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Hilden/Haan
Spaziergang zwischen den Konfessionen

Hilden/Haan: Spaziergang zwischen den Konfessionen
Ein Wandelgottesdienst eröffnete die Aktion in Hilden. Gemeinsam ging es von der Reformationskirche zur Apostolischen Gemeinde und weiter zur Jakobuskirche. FOTO: Staschik Olaf
Hilden/Haan. Die dritte Nacht der offenen Kirchen bot Gebet und Gesang, Theater, Kunst und eine Fülle von Informationen. Von Jörg Klemenz und Gundel Seibel

"Weil Leben wandern heißt" lautet eine Textstelle des Evangelischen Kirchenliedes "Vertraut den neuen Wegen", das die Besucher der Nacht der offenen Kirchen in Hilden zu Beginn des Wandelgottesdienstes in der Reformationskirche anstimmten. Und der Abend hielt das, was er schon so früh versprach: Menschen - unabhängig ihrer Konfession- zogen in einer Prozession gemeinsam von der Reformationskirche über die Apostolische Gemeinde hin zur St. Jacobus-Pfarrkirche. Auf dem Weg in die Hoffeldstraße äußert sich Walter Theymann, Mitglied der Evangelischen Gemeinde Hilden, vorsichtig optimistisch zur Konfessionsfrage. Es sei seiner Meinung nach wichtig im Sinne der Einigkeit beider Konfessionen demonstrativ gemeinsam auf die Straße zu gehen.

Passend zum Wortfeld des Gehens und Weges und zum eigenen Namenspatron (Jakobus der Ältere ist Schutzpatron für alle Pilger) verschrieb sich die Katholische Gemeinde St. Jacobus Pilger-Thema. An fünfin der Kirche aufgebauten Stationen konnten sich die Besucher auf vielfältige Weise dem Thema der Pilgerschaft annähern. So lüftete Annette Knelange-Marx, langjährig erfahrene Pilgerin die Methodik, einen Pilgerrucksack sinnvoll zu packen. Die für die Reise nützlichen Gegenstände lagen gut sichtbar auf einem Tisch verteilt. "Vor allem Blasenpflaster sollte man nicht vergessen", rät die begeisterte Pilgerin.

Ebenso viel Beachtung bei den kirchlichen Nachtschwärmern fanden die vertonten Erlebnisberichte einiger Pilger, die den bekannten Jakobsweg gegangen sind. Intime Erfahrungen religiös-spirituellen Charakters prägten diese Szenerie. Für viele Pilger sei diese Art des Wanderns zum einen ein Weg zu sich selbst; andererseits hätten sie den Austausch mit den anderen während des Gehens als sehr inspirierend empfunden. Und auf die Gretchenfrage hin antwortet ein Pilger: "Gott findet dich, du musst ihn gar nicht minutiös suchen."

Viele Haaner wanderten Freitag beinahe bis Mitternacht durch einen besonders milden Herbstabend, von Kaiser- bis zur Ellscheider Straße und zurück. Es gab viel zu sehen, zu hören, zu erleben, denn die drei christlichen Gemeinden hatten zur Nacht der Offenen Kirchen eingeladen. Erstmals war auch die Gemeinde St. Chrystanthus und Daria dabei. Zu jeder vollen Stunde erklärten Ehrenamtliche der Gemeinde liebevoll und detail-orientiert das alles überragende Altarbild. Eigens dafür wurde das Riegengemälde von drei 1000-Watt-Scheinwerfern angestrahlt. Michael Sauter vom Pfarrgemeinderat, der den Künstler Jürgen Suberg persönlich kennengelernt hat, erläuterte, Suberg habe nicht nur die Schöpfungsgeschichte in wunderschönen Farben gemalt, sondern auch sich selbst und seine Frau dort verewigt. Erkennen kann das nur, wer genau hinschaut. Die drei jungen Musikerinnen Svenja Kuhnt, Carolin Rassow und Inken Deichmann hatten ihre Vorträge "Gelingendes Zusammenleben" genannt. Im Kirchenvorraum wurden die Besucher mit kulinarischen Köstlichkeiten verwöhnt. In der evangelischen Kirche sangen zu Beginn des Abends sieben Kinder unter Leitung von Kantor Martin Honsberg vor vollen Kirchenbänken Lieder - mit schweren Harmonien und schweren Texten - aus dem Musical "Martin Luther" von Ingo Bredenbach. Die Haaner Gruppe "Trommelwirbel" unter der Leitung von Bruno Assenmacher. riss die Zuhörer mit orientalischer und afrikanischer Trommelmusik geradezu mit. Im Haus an der Kirche plauderten bei Wein, Wasser und Käse Fremde und Freunde miteinander. Später am Abend wurde mit "shakespearschen" Worten das Thema mit dem Text "Die Fremden" noch einmal aufgegriffen, eine Lesung mit Dirk Raabe und Team. Begleitet wurde die Lesung von Azad Shahweysi mit sphärischen Klängen an der Santur. Zwischendurch lockte die Freikirchliche Gemeinde mit dem Theaterstück "Ein geheimnisvolles Haus". Die 10 Laienschauspieler unter der Regie von Carsten Butz füllten das geheimnisvolle Haus mit Leben, indem sie von Begegnungen, vom Warten, vom Fehlverhalten und von Irrwegen der Besucher in den sehr unterschiedlichen Räumen sprachen. "Welchen Raum haben Sie sich denn ausgesucht?" wurde der Passant draußen nach dem Theaterstück von Mitbesuchern gefragt. Gar nicht so leicht zu beantworten. Aber Gedanken darüber konnte man sich schon machen. Die Begegnungen in Haan an diesem Abend waren besonders, vielfältig und belebend.

Kinder sangen in der evangelischen Kirche Haan Ausschnitte aus dem Martin-Luther-Musical. FOTO: Olaf Staschik
Quelle: RP
 
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