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Hilden
Spielmobil besucht Flüchtlingskinder

Hilden. Das ermöglicht der Lions Club Hilden durch eine 2000-Euro-Spende. Beim Auftakt im Hildener Westen freuten sich viele Mädchen und Jungen über das neue Angebot. Von Daniele Funke

Mariam ist hochkonzentriert. Fünf verschieden farbige Eimer stehen vor ihr, fünf vor ihrem Kontrahenten. Dann hebt Mike Dörflinger von der Jugendförderung eine Farbkarte hoch, die beiden Kinder müssen blitzschnell die Eimer in die vorgegebene Reihenfolge bringen. In wenigen Sekunden hat Mariam die Aufgabe gelöst. Sie schlägt auf den Buzzer, reißt die Arme hoch, ihre Augen strahlen. Sie wischt sich den Schweiß von der Stirn und ist bereit für die nächste Rund Farbmemory.

"Diese Spiele sind multikulturell und werden ohne Worte verstanden", erklärt Dörflinger und nimmt einen großen Schluck Wasser. Es ist heiß auf dem Bolzplatz an der Reisholzstraße. Die Sonne knallt vom Himmel, schattenspendende Bäume gibt es nicht, nur einige Sonnenschirme. Auch die rund 50 Flüchtlingskinder schwitzen. Rudiads lange Haare sind schon ganz nass, der Schweiß tropft ihr von der Stirn. Und doch dreht die Siebenjährige eine Runde nach der anderen auf der Rollrutschbahn.

"Die Kinder lieben das", sagt Spielmobil-Mitarbeiterin Sarah und hilft einem kleinen Jungen dabei, in eine der Kisten einzusteigen. "Bleib schön sitzen" erklärt die 20-Jährige dem syrischen Jungen, indem sie auf ihren Popo zeigt und dann auf den Boden der Kiste. "Die Sprachschwierigkeiten lassen sich so ganz wunderbar überwinden", sagt Sarah und gibt der Kiste einen kleinen Schubs. Der kleine Junge "fährt" jauchzend vor Freude die kleine Rutschbahn herunter. "Genau darum geht es uns", sagt Flüchtlingsbeauftragte Michaela Neisser: "Die Kinder sollen ein paar Stunden lang einmal den Alltag vergessen."

Christine Albrecht vom Spielmobilteam hat beobachtet: "Diese Kinder brauchen gar keine groß ausgedachten Spiele. Es reicht, wenn man ihnen nur ein Blatt und Farbe gibt. Da sind sie schon überglücklich." Auf der Hüpfburg springen und toben die Kinder, machen Überschläge, werfen sich lachend hin, schwingen mit den Luftbewegungen. Darunter sind auch Anton und Lukas. Sie sind die einzigen Einheimischen, obwohl die Stadt alle Kinder in Hilden zu einem gemeinsamen Nachmittag eingeladen hatte. "Meine Mama hat davon in der Zeitung gelesen und ich fand das super klasse. Es ist eine super Chance mit anderen Sprachen in Kontakt zu kommen und wir haben hier auch schon einen Freund gefunden", erzählt Anton (10). "Ich denke, bei dem schönen Wetter sind viele im Freibad und eben auf einem Kurzurlaub", sagt die städtische Flüchtlingsbeauftragte.

Mariams Mutter Nasrin Yosefi sitzt auf einer der zahlreichen Bierbänke und beobachtet mit einem Lächeln auf dem Gesicht das muntere Geschehen. Fünf Kinder zählt die afghanische Familie. Ihre Tochter Arzu spielt neben ihr mit anderen Gästen "Mensch ärgere dich nicht." "Es gibt nichts Schöneres, als die eigenen Kinder so glücklich zu sehen", erklärt sie mit Hilfe der Tochter. Ralf G. Kraemer vom Lions Club kann dem nur zustimmen. "Wir haben uns bewusst dafür entscheiden, das Geld für Spielmobileinsätze zu spenden, denn wir wollen gezielt die junge Generation erreichen. Daher werden wir jetzt auch Musikschulprojekte für Flüchtlingskinder unterstützen. Und mit der Stadt haben wir einen Kooperationspartner, der hoch professionell arbeitet und der unseren Grundgedanken wunderbar umsetzt."

Quelle: RP
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