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Postskriptum Die Woche In Unserer Stadt
St. Martin steht vor der Tür, kein Lichterfest

Hilden. Im vergangenen Jahr haben wir in Kitas und Grundschulen nachgefragt, wo Lichterfeste gefeiert werden - und wo es noch St. Martin heißt. Im Land sind allerlei Lichter- und andere Feste zusammengekommen, in der Stadt heißt es fast überall St. Martin. Fast.

Die Grundschule am Elbsee hat im vorigen Jahr ein "Lichterfest zu Ehren von St. Martin" gefeiert, und sie hat es auch in diesem Jahr vor - um eine christliche Tradition hochzuhalten, wie die Schulleiterin in ihrer Einladung betont.

Nun mag es kleinkariert klingen zu sagen: Warum feiert die Schule mit all ihren Kindern und Eltern nicht einfach St. Martin? Ist das wirklich so wichtig?

Ich finde: ja. Es ist die Summe solcher Kleinigkeiten, die viele Menschen wütend macht. In Kantinen wird das Schweinefleisch abgeschafft, weil es ja viel einfacher ist, grundsätzlich darauf zu verzichten, ist ja auch nicht nötig. In Schulen darf kein Kreuz hängen, muslimische Schülerinnen dürfen im Schwimmunterricht Burkini tragen.

Hildener Schüler gehen nicht zur Besichtigung in die Reformationskirche, weil ihnen ihr Glaube dies angeblich nicht erlaubt. Was für ein blühender Unsinn! Niemandem ist es verboten, eine Kirche zu besichtigen. Aber als Lehrer weiß man das vielleicht nicht, wenn ein Schüler so etwas behauptet - und besteht dann eben auch nicht darauf, dass der Schüler mitkommt. Er darf draußen warten. So geschehen in Hilden. Weitere Beispiele gibt es sicher zuhauf.

Sie haben alle etwas gemeinsam: Unwissenheit ist oft im Spiel und vorauseilender Gehorsam. Es sind gar nicht die Andersgläubigen, die Eingewanderten, die sich ein "Lichterfest" wünschen oder das Kreuz an der Wand kritisieren oder das Essen in der Kantine.

All diese Einschränkungen bieten die "Einheimischen" ganz von alleine an. Könnte ja jemand was sagen! Nun, was denn?

Ein bisschen mehr Selbstbewusstsein würde uns nicht schaden.

goekcen.stenzel@rheinische-post.de

Quelle: RP
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