieses Engagement im International Center war sehr beispielhaft dafür, wie man Menschen helfen kann, Anschluss zu finden. Aber auch der Umgang unter den unterschiedlichen Glaubensgemeinschaften war sehr spannend: Davon gibt es ja in den USA unwahrscheinlich viele. Wir besuchten dort eine Kirche auf dem Campus, in der die Dominikaner den Sonntagsgottesdienst betreuen. Zwei bis dreimal im Jahr veranstalteten dort zum Beispiel die katholische und die atheistische Hochschulgruppe gemeinsam eine Blutspendeaktion. Darüber musste man nicht lange diskutieren: Sie waren sich eben in der Sache einig.

ALEXANDER RIEDEL FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

Quelle: RP
 
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