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Hilden
Sozialzentrum: Umbau der Fabrik beginnt

Hilden. In das verfallene Gebäude Walder Straße 24 zieht ein Vorzeigeprojekt ein. Die Neueröffnung ist für Ende 2017 geplant. Von Christoph Schmidt

CDU, FDP, Allianz und AfD lehnten im Februar 2015 im Sozialausschuss mit Mehrheit einen städtischen Zuschuss von 50.000 Euro ab. Werner Eike, Leiter des Awo-Wohnverbundes mit Sitz im Fritz-von-Gehlen-Haus, hat es trotzdem geschafft. Er hat rund 2,8 Millionen Euro für den Kauf, Umbau und Ausstattung der alten Fabrik an der Walder Straße 24 in ein Zentrum für Beratung, Freizeit und Arbeit zusammenbekommen. "Die Abbruchgenehmigung für den hinteren Teil liegt vor", bestätigt Architekt Christof Gemeiner: "Die Arbeiten sind sehr umfangreich. Zum Teil müssen wir per Hand arbeiten. Rohbau und Dachstuhl sollen vor dem Wintereinbruch fertig sein. Das ist unser Ziel." Werner Eike: "Wir warten täglich auf die Baugenehmigung."

Hilden bekommt damit nicht nur ein neues soziales Vorzeige-Projekt. Auch ein Zeugnis der Industrie-Geschichte wird vor dem Verfall gerettet. Mit dem neuen Zentrum in der alten Fabrik will die Arbeiterwohlfahrt Bezirksverband Niederrhein ihre Angebote für psychisch kranke Menschen zusammenfassen und ausbauen. Die Awo betreibt in Hilden bereits das Fritz-von-Gehlen-Haus, ein Wohnheim für chronisch psychisch kranke Menschen mit 21 Plätzen. Vom Stadtrand aus werden auch 40 Klienten in ihren Wohnungen betreut. Die Ergotherapie ist derzeit noch nach Langenfeld ausgelagert. Der Fahrdienst (dreimal am Tag) für die 21 Nutzer ist aufwendig. Die alte Fabrik biete durch ihre verkehrsgünstige Lage, optimale Größe und den großen Außenbereich "perfekte Bedingungen", schwärmt Eike: "Wir wollen einen gemeinsamen Sozialraum für Menschen mit und ohne Behinderung schaffen."

Im Erdgeschoss ist ein öffentliches Café geplant. Bis zu 40 psychisch kranke Menschen sollen dort stundenweise arbeiten. Dazu sind Räume für die Ergotherapie, Büros und drei barrierefreie Wohnungen für Klienten vorgesehen. Klaus Dupke, Vorsitzender des Behindertenbeirates, hält das Inklusionsprojekt für einen Gewinn für Hilden. Die Stadtverwaltung sieht das ähnlich. Das "attraktive Modell" mache den Stellenwert und die Chancen der Inklusion deutlich.

Architekt Christof Gemeiner hat schon einiges über die Vergangenheit der alten Fabrik aus dem Jahr 1852 in Erfahrung gebracht: "Dort war früher die Walzengravur-Anstalt Waldeck & Nacke, Walder Straße untergebracht, die Walzen für das Bedrucken von Modestoffen hergestellt hat - ein hoch spezialisierter Betrieb. Die Mitarbeiter durften im Obergeschoss wohnen. So wollte man sie an den Betrieb binden."

Die Geschäfte liefen so gut, dass um 1900 nebenan eine Villa für die Inhaber errichtet wurde. Dieses Gebäude hat Gemeiner gekauft, renoviert und dort sein Büro untergebracht. Die Ziegelfassade der alten Fabrik sei in einem guten Zustand und bleibt erhalten: "Da sieht man, wie gut Klinker altern können."

Quelle: RP
 
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