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Sparkasse sagt Aussprache kurzfristig ab

Analyse: Sparkasse sagt Aussprache kurzfristig ab
Rund 250 Bewohner des Stifts Haus Horst waren gestern auf Einladung der Sparkasse Hilden-Ratingen-Velbert in den Speisesaal gekommen. Die Banker sagten kurzfristig ab. Ihre Stühle blieben leer. FOTO: Olaf Staschik
Hilden. Die Sparkasse Hilden-Ratingen-Velbert will zum 1. Juli die Filiale im Haus Horst schließen. Die Bank hat den Widerstand ihrer alten Kunden unterschätzt, will sich jetzt aber um eine "einvernehmliche Lösung" bemühen. Von Christoph Schmidt

Klaus Lettmann, Leiter der Privat- und Geschäftskundenbetreuung der Sparkasse Hilden-Ratingen-Velbert, hatte die rund 200 Kunden der Bank im Wohnstift Haus Horst für gestern zu einem Informationsnachmittag bei Kaffee und Kuchen eingeladen. Dabei wollte die Sparkasse über die Schließung der Filiale zum 1. Juli informieren. Das Kaffeetrinken fand zwar statt (rund 250 Bewohner waren gekommen), allerdings ohne die Stadtsparkasse. Grund war offenbar die starke Medienpräsenz.

Neben der Rheinischen Post (die bereits in der vergangene Woche berichtet hatte: "Senioren zeigen Sparkasse Rote Karte") war auch das WDR-Fernsehen erschienen. Man habe Verständnis für die Fragen und Sorgen der Kunden, hieß es in einer verlesenen Erklärung des Sparkassenvorstandes, nehme "aus grundsätzlichen Erwägungen" aber nicht an der Veranstaltung teil - weil es sich nicht mehr um eine Sparkassen-Veranstaltung handele, war zu hören. Man werde sich aber um eine "einvernehmliche Lösung bemühen".

Dabei solle es um "den Erhalt gewisser Grundfunktionen in zeitlich reduzierter Form" gehen. Die Sparkasse prüfe, was machbar sei. Der Vorstand verspricht, "kurzfristig ein Ergebnis zu präsentieren". Und das sind die Minimalforderungen, die Hilde Martens und Volker Götz vom Bewohnerbeirat Lettmann und Sparkassen-Vorstand Joseph Stopfer in einem Vorgespräch bereits erläutert haben: zweimal wöchentlich Hilfe bei Überweisungen, ein Bargeld-Service in Haus Horst, Konto-Auszugsdrucker, die Safes sollen in Haus Horst erhalten bleiben.

250 Bewohner von Haus Horst haben gestern über die geplante Schließung der Sparkassen-Filiale diskutiert - sehr sachlich. Die Senioren waren sichtlich bemüht, die Sparkasse nicht an den Pranger zu stellen. "Wir wollen Kunden der Sparkasse bleiben und einen Mindestservice hier im Haus erhalten", brachte einer auf den Punkt, was viele bewegt. Alle Banken haben Sparprogramme aufgelegt - auch die Sparkasse Hilden-Ratingen-Velbert. Die Sparkasse sei aber keine Bank wie andere, sagte ein Bewohner und erinnerte an die kommunale Trägerschaft.

Dass sie kein normales Kreditinstitut ist, sagt übrigens auch die Sparkasse selbst, wenn sie regelmäßig aufführt, mit wie viel Geld sie gemeinnützige Vereine und Verbände in der Region unterstützt. Im vergangenen Jahr verteilte die Sparkasse 67.400 Euro an 22 Vereine in Hilden, Ratingen und Velbert. Das Geld stammt aus Erlösen der PS-Lotterie. Die Sparkasse ist in besonderer Weise sozial engagiert. Und deshalb hat sie auch eine besondere Verpflichtung gegenüber ihren Kunden in Haus Horst.

Der Vorstand hat im Vorgespräch mit dem Bewohnerbeirat versprochen, nach einer "einver- nehmlichen" Lösung zu suchen. Das ist ein gutes Zeichen. Am Ende könnte vielleicht ein Kompromiss stehen. Der Personal-Service der Sparkasse in Haus Horst wird deutlich eingeschränkt. Damit könnte das kommunale Kreditinstitut Kosten sparen - und damit auch sein Gesicht wahren. Grundsätzlich bliebe aber ein Sparkassen-Service im Wohnstift erhalten. Damit wäre den Bewohnern geholfen.

2014 hat die Bank einen Jahresüberschuss von 4,4 Millionen Euro erzielt. Zwei Millionen davon gingen an die drei Kommunen.

Quelle: RP
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