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Reiten
Liebevolle Alleskönnerin

Reiten: Liebevolle Alleskönnerin
Rachel Chusit reitet die Westfalenstute Dreamgirl nur mit einem leichten Schnurhalfter. FOTO: RPO
Der feurige Ferrari auf vier Hufen entpuppt sich als sanftes Reh: Dreamgirl und Rachel Chusit haben mit viel Zuwendung, Geduld und Vertrauen zueinander gefunden. Heute zeigt das Duo bei der Equitana Open Air eine beeindruckende Kür. Von Bettina Salerno

"Eigentlich hat alles im Reiterurlaub begonnen", erzählt Rachel Chusit und fügt hinzu, dass sie "eigentlich gar kein eigenes Pferd" haben wollte. Die 26-Jährige Blondine reitet seit ihrem neunten Lebensjahr. Nach einigen Jahren Reiterfahrung auf Schul- und Privatpferden machte sie im Reiterurlaub im Sauerland die Bekanntschaft mit einer ganz neuen, einer anderen Reitweise: dem Rai-Reiten. Begeistert sah sie zu, wie die Pferde teils nur mit einer leichter Schnur um den Hals geritten, geführt und gelenkt wurden. Kein Gebiss, keine Trense, ohne Reithalfter. Und immer wieder viel Lob und Belohnung. "Der Funke sprang sofort über. Ich wollte unbedingt so reiten. Genau so", sagt die sympathische Hildenerin. Viele Trainingsstunden, Seminare und Workshops besuchte sie, um Erlerntes auf Pferde zu übertragen und umzusetzen. Ganze zehn Jahre trainierte sie, wann immer es ihre Zeit erlaubte.

"Ein feuriger, feuerroter Ferrari"

Abermals im Sauerland, wurde sie auf eine Stute aufmerksam gemacht. "Sie steht in der Box, ist völlig explosiv, lässt sich nicht anfassen. Sie beißt, sie tritt und ist völlig verstört. Ein feuriger, feuerroter Ferrari", beschrieb eine Reiterkollegin die Fuchsstute. "Ich ging vorsichtig zu ihr in die Box. Sie schnappte nach mir, legte die Ohren an, war in einem erbärmlichen Zustand und wollte eigentlich nichts von mir wissen. Von keinem Menschen mehr", erinnert sich Rachel. "Irgendetwas sagte mir, dieses arme Tier zu retten. Ich wusste, wenn ihr niemand hilft endet sie beim Schlachter." Kurzerhand kaufte sie die damals zehnjährige Fuchsstute mit dem Namen Dreamgirl.

"Schon am Anfang unserer Arbeit merkte ich, dass sie eigentlich alles tun will, dem Menschen aber nicht mehr vertraut. Ihr Zustand war schrecklich, äußerlich und innerlich", erzählt Rachel mit feuchten Augen. Nach einiger Zeit ließ "Dreamy", wie sie liebevoll genannt wird, immer mehr Nähe zu. Fasste wieder Vertrauen. Sah Rachel als Freund, vielleicht sogar dankbar als Retter in letzter Sekunde an. Nach fünf Jahren intensivster Arbeit, ist Dreamy ein völlig ausgeglichenes, zufriedenes Pferd. "Sie beißt nicht mehr, tritt nicht und hat riesig Spaß an unserer Arbeit. Das Rai-Reiten hat ihre Lebensgeister wieder erweckt", strahlt die Ingenieurin.

Du-und-dein-Pferd-Contest

Im Internet stieß Rachel Chusit auf die Ausschreibung zum "Du-und deinPferd"-Contest. "Da mach ich mit, das ist genau das Richtige für uns zwei", dachte sie und sendete flugs eine Mail und ein Video. Von 500 Teilnehmern kam das Duo auf Anhieb in die engere Auswahl von 33 Teams. Ihr Video lief im Internet und per Voting kletterten sie unter die besten zehn. Heute Nachmittag starten sie auf der Equitana Open Air in Neuss im Finale. "Ich bin so stolz auf unsere Arbeit, freue mich auf die Teilnahme – und irgendwie glaube ich an Schicksal", so Rachel. Dreamgirl wurde am 21. Mai 16 Jahre alt und im Mai 1994 saß Rachel zum ersten Mal auf einem Pferd. Nomen est Omen heißt es für ein Dreamteam: Dreamgirl und Rachel.

Am Rande: Dreamgirl ist eine 16-jährige westfälische Stute von Dänenkönig/Damokles/Pilot/Lucius xx, Mutter Ehrentusch-Duellant-Duft-Linie und diente als Dressurpferd.

Quelle: RP
 
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