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Hilden
Speed Debating: Jugend gibt den Ton an

Hilden: Speed Debating: Jugend gibt den Ton an
Paul Reyher (15) und Angelina Camphausen (16, beide Mitglieder des Jugendparlaments) moderierten die Veranstaltungen und sorgten für die Einhaltung des 4 Minuten-Intervals für jede Station. FOTO: Köhlen
Hilden. Wichtige Erkenntnisse gewannen dabei nicht nur die Schüler, sondern auch die Erwachsenen. Von Daniele Funke

Speed Debating 2017, das funktioniert in etwa so: An Tischen, die im Karree aufgebaut sind, präsentieren sich Vertreter von rund 25 Hildener Parteien, Organisationen, Behörden, Verwaltungen, Initiativen. Vier Minuten lang sitzen ihnen jeweils zwei bis drei Schüler gegenüber, bestenfalls entsteht ein konstruktiver Dialog. Ist die Zeit abgelaufen, rotieren die Jugendlichen im Uhrzeigersinn zum nächsten Gesprächspartner.

Guedo Wandrey ist ein ziemlich unkonventioneller Schuldirektor. Ein Kumpeltyp, der lässig rüberkommt. Für Sean und Luca ist er der erste Gesprächspartner in ihrem ersten Speed Debating. "Kommt Jungs, Ihr könnt mich alles fragen", muntert er die etwas verhaltenen Jugendlichen auf, "ich will Euch absolut nix verkaufen und für nix gewinnen, wie vielleicht der ein oder andere hier", ergänzt der Leiter der evangelischen Gesamtschule mit verschmitztem Grinsen und kleinem Seitenhieb auf die anwesenden Parteien. Luca wird mutig. "Wofür geben Sie eigentlich das ganze Schulgeld aus?" Guedo Wandrey wirkt überrascht. "Schulgeld zahlt hier niemand. Falls du das Geld aus der Schulstiftung meinst, das investieren wir in Modernisierungen. Wir haben gerade unseren neuen Technikraum fertiggestellt, der rund 130.000 Euro kostet."

Lena und Nora nehmen am Tisch von Sönke Eichner Platz. Beide Mädchen besuchen das Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium und haben sich im Politikunterricht auf die kurzen Dialoge vorbereitet. "Sie waren alle schon ziemlich aufgeregt", erzählt Lehrerin Jessica Kattstein, die das Geschehen aus der Distanz beobachtet. "Das finde ich auch nachvollziehbar. Man sitzt schließlich nicht alle Tage der Bürgermeisterin gegenüber."

Jetzt, im Gespräch mit dem Beigeordneten, wirken die beiden Achtklässlerinnen ruhig und interessiert. "Ich leite das Dezernat für Jugend, Kultur, Schule und Sport und bin damit vor allem für Euch verantwortlich", erklärt Sönke Eichner ihnen seine Aufgabenbereiche. "Wie viele Mitarbeiter haben Sie denn?" möchte Nora wissen. "360", antwortet Eichener. Die Schülerinnen staunen, der Dezernent lacht. "Aber ich bin ja erst seit Anfang des Jahres im Amt, da kenne ich viele von ihnen natürlich noch nicht so gut". Es ertönt ein Gong, die vier Minuten sind rum, Eichner zieht nach den ersten Runden eine kleine Bilanz. "Für mich ist das hier ein hochinteressanter Termin, denn ich habe tatsächlich selten direkt mit den Jugendlichen selbst zu tun."

Zum 13. Mal organisiert das Jugendparlament das halbjährliche Speed-Debating. Paul und Angelina moderieren es, diesmal in der Aula des evangelischen Schulzentrums. Sie sind Schüler der 9. Klasse an der Fliedner-Realschule. "Ich bin politisch interessiert, möchte gerne etwas in meiner Stadt verbessern und bringe mich daher gerne ein", sagt Paul. "Die meisten anderen in meiner Klasse haben damit nichts am Hut. Aber hier kommen sie vielleicht auf den Geschmack."

Chiara und Lea erfahren von den Vertretern der SPD, dass sie sich flächendeckend das Abitur nach 9 Jahren zurückwünschen und von der AfD, dass Hilden sich Jahr für Jahr mehr verschuldet. Und Karina Nakat von der Suchtberatung Mühle klärt Anne und Ilias darüber auf, dass sehr viele Menschen ihre Hilfe suchen. Die Polizei beeindruckt mit der Information über eine extrem hohe Frauenquote und Überstunden in Millionenhöhe und der Verkehrsplaner der Rheinbahn ermuntert Jan und seinen Freund dazu, sich ruhig über unfreundliche Busfahrer zu beschweren.

Am Ende der zweistündigen Veranstaltung sind die Schüler sichtlich erschöpft, aber auch um einige Erkenntnisse reicher. Besonders das Auftreten der Politiker hat die 14- bis 16-jährigen Schüler beeindruckt. "Irgendwie wollen die alle das Gleiche", sagt Sean. "Alles soll gerecht sein und die Menschen zufrieden. Ich verstehe nur nicht, wofür man dann eigentlich so viele verschiedene Parteien braucht."

Quelle: RP
 
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